Titel: Ueber eine künstliche Thierkohle, welche die entfärbende Eigenschaft des Spodium theilt; von A. Gawalovski, Chemiker in Prag.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 258–259)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi03_08

Ueber eine künstliche Thierkohle, welche die entfärbende Eigenschaft des Spodium theilt; von A. Gawalovski, Chemiker in Prag.

Von der Annahme ausgehend, daß der dreibasisch phosphorsaure Kalk in den schwarzen Knochen, bei der Function des Entfärbens und Entkalkens, keine Rolle spielt, versuchte ich denselben durch Bimsstein, die im Spodium enthaltene Stickstoffkohle aber durch verkohltes Blut zu ersetzen. Vielleicht gelingt es auf diesem Wege ein Spodiumsurrogat zu liefern.

Ich füllte eine geräumige Flasche mit wallnußgroßen Stücken liparischen Bimssteines und mit frischem geschlagenen Ochsenblute an, so daß alle Stücke davon bedeckt waren. Nun pumpte ich mit einer Handluftpumpe die Flasche möglichst luftleer; öffnete dann den Lufthahn wieder, damit die Flüssigkeit besser in die Poren eindringe. Nun füllte ich mit den völlig durchtränkten Bimssteinstücken hessische Tiegel, verschloß dieselbe mit gut passendem Deckel und glühte so lange, bis sich kein brennendes Gas mehr zeigte. Der mit Blutkohle durchdrungene Bimsstein erwies sich in allen Theilen gleichmäßig, glänzend schwarz und haftete an der Zunge. Eine Probe derselben mit ätzendem und kohlensaurem Natron behandelt, gab keine unverkohlten organischen Stoffe mehr; die Verkohlung war demnach eine vollständige.

Geschiedener Rübensaft, der 0,20 Proc. Alkalinität und eine rothgelbe Farbe hatte, wurde mit dieser Kohle 1/2 Stunde warm stehen gelassen; es ergab sich eine beinahe wasserhelle Farbe; die Alkalinität (0,19 Proc.) wurde jedoch nicht vermindert.

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Da das Blut immer Mineralstoffe enthält, wurde der Aschengehalt von 12 verschiedenen Blutsorten bestimmt:

I 1,030 Proc. VII 0,650 Proc.
II 0,532 „ VIII 0,566 „
III 0,320 „ IX 0,412 „
IV 0,500 „ X 1,100 „
V 0,532 „ XI 0,492 „
VI 0,826 „ XII 0,945 „ im Durchschn. also 0,667 Proc. Asche.

Auf 1 Kub. Meter Bimsstein kommen etwa 6,75 Liter Blut, entsprechend 46 Grm. Salze; dennoch könnte diese geringe Menge im Betriebe lästig werden. Es wurden daher 1 Kub. Decimeter Bimssteinkohle mit kochendem destillirtem Wasser ausgelaugt und nach einer halben Stunde in den 3 Liter Waschwasser 1,5 Gramm, durch verdünnte Essigsäure 2,2 Grm. Salze erhalten.

Es ist daher dieses Surrogat vor seiner Anwendung auszuwaschen. Ein totales Verdrängen des Spodiums wird wohl nicht möglich sein; doch könnte das Bimssteinfilter als Nachfilter wirken und dadurch das Spodium wenigstens theilweise ersetzen. Noch bleibt zu erwähnen, daß die trockene Destillation der blutgetränkten Bimssteinstücke ein schön brennendes, leuchtendes Gas liefern.

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