Titel: Tommasi's hydro-thermischer Motor.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 418–419)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi05_01

Tommasi's hydro-thermischer Motor.

Dieses neue System, welches der Erfinder speciell zum directen Antrieb schwerer Arbeitsmaschinen (als Pressen, Loch- und Niet-Maschinen etc.) verwenden will, beruht auf folgendem Experiment. Eine unten geschlossene eiserne Röhre von 1/3 Zoll (8,5 Mm.) lichtem Durchmesser und 3 Fuß (914 Mm.) Länge wird mit Oel voll gefüllt und an |419| ihrem oberen Ende mit einer niedergeschraubten Bleischeibe verschlossen. Hierauf werden außerhalb der Röhre angebrachte Gasbrenner entzündet; das eingeschlossene Oel erwärmt sich und treibt alsbald aus der bleiernen Verschlußplatte eine Scheibe – genau von dem lichten Durchmesser der Röhre – heraus. Die hierzu aufgewendete Kraft beträgt bei der angegebenen Stärke der Bleiplatte von 1/4 Zoll (6,4 Mm.) und deren Abscherungsquerschnitt von etwas über 1/4 Quadratzoll (161 Qu. Mm.) beiläufig 300 Kilogrm., was einem Ausdehnungsdrucke des, wie angegeben wird, nur um 7° C. erwärmten Oeles von über 600 Atmosphären entspräche – ein Resultat, welches jedoch insofern nicht ganz glaubwürdig erscheint, als die danach berechnete Compressibilität des Oeles nur 1/4 derjenigen des Quecksilbers betragen würde, welch letzteres bis jetzt als die am wenigsten zusammendrückbare Flüssigkeit betrachtet wird. Aber selbst abgesehen davon ist schwer erfindlich, in welcher Weise die äußerst geringe Volumänderung des erwärmten und dann wieder abgekühlten Oeles oder Glycerins (ca. 8/10000 des Volumens für 1° C. Temperatur-Differenz) in eine merkbare äußere Bewegung umgesetzt werden soll. Es mag daher nur der Curiosität halber (nach dem Engineer, September 1874 S. 221) angeführt werden, daß der Erfinder die erforderlichen Temperatur-Differenzen durch kaltes oder warmes Wasser, das in entsprechenden Röhren circulirt, erreichen will, um auf diese Art selbst eine oscillirende, resp. rotirende Bewegung zu erzielen und gleichzeitig alle Dampfmaschinen, Transmissionen, Riemen etc. zu vermeiden, statt deren in jeder einzelnen Arbeitsmaschine ein „hydro-thermischer Oel-Motor“ installirt wird. Ein weiterer Vortheil bestände darin, daß auch der so umständliche und explosionsgefährliche Dampfkessel erspart und durch einen einfachen Warmwasser-Kessel ersetzt werden kann, so daß unsere Quelle die ausgedehnte Anwendung dieses Systemes für Pressen, Lochmaschinen und dergl., Aufzüge und – man staune – Tramway-Waggons – in nicht ferner Zeit erwarten zu dürfen glaubt.

M. M.

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