Titel: Ueber Maltose.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 339)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi04_09

Ueber Maltose.

O'Sullivan (Moniteur scientifique, März 1874) hat gefunden, das der bei der Einwirkung eines wässerigen Malzauszugs auf Stärkemehl entstehende Zucker nicht Traubenzucker, sondern eine eigenthümliche, nach der Formel C₁₂H₂₂O₁₁, zusammengesetzte Zuckerart ist. Diese Substanz – die Maltose – reducirt die Fehling'sche Lösung in ganz anderem Verhältniß als Traubenzucker (65 bis 66 Th. des letzteren reduciren ebenso viel Kupferoxydul wie 100 Th. Maltose); sie besitzt ferner ein viel größeres Notationsvermögen als Traubenzucker (α = 149,5 bis 150,6°)

E. Schulze (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1874 S. 1047) hat zur Darstellung der Maltose Stärkekleister mit einer Lösung der aus einem wässerigen Malzauszug durch Weingeist ausgefüllten Diastase bei 60° behandelt. Die zuckerhaltige Lösung wurde auf ein geringes Volum verdunstet und mit Weingeist versetzt; es einstand eine Ausscheidung, welche dem Ansehen nach noch Dextrin enthielt. Die davon abgegossene Lösung wurde zum Syrup verdunstet, und letzterer mit starkem Weingeist ausgekocht. Nach dem Erkalten wurde die klare Lösung von dem Ungelösten abgegossen und über Schwefelsäure der Verdunstung überlassen. Die gelöste Substanz schied sich an den Wandungen und am Boden des Gefäßes anfangs in der Regel als Syrup aus; in demselben zeigten sich aber bald kleine Krystalle und bei längerem Verweilen unter der Mutterlauge verwandelte sich die syrupartige Substanz vollständig in eine weiße Krystallmasse. Durch Umkrystallisiren aus Wasser wurden rein Weiße, harte, sehr feine nadelförmige Krystalle erhalten. Diese Maltose = C₁₂H₂₂O₁₁ + H₂O verliert ihr Krystallwasser beim Erwärmen auf 100 bis 110° und wird durch Kochen mit verdünnten Säuren in Traubenzucker verwandelt. Dubrunfaut gibt an, daß auch bei der Einwirkung von verdünnter Schwefelsäure auf Stärkekleister als Uebergangsproduct Maltose sich bilde, welche dann bei längerem Erhitzen in Traubenzucker übergeht. Im ersten Stadium jener Reaction wird bekanntlich die Stärke in Dextrin umgewandelt. Man könnte demnach die Maltose als einen zwischen Dextrin und Traubenzucker stehenden Körper betrachten.

F.

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