Titel: Ueber die Form, in welcher das Eisen im Blute enthalten ist; von Paquelin und L. Jolly.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 256–257)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi03_05

Ueber die Form, in welcher das Eisen im Blute enthalten ist; von Paquelin und L. Jolly.

Die Frage, in welcher Form das Eisen im Thierblute enthalten ist, wurde schon oft studirt und von verschiedenen Chemikern, die sich mit derselben beschäftigten, in verschiedener Weise gelöst.

Fourcroy nahm an, daß das in Rede stehende Metall im Blute als Lösung in Albumin – und zwar in Form von phosphorsaurem Eisenoxyd, vorhanden sei; allein einen Beweis für die Richtigkeit dieser Ansicht brachte er nicht bei.

Enderlin constatirt, ohne jedoch das bei seinen Analysen befolgte Verfahren anzugeben, daß die Asche der verbrannten Blutkörperchen Eisenoxyd und phosphorsaures Eisen enthält.

Boussingault (Comptes rendus, t. LXXV p. 229) kam bei der Untersuchung dieser Asche des Hämatosins bei seinen Analysen zu demselben Schlusse wie Enderlin.

In einer am 10. März 1873 der (französ.) Akademie überreichten Abhandlung: „Untersuchungen über die chemische Constitution der Blutkörperchen“ haben wir den Nachweis geliefert, daß das Eisen in den letzteren als dreibasisches Oxydulphosphat existirt. Die Abweichungen zwischen den oben angegebenen und den von uns erzielten Ergebnissen sind zweifelsohne dadurch begründet, daß wir, anstatt das Material zu den Analysen zu verbrennen (einzuäschern) – die einzige bis jetzt angewendete Methode – dasselbe nur verkohlten. In unserer früheren Abhandlung über diesen Gegenstand bemerkten wir, daß es, wenn gewisse Salze der Einäscherung Widerstand leisten, außer Zweifel steht, daß die im Blute vorhandene Eisenverbindung durch den Verbrennungsproceß einer tiefgehenden Veränderung unterliegt.

Die vorliegende Mittheilung wird den Beweis für diese Behauptung liefern.

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Unterwirft man das ganze Blut, oder aber das unreine Hämatosin, wie man es mittels der bekannten Methoden erhält, der Einäscherung, so finden nachstehende Vorgänge statt. Im ersteren Falle nämlich wandeln sich die im Blute enthaltenen Alkalien in Carbonate um; im letzteren Falle wird die mit dem Eisen in dem Verhältnisse von 9/10 verbundene organische Substanz in Form von Kohlensäure und Kohlenoxyd abgeschieden.

Nun wollten wir nachweisen, welche Art von Wirkung einerseits die Kohlensäuresalze, andererseits die Kohle auf das Eisen der Blutkörperchen, d.h. auf das Eisenphosphat ausüben und stellten zu diesem Behufe die folgenden drei Versuche an:

1) 50 Centigrm. Eisenphosphat, FeO₃,PO₅ [Fe₂(PO₄)₂] wurden mit gleichen Theilen von Kaliumbitartrat (zweifach weinsaures Kalium) gemengt und in einer kleinen Platinschale fünf Minuten lang geglüht.

2) Ein gleiches Gemenge wurde in derselben Weise eine Viertelstunde geglüht.

3) 50 Centigrm. Eisenphosphat wurden mit 5 Grm. Zucker gemengt und dann eine halbe Stunde lang geglüht. (Die Verbrennung des Kohlenstoffes erfolgte nur unvollständig.)

Phosphorsäure.
Das zu unseren Versuchen verwendete Eisenphosphat enthielt
in 0,50 Grm.

0,240
Bei dem ersten, fünf Minuten langen Glühen entzog das
Alkalisalz dem Eisenphosphate

0,060
Bei dem zweiten eine Viertelstunde in Anspruch nehmenden
Versuche entzog das Alkalisalz dem Eisenphosphate

0,200
Bei dem dritten Versuche nahm der Kohlenstoff, obgleich die
Verbrennung eine nur unvollständige war, auf

0,140

Die Phosphorsäure wurde auf maßanalytischem Wege mittels einer titrirten Lösung von essigsaurem Uran bestimmt.

Zum Behufe der Analyse des Eisenphosphates war die Phosphorsäure aus ihrer Verbindung mit dem Eisen zunächst in Form von phosphorsaurer Ammoniak-Magnesia bei Gegenwart von überschüssigem citronsaurem Ammoniak abgeschieden worden. Unsere Versuche liefern den Nachweis dafür:

1) daß das Verbrennen des Materiales ein fehlerhaftes Verfahren ist, wenn es bei der Analyse des Blutes zur Untersuchung des eisenhaltigen Bestandtheiles vom letzteren angewendet wird;

2) daß die Resultate, der verschiedenen Dauer der Operation und der Zusammensetzung der der Analyse unterworfenen Substanzen entsprechend, verschieden ausfallen;

3) daß die Verkohlung des zur Analyse verwendeten Materiales bei möglichst niedriger Temperatur vorzuziehen ist.

Außerdem wird durch unsere Versuche die Verschiedenheit der von den verschiedenen Chemikern, welche die Constitution des im Blute vorhandenen eisenhaltigen Bestandtheiles zu ergründen suchten, erzielten Resultate erklärlich. (Comptes rendus, t. LXXVIII p. 1579; Juni 1874 und t. LXXIX p. 918; October 1874).

H. H.

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