Titel: Natur- und Kunstwein.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 421–422)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi05_07

Natur- und Kunstwein.

In der Sitzung vom 28. September d. J. des „Congreß der Pomologen und Oenologen“ faßte die sehr zahlreich versammelte Section der Weinproducenten (nach dem landwirthschaftlichen Anzeiger) folgenden wichtigen Beschluß:

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1. Die Begriffe Naturwein und fabricirter oder Kunst-Wein sind dahin zu fixiren:

Naturwein ist das Getränk, welches entsteht, wenn man den Traubensaft, wie ihn die Natur liefert, nach den Regeln der Wissenschaft vergähren und sich klären läßt.

Fabrikat- oder Kunstweine sind solche, welche aus dem unvergohrenen wie vergohrenen Traubensaft oder den Trestern mittels Zusätzen von Wasser, Zuckerarten, Sprit, Glycerin, Weinsteinsäure u.s.w. bereitet werden.

2. Die anerkannten Nachtheile, welche die Weinfabrikation sowohl für die Weinproduction als auch für die Weinconsumenten im Gefolge hat, sind darauf zurückzuführen, daß die Fabrikate unter der für den Naturwein gebräuchlichen Bezeichnung „Wein“ in den Kleinverkehr gebracht werden.

3. Eine Abhilfe hiergegen ist nur auf gesetzlichem Wege zu erlangen – und zwar in der Weise, daß bei der bevorstehenden Revision des Strafgesetzbuches eine Bestimmung in demselben aufgenommen wird, nach welcher im Handel die Bezeichnung „Wein“ lediglich für die Naturweine zulässig ist, alle fabricirten Weine aber nur unter einer ihre Darstellungsweise ausdrücklich erkennen lassenden Benennung wie „Kunstwein, gallisirter-, petiotisirter-, chaptalisirter Wein“ verlauft und zum Verkauf ausgeboten werden dürfen.

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