Titel: Künstliche Därme aus Pergamentpapier.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 259–260)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi03_09

Künstliche Därme aus Pergamentpapier.

Die „Papier- und chemische Fabrik“ in Heisenberg bei Dresden fabricirt zur Zeit – nach dem polytechnischen Notizblatt, 1874 S. 235 – im Gegensatz zu der früheren immer mangelhaften Handarbeit einen endlosen Darm von vegetabilischem Pergament mittels Maschinen. Während früher zu einer täglichen Production von 7800 Meter 50 Personen nöthig waren, liefert die neue, mit Dampf betriebene Maschine in derselben Zeit dasselbe Quantum bei einer Bedienung von drei Personen. Das auf einer Papierdrehbank in Streifen geschnittene endlose Pergamentpapier läuft in die Maschine ein, wird daselbst genäßt, in Darmform gebracht, geklebt, getrocknet, geglättet und zu Ringen von 100 Meter mittels eines Zählapparates abgemessen.

Die Verwendung der künstlichen Därme ist eine vielseitigere wie die der natürlichen Därme; sie dienen Stoffen als Emballage, wo früher Niemand an Därme dachte. Wir nennen hier die Schuhwichse, welche, weil Holzschachteln schwer zu beschaffen sind, neuerdings in Pergamentpapierdarm eingespritzt und in Wurstform in den Handel gebracht wird (vergl. dies Journal, 1872 Bd. CCVII S. 428). Desgleichen pressen jetzt einige Fabriken die künstliche Schmalz- sogen. Faßbutter in Pergamentpapierdärme ein und stellen so Butterwürste von 12 bis 15 Centim. Durchmesser und 50 bis 80 Centim. Länge her. Es werden dadurch die kostspieligeren, eingußdichten Fässer erspart; die Butterwürste können in jede beliebige Kiste verpackt werden, und der Detaillist verkauft in handlicherer eleganterer Form: in Wurstscheiben. – In Bierbrauereien benützte man bisher den natürlichen Darm zum Abfüllen des Bieres und war dabei der Unannehmlichkeit ausgesetzt, daß derselbe übelriechend, oder von den Mäusen und Ratten zerfressen wurde. In Sachsen wird jetzt fast ausschließlich der künstliche Darm angewendet, welcher hierfür von Brandt und Warmuth, Gummiwaarenfabrik in Dresden, zu beziehen ist.

Die bedeutendste Verwendung des Pergamentpapierdarmes findet in Schlächtereien statt. Obgleich der künstliche Darm, wenigstens in den dünneren Dimensionen, theurer als der natürliche Darm ist, so bietet er dem letzteren gegenüber die Vortheile, daß er jedes Putzen, welches bekanntlich einen bedeutenden Zeitaufwand erfordert, erspart, daß sich die Wurst, so lange sie aus frischem Fleisch, Blut etc. bereitet ist, länger als im natürlichen Darm hält (da die Verwesung der Wurst stets an der Außenseite, beim Darme, beginnt) und entschieden appetitlicher ist. Bei der Benützung in Schlächtereien ist folgendes zu beachten.

Um möglichst viel Darm an die Wurstspritze anschieben zu können, muß, da der Pergamentpapierdarm nicht so geschmeidig wie der natürliche ist und sich deshalb nicht so dicht wie jener zusammenschieben läßt, das Spritzrohr der Wurstspritze durch Anlöthen eines Zinnrohres oder verzinnten Kupferrohres auf 50 Centim. verlängert werden; die Wurst ist sehr fest zu spritzen und alle Würste, mit Ausnahme der Preßwurst, sind aufzuhängen, nicht zu legen, da sie (besonders Kochwürste) beim Hängen |260| ein schöneres Ansehen erhalten. Der Darm hält das Kochen ebenso wie der thierische Darm aus, da die Naht vollständig unlöslich ist; nur darf das Unterbinden nicht mit zu dünner Schnur bewerkstelligt werden. Von der Anwendung von Hölzchen (Zusteckern) ist ganz abzusehen.

Die eingangs erwähnte Fabrik liefert die Därme verschiedener Dimensionen in endlosen Ringen von 100 Meter Länge zu nachstehenden Preisen.

Nr. 1 Bratwurstdärme 40 Millim. breit 4,5 Mark
Nr. 2 Kranzdärme 60 „ „ 5 „
Nr. 3 Mitteldärme 84 „ „ 8 „
Nr. 4
Nr. 5
Nr. 6
Plumpdärme
oder
Buttdärme
108 Millim. breit
140 „ „
175 „ „
11 „
14 „
18 „
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