Titel: Chemische Beschaffenheit des Wassers der neuen Wasserleitung für Frankfurt a. M.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 422–423)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi05_10
|423|

Chemische Beschaffenheit des Wassers der neuen Wasserleitung für Frankfurt a. M.

Dieses aus einer Entfernung von 70 bis 75 Kilometer fast ausschließlich in eisernen Röhren nach Frankfurt aus dem Basalt des Vogelsberges bereits geleitete oder aus dem Bundsandstein des Spessart noch zu leitende Wasser gelangt in das dortige 54,7 Meter über dem Nullpunkte des Mainbrückenpegels gelegene Hochreservoir seit November 1873 in einer täglichen Menge von 5750 Kubikmeter, seit Mai 1874 mit etwa 9200 Kubikmeter; in einem Jahre, nach Anschluß der Spessartquellen, wird die tägliche Wassermenge etwa 18500 Kubikmeter betragen.

Die Temperatur des Vogelsberger Wassers schwankte vor der Fassung der Quellen bei einer Lufttemperatur von – 6° bis + 22,4° zwischen 9,50° und 9,95°; nach der Fassung beträgt diese Schwankung nicht mehr als 0,2°. Nach den bisherigen – freilich wegen der Kürze der Zeit noch nicht ganz genügenden – Beobachtungen wird das Maximum und Minimum der Temperatur des in dem hiesigen Hochreservoir anlangenden Wassers nicht mehr als 1,8° differiren.

Die Quellen des Vogelsberges (zu Fischborn) zerfallen in drei Gruppen; die erste, die Quellen an der Aue, besteht aus 139 größeren oder kleineren Quellen; die zweite besteht aus 4 Quellen (Aderborn, Born am Wehr, Lohfinkborn, Aderweiherquelle), die dritte aus 2 Quellen (Quelle am alten Seeweiher und Wehnerborn genannt).

Nach den Analysen von Dr. G. Kerner (in dessen Bericht vom April 1874) enthält ein Liter Wasser Milligramme:

Bestandtheile.
Vogelsberger Quellen.
Reservoir am
Aspenheimer
Kopf.
(Octbr. 1873.)

Hochreservoir
bei Frankfurt.
(März 1874.)
1. Gruppe. 2. Gruppe. 3. Gruppe.
Chlornatrium 3,0 3,4 3,6 3,4 3,1
Schwefelsaurer Kalk 4,0 4,1 4,8 4,3 4,3
Kohlensaures Natron 6,6 8,1 7,6 8,0 7,8
Kohlensaurer Kalk 33,0 31,2 33,1 31,2 31,0
Kohlensaure Magnesia 32,0 32,3 31,7 33,2 31,5
Kieselsäure 30,1 27,7 29,8 29,0 27,8
Mineralbestandtheile 108,4 106,6 110,4 109,1 105,5
Huminkörper 4,9 unwägbar unwägbar 2,8 1,6
Halbgebundene Kohlensäure 34,5 33,9 34,3 34,5 33,4
Freie Kohlensäure 26,0 40,8 33,0 26,4 22,3

Aus dem Spessart (Cassel- und Biebergrund) werden der Leitung zehn – meist bereits gefaßte – Quellen zugeführt werden. Die festen Bestandtheile der einzelnen Quellen schwanken zwischen 17,5 und 24,2 Milligrm. im Liter. Speciell betragen die festen Bestandtheile der bedeutendsten bis jetzt gefaßten Spessartquelle, des Breitenruhborns, im Liter

Chlornatrium 3,7 Milligrm.
Schwefelsaurer Kalk 2,0
Kohlensaures Natron 2,3
Kohlensaurer Kalk 1,5
Kohlensaure Magnesia 0,1
Kieselsäure 7,0
Spuren von Salpetersäure, Eisen, Thonerde
und organische Substanzen

3,5

Demnach beträgt die durchschnittliche Härte* des Vogelsberger Wassers = 4,1, jene des Spessartwassers = 0,17 Grad.

F.

|423|

Vergl. dies Journal, 1873 Bd. CCX S. 300.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: