Titel: Imitation des Nußbaumholzes.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 426)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi05_17

Imitation des Nußbaumholzes.

Die bis jetzt fast allgemein übliche Manipulation, Möbel aus Erlen-, Birken- oder Rothbuchenholz etc. nußbaumartig zu Poliren, besteht darin, daß man die betreffenden Möbeltheile, nachdem dieselben vollständig ausgearbeitet, abgeputzt und auf gewöhnliche Weise mittels Glaspapier geschliffen sind, mit einer Beize behandelt, welche aus Kasseler Braun, in sogen. Seifensiederlauge gekocht, besteht. Nachdem die gebeizten Theile vollständig trocken geworden und mittels Bimsstein und Oel nachgeschliffen sind, werden dieselben unter Anwendung von Schellack-Politur polirt. Andere finden wieder eine Abkochung von getrockneten grünen Wallnußschalen in genannter Lauge oder in weichem Wasser, in welches man Soda gethan hat, zweckmäßiger. Auch findet eine Braun-Beize mittels Catechu und Chromkali, jedes für sich in kochend heißem Wasser aufgelöst und nach einander auf das Holz aufgetragen, vielfache Verwendung. Außer diesen vorgenannten gibt es noch eine große Zahl von Beizverfahren zur Nachahmung des Nußbaumholzes, welche wie die genannten alle mehr oder weniger dem Zwecke entsprechen, im Ganzen aber noch sehr unvollkommen sind. Die Beize, aus Kasseler Braun bereitet, hat den Nachtheil, daß dieselbe nicht alle Holzarten gleichmäßig färbt, zumeist auch nicht tief genug in die Holzfaser harter Holzarten eindringt, und in Folge dessen beim Nachschleifen mittels Bimsstein und Oel, besonders an scharfen Ecken und Kanten, sich abschleift. Auch wird durch den unvermeidlichen Ueberschuß an Farbmasse die Schönheit des Holzes, welche in der Art des Wuchses und der Poren besteht, verdeckt, so daß die Beizung mehr als Anstrich erscheint. Denselben Nachtheil hat die Beize aus Nußschalen-Abkochung; nebenbei hat diese noch den Fehler, daß in Folge des in den Nußschalen enthaltenen Klebestoffes die Beizflüssigkeit sich gallertartig und schleimig zeigt, was die gleichmäßige Auftragung sehr erschwert. Die Beize aus Catechu und Chromkali bewirkt in der Holzfaser einen rothbraunen Farbniederschlag, welcher von der Nußbaumholzfarbe zu sehr abweicht.

Die geeignetste Beizung besteht in Folgendem. 1 G. Th. Nuß-Extract wird in 6 G. Th. weichem Wasser unter Erwärmung bis zum Kochen und unter Umrühren aufgelegt. Das zu beizende Holz muß gehörig trocken und erwärmt sein, wonach die Beize ein- bis zweimal aufgetragen wird. Nachdem die so behandelten Möbeltheile halbtrocken geworden sind, überstreicht man dieselben nochmals mit einer Auflösung von 1 G. Th. rothem chromsauren Kali in 5 G. Th. kochend heißem Wasser, läßt vollständig trocknen, und schleift und polirt wie gewöhnlich. Man wird besonders bei Rothbuchen- und Erlen-Holz eine dem amerikanischen Nußbaumholze täuschend ähnliche Farbe, welche ungefähr 2 bis 4 Millim. tief in die Holzfaser eingedrungen und fixirt ist, wahrnehmen. Die Beize ist, was mit ins Gewicht fällt, eine billige. Das Nuß-Extract sowie rothes Chromkali ist in jedem größeren Droguengeschäft käuflich. Die Manipulation ist eine einfache. (Industrie-Zeitung für Ungarn.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: