Titel: Zur Zucht der kaukasischen Kardendistel-Seidenraupe; von K. H. Ulrichs in Stuttgart.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 260)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi03_10

Zur Zucht der kaukasischen Kardendistel-Seidenraupe; von K. H. Ulrichs in Stuttgart.

Im Anschluß an meine Mittheilungen im zweiten Septemberhefte 1874, S. 535 bemerke ich über mehrfache Anfragen, daß die Züchtung dieser Raupe im Zimmer eine äußerst einfache ist. Es bedarf dazu gar keiner besonderen Vorrichtungen, sondern nur eines Tisches oder einer Fensterbank und einiger Flaschen, welche man mit Wasser füllt, um entweder lange gefiederte Blätter des Götterbaumes oder aber Stämmchen der Karde mit Blättern hineinzustellen. Am bequemsten ist es, die Raupen in einer möglichst großen, umgekehrt aufgerichteten Glasglocke zu halten, auf deren Boden man niedrige, mit Wasser gefüllte Gläser stellt, in welche man das Futter hineingesteckt hat. Oben läßt man die Glocke offen. Sobald die Raupen nämlich erst 6–8 Tage alt geworden, sind sie nicht mehr im Stande am glatten Glase hinaufzukriechen und zu entfliehen. Bei gutem Futter übrigens sind sie ohnehin nicht wanderlustig. In den ersten 6–8 Tagen empfiehlt es sich die Raupen in einem kleineren Glasgefäß (von der Größe eines Bierglases) zu halten, das man oben mit einer Glasscheibe zudeckt. Abgesehen von der etwaigen Wanderlust, gegen die man Vorkehr treffen muß, empfiehlt sich jedoch im Zimmer die Zucht auf Kardenpflanzen in Töpfen – und zwar schon sogleich, nachdem die Räupchen dem Ei entschlüpft sind. Mag man nun auf Flaschen, in der Glasglocke oder auf Töpfen züchten, immer ist es räthlich, die Raupen, mit ihrem Futter, täglich (oder fast täglich) mit Wasser zu besprengen. Man hat stets für frische Luft zu sorgen und die Behältnisse jedenfalls dann vom Auswurf zu befreien, wenn er feucht oder schimmelig wird. Die Thiere besonders warm zu halten, ist nicht nöthig; die gewöhnliche Wärme eines Wohnzimmers genügt.

Um drei Generationen im Jahr leichter zu erzielen, hält man die Cocons der Frühjahrzucht und der Sommerzucht (ganz wie im März die überwinterten Cocons der Spätjahrzucht) ein wenig wärmer, als die Temperatur der Jahreszeit beträgt. Man darf sie jedoch heißen Sonnenstrahlen nicht aussetzen.

Die Cocons mit den lebenden Puppen soll man stets, im Sommer wie während der Ueberwinterung, in eine hängende Lage bringen. Entweder läßt man sie an den Stämmchen und Blättern, an welchen sie sich angesponnen haben, oder man zieht sie am Kopfende mittels einer Nadel auf einen starken Faden und hängt diesen auf.

Eine Eigenthümlichkeit in der Entwickelung der Cynthia besteht darin, daß stets in einer Minderzahl der Cocons, trotz gleicher äußerer Verhältnisse, die Ausbildung des Schmetterlinges so langsam vor sich geht, daß derselbe erst zugleich mit der nachfolgenden Generation seine Hülle verläßt. Während z.B. bei den Cocons der Sommerzucht aus der Mehrzahl gegen Ende des Monats August die Schmetterlinge erscheinen, wird der Rest zugleich mit den Cocons der Spätjahrzucht die Ueberwinterung durchmachen und werden aus diesen erst im nächsten Frühjahr die Schmetterlinge hervorkommen. Zurückgebliebene Cocons hat man demnach keineswegs als aufgegebene zu behandeln. In meiner Zucht betrug diese Minderzahl etwa 10 Proc. Oft ist sie aber größer.

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