Titel: Ueber die Bestimmung des Alkohols im Wasser, in den Weinen und in süßen Liqueuren; von Salleron.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 339–340)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi04_10

Ueber die Bestimmung des Alkohols im Wasser, in den Weinen und in süßen Liqueuren; von Salleron.

Der von Duclaux ausgeführte (in diesem Journal, 1874 Bd. CCXIII S. 261 mitgetheilte) Gedanke, die Capillar-Erscheinungen bei gewissen quantitativen Bestimmungen anzuwenden, ist nicht neu. Ich hatte die Resultate meiner analogen Untersuchungen bereits früher Hrn. Reveil angegeben, welcher sie am 22. October 1861 in einem der Academie de Médicine überreichten Aufsatze publicirte, welcher namentlich die Tabelle über das Gewicht der Tropfen verschiedener arzneilichen Flüssigkeiten, sowie die Zahl der zu einem Gramm erforderlichen Tropfen enthält.

Man findet darin z.B., daß

1 Tropfen destillirtes Wasser bei + 15° C. 50 Milligrm. wiegt,
1 10procentiges Zuckerwasser 50
1 20 „ „ 50
1 40 „ „ 50

der in Wasser gelöste Zucker verändert also das Gewicht der Tropfen nicht.

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Salzsäure von 1,17 spec. Gew. liefert ebenfalls Tropfen von 50 Milligrm. und selbst Ammoniakflüssigkeit. Daraus ersieht man, daß diese beiden Flüssigkeiten, von denen die eine schwerer und die andere leichter als Wasser ist, ein und dieselbe Cohäsion besitzen.

Alkohol von 86° gibt 16 Milligrm. schwere Tropfen; sämmtliche mit Alkohol derselben Stärke bereitete Tinkturen geben Tropfen desselben Gewichtes.

Aether von 60° gibt 11 Milligrm. schwere Tropfen, und ebenso die damit bereiteten Tinkturen.

Alle vegetabilischen Oele geben 20 Milligrm. schwere Tropfen.

Diese Beobachtungen würden zeigen, daß die einfach in den Flüssigkeiten aufgelösten Materien deren Cohäsion nicht verändern; allein andere Solutionen, wie z.B. die des Aetznatrons von 36° B., welche 64 Milligrm. schwere Tropfen gibt, widersprechen jener Annahme. Kommt das daher, weil das Natron nicht einfach gelöst ist und weil wahrscheinlich Verbindungen desselben mit dem Wasser bestehen?

In den Mischungen von Wasser und Alkohol nimmt das Gewicht der Tropfen mit der Vermehrung des Alkohols ab, und für jeden Grad sind die Differenzen veränderlich; dieselben sind sehr beträchtlich in denjenigen Mischungen, welche wenig Alkohol und viel Wasser enthalten, wie aus nachstehender Tabelle zu ersehen ist.

Alkohol-Gehalt. Gewicht von 20 Tropfen. Unterschiede.
0 Procent 1,000 Grm. 0,000
1 „ 0,940 „ 0,060
2 „ 0,895 „ 0,045
3 „ 0,858 „ 0,037
4 „ 0,826 „ 0,032
5 „
0,797 „ 0,029
14 „ 0,640 „ 0,000
15 „ 0,630 „ 0,010
16 „ 0,617 „ 0,013

Diese Zusammenstellung zeigt deutlich, daß es möglich ist, Alkohol in alkoholarmen Flüssigkeiten genau zu bestimmen, und daß hier gerade der Fall eintritt, wo das Gay-Lussac'sche Aräometer die größte Unsicherheit darbietet.

Stellt man dieses Resultat mit den Beobachtungen über die Wirkung des Zuckers und vieler anderen aufgelösten Materien zusammen, so läßt sich daraus auf die Möglichkeit der Anwendung desselben Verfahrens zur Bestimmung des Alkoholgehaltes der Weine, ohne daß dazu eine vorhergehende Destillation erforderlich ist, schließen. Ich habe auch dahin zielende Versuche angestellt, aber dabei gefunden, daß man nur annähernde Werthe erhielt – ohne Zweifel, weil die im Weine vorkommenden complexen Materien nicht ohne Einfluß auf die Cohäsion sind. Duclaux ist zu demselben Ergebnisse gelangt.

Ich habe constatirt, daß bei den gewöhnlichen Weinen die Irrthümer sehr klein sind, und es gelang mir, den Tropfen-Zähler zur Lösung einer eigenthümlichen Frage anzuwenden. Zur Ausführung des jüngsten Gesetzes über die Getränke hatte die Pariser Octroi-Behörde zu ermitteln, ob die an der Zolllinie angelangten Weine mehr oder weniger als 15 Proc. Alkohol enthielten. Man bedurfte einer rasch auszuführenden Methode; ich schlug dazu den Tropfen-Zähler vor, und seit dem 1. Januar 1872 ist dasselbe in regelmäßigem Gebrauche der Beamten. Nur in zweifelhaften Fällen bedient man sich der Destillation.

Aus dem Mitgetheilten folgt, daß mein Verfahren im Abwägen einer gewissen Anzahl – gewöhnlich von zwanzig Tropfen besteht. Duclaux schlägt vor, die Menge der Tropfen, welche ein bestimmtes Volum, nämlich 5 K. C. liefert, zu zählen; allein dies ist nicht so genau wie das Wägen der Tropfen. (Comptes rendus, 1874, t. LXXVIII p. 1147.)

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