Titel: Condensation des Magnetismus in weichem Eisen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 336–337)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi04_03

Condensation des Magnetismus in weichem Eisen.

A. Lallemand hat gefunden, daß die Condensation des Magnetismus, welche Jamin zuerst im Stahl beobachtet hat, auch im weichen Eisen auftritt und zwar in einer sehr bemerkenswerthen Stärke und Dauer. Bei einem hufeisenförmigen Elektromagnet, dessen cylindrische Eisenkerne 4 Centim. im Durchmesser hatten, waren auf jeden Schenkel 150 Meter eines 2 Millim. dicken Drahtes gewickelt, den Anker aber bildete eine Platte aus weichem Eisen von 2 Centim. Dicke und 4 Centim. Breite. Der Strom eines einzigen Bunsen'schen Elementes gab dem Elektromagnet 150 Kilogrm. Tragkraft; bei Unterbrechung des Stromes blieb der Anker, wie schon oft beobachtet, noch fest haften und vermochte bis 50 Kilogrm. zu tragen; nach dem Losreißen aber verschwand jede Spur des Magnetismus, und der Elektromagnet trug nicht einmal mehr seinen Anker. Eine Folge der Cohäsion war das nicht, denn es zeigte sich keine Cohäsion als Folge eines Druckes, welcher weit größer war, als jener durch die magnetische Anziehung verursachte. Uebrigens zeigte eine in die Nähe der einen Polfläche gebrachte Magnetnadel eine starke Ablenkung, welche verschwand sowie der Anker losgerissen war. Den in der Nähe der Polflächen durch Influenz vom Anker condensirten Magnetismus versuchte Lallemand mittels eines in eine Ableitung eingeschalteten Weber'schen Galvanometers zu messen; die Inductionsströme beim Abziehen des Ankers nach Unterbrechung des Batteriestromes und Herstellung der Ableitung und beim Abziehen des nach einigen Minuten wieder angelegten |337| Ankers verhielten sich wie 182 zu 5,5. Die letztere 33mal so kleine Zahl entspricht dem remanenten Magnetismus. Das Verhältniß zwischen dem condensirten und dem remanenten Magnetismus ändert sich mit der Stärke des Stromes, welcher den Magnetismus weckte, mit der Größe und Gestalt des Ankers und der Beschaffenheit des zu den Kernen des Elektromagnetes verwendeten Eisens.

Nachdem die Magnetisirung und das Anhaften des Ankers in ganz derselben Weise herbeigeführt worden war, ließ Lallemand den Elektromagnet 20 Tage liegen, und am Ende dieser Zeit trug der Anker immer noch 50 Kilogrm. ohne abzureißen; auch gab sein Abziehen noch einen eben so starken Inductionsstrom. Wahrscheinlich kann sich dieser magnetische Zustand des weichen Eisens noch längere Zeit hindurch ohne merkliche Schwächung erhalten.

Lallemand hat noch weitere Versuche über die Condensation des Magnetismus im weichen Eisen angestellt; bezüglich deren verweisen wir indessen auf unsere Quelle: Comptes rendus, t. LXXIX p. 893.; Oct. 1874.

E–e.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: