Titel: Ueber einen dem Magdalaroth analogen Farbstoff von M. T. Lecco.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 341–342)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi04_14

Ueber einen dem Magdalaroth analogen Farbstoff von M. T. Lecco.

In seiner Abhandlung über das Magdalaroth hat A. W. Hofmann (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1869 S. 412; dies Journal 1869, Bd. CXCIII S. 502) bereits die Beobachtung mitgetheilt, daß sich bei der Einwirkung von Anilin und Toluidin auf Azodinaphtyldiamin zwei durch ihre Fluorescenzerscheinungen ausgezeichnete rothe Farbstoffe bilden, welche dem unter denselben Bedingungen durch Naphtylamin entstehenden sehr ähnlich sind. Er hat ferner die Ansicht ausgesprochen, daß der von Martius und Grieß (Monatsberichte der Berliner Akademie 1866 S. 171) durch Erhitzen von Azodiphenyldiamin mit salzsaurem Anilin erhaltene blaue Farbstoff wahrscheinlich die dem Magdalaroth entsprechende Verbindung in der Benzolreihe sein möge – eine Ansicht, welche durch spätere in Gemeinschaft mit A. Geyger |342| (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1872 S. 472) ausgeführte Versuche bestätigt worden ist. Verf. hat nun die durch Wechselwirkung von Azodinaphtyldiamin einerseits und Anilin und Toluidin anderseits entstehenden Farbstoffe genauer untersucht.

Das erforderliche Azodinaphtyldiamin wurde nach der Methode von Perkin und Church dargestellt, indem man auf 2 Mol. salzsaures Naphtylamin, 1 Mol. Kaliumnitrat und 1 Mol. Kaliumhydrat einwirken ließ. Bei dieser Darstellung kommt es wesentlich darauf an, daß die angewendeten Lösungen den richtigen Concentrationsgrad haben. Wendet man z.B. eine kaltgesättigte Lösung von salzsaurem Naphtylamin an (eine solche Lösung enthält 3,5 Grm. Salz in 100 K. C. Wasser von 17°), so erfolgt auf Zusatz von mäßig concentrirten Lösungen von Kaliumhydroxyd und Kaliumnitrit augenblickliche Abscheidung eines mit großen Mengen harziger Materien gemengten Productes. Sucht man diesem Uebelstande durch Arbeiten in sehr verdünnten Lösungen zu begegnen, so kann der Fall eintreten, daß das Kaliumnitrit gar nicht mehr zur Wirkung kommt und nur durch das Alkali die freie Base gefällt wird, welche zunächst als weiße Färbung erscheint, aus der sich aber bald lange Nadeln ausscheiden. Und nicht nur der Grad der Verdünnung spielt bei diesem Processe eine wichtige Rolle, sondern auch die Temperatur, so daß es schwer sein würde, eine für alle Fälle brauchbare Vorschrift für die Bereitung der Azobase zu geben. Je kälter die Lösung des Salzes ist, destoweniger braucht man sie zu verdünnen. Man wird stets wohlthun, einen Vorversuch zu machen und nur dann an die Darstellung größerer Mengen heranzutreten, wenn der beim Vermischen der Lösungen entstehende Niederschlag nicht dunkelbraun, sondern bräunlich roth erscheint.

Das auf diese Weise als rothbrauner Niederschlag erhaltene Azodinaphtyldiamin läßt sich bequem durch Auflösen in einer Mischung von Alkohol und Aether reinigen. Die kochend heiß filtrirte Lösung wird allmälig mit heißem Wasser versetzt, bis eine Färbung entsteht. Nach einigen Augenblicken scheidet sich alsdann das Azodinaphtyldiamin in rothbraunen Nadeln aus, welche das Licht metallisch grün reflectiren. Durch Anwendung von Alkohol allein, wie es Perkin angibt, ist dem Verfasser die Reindarstellung der Azobase, welche für die Umwandlung in Farbstoff erste Bedingung ist, nicht gut gelungen. Der Schmelzpunkt des reinen Azodinaphtyldiamins liegt nach Perkin bei 135°; die vom Verf. dargestellte reine Base verschiedener Bereitung schmolz dagegen stets bei 173 bis 175°.

Was nun die Umwandlung dieses Körpers in die dem Magdalaroth entsprechende, theilweise wenigstens der Phenyl- und Tolylreihe ungehörige Farbstoffe anlangt, so dürfte man erwarten, daß sie sich nach den Gleichungen:

C₂₀H₁₅N₃ + C₆H₇N = C₂₆H₁₉N₃ + H₃N und

C₂₀H₁₅N₃ + C₇H₉N = C₂₇H₂₁N₃ + H₃N

vollziehen würde.

Um diese Auffassung durch den Versuch zu bethätigen, wurde Azodinaphtyldiamin mit salzsaurem Paratoluidin längere Zeit auf 170 bis 180° erhitzt. Die erhaltene Schmelze enthielt neben dem entstandenen rothen Farbstoff reichliche Mengen Salmiak, was schon als Beweis gelten konnte, daß die Reaction ähnlich wie bei der Bildung des Magdalaroths verlaufen sei. Um den gebildeten rothen Farbstoff zu isoliren, wurde das Rohproduct nach dem Auswaschen des Salmiaks in das salzsaure Salz verwandelt und aus demselben die Base durch Alkali wieder ausgefällt. Nachdem man diese beiden Operationen mehreremale wiederholt hatte, wurde das salzsaure Salz aus Alkohol umkrystallisirt, wodurch es allerdings unter starkem Substanzverlust schließlich in kleinen Nadeln mit metallisch grünem Reflex erhalten wurde.

Die Analyse zeigte, daß man es in der That mit einem Salze von der Zusammensetzung: C₂₇H₂₁N₃, HCl zu thun hatte.

Das auf die angegebene Weise dargestellte Salz ist in Alkohol leicht, in Wasser ziemlich schwer löslich. Die alkoholische Lösung zeigt die nämliche Fluorescenzerscheinung wie das Magdalaroth selbst. Die rein wässerige Lösung zeigt diese Erscheinung nicht; doch kommt sie durch Versetzen derselben mit wenigen Tropfen Alkohol zum Vorschein. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1874 S. 1290.)

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