Titel: Zur Darstellung von Leinölfirniß und Firnißpapier; von E. Thorey.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 426–428)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi05_18
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Zur Darstellung von Leinölfirniß und Firnißpapier; von E. Thorey.

Bei Beantwortung der Frage, welches ist die zweckmäßigste Vorschrift zur Herstellung eines guten und billigen Firnisses für Firnißpapier, abstrahire ich selbstverständlich von den mannigfaltigen Firnissen, wie sie in der Technik Anwendung finden, und verweise die sich dafür Interessirenden auf Mulder: Chemie der austrocknenden Oele, 1867; Winkler: Lack- und Firnißfabrikation; und Pöppinghausen: Lehrbuch der Firnißfabrikation.“

Als Grundsubstanz der fetten Firnisse haben wir das Leinöl, namentlich altes, anzusehen, wenngleich auch andere trocknende Oele, wie Nuß-, Mohn-, Hanf- und Rüböl sich dazu eignen. Da erstere beiden für uns zu theuer sind, so bleiben dieselben schon deshalb unberücksichtigt, dagegen könnten die letzteren beiden, was den Preis anbetrifft, mit dem Leinöl concurriren, nur daß die aus ihnen bereiteten Firnisse etwas dunkler ausfallen und um 1 bis 2 Tage langsamer trocknen. Von weniger trocknenden Oelen habe ich außerdem noch Sonnenblumenöl versucht; die mit demselben bereiteten Firnisse zeichnen sich durch Helligkeit aus, und dunkelt das damit hergestellte Firnißpapier nicht nach, was von den übrigen von mir untersuchten Firnissen nicht gesagt werden kann; leider ist das Trockenvermögen des Firnisses ein sehr schwaches (7 bis 8 Tage), was bei starker Nachfrage, wie in Hospitälern, sehr störend sein würde.

Zur Oxydation des betreffenden Oeles – unter dem Einflusse des atmosphärischen Sauerstoffes und der Wärme – werden benützt Metalloxyde und einige Salze (Siccative); so namentlich Bleioxyd, Mennige, kohlensaures und schwefelsaures Bleioxyd, Zinkoxyd, die verschiedenen Oxydationsstufen des Mangans und dessen kohlensaures und borsaures Salz; Salpetersäure soll zur Darstellung von Firnissen im Großen mit Vortheil angewendet werden.

Was nun die Bereitungsweise des Firnisses für unsere Zwecke anbetrifft, so mögen hier einige allgemeine Bemerkungen Platz finden.

Man erhitzt das Oel auf freiem Feuer bis auf etwa 200°, fügt das zuvor mit etwas Oel angeriebene Oxydationsmittel hinzu, vermischt sorgfältig, und setzt das Erhitzen noch etwa 1/2 bis 1 Stunde fort, ohne daß jedoch der Firniß ins Kochen geräth; vom Feuer entfernt, läßt man erkalten und gießt den Firniß in eine Flasche, welche nur leicht verkorkt wird. Der nach einiger Zeit vom Sedimente (Metalloxyd, Schleim, Farbstoff etc.) abgegossene Firniß ist vollkommen klar, und wird nur in wenigen Fällen einige Filtration nöthig sein. Benützt man anstatt des freien Feuers das Dampfbad, so werden Oel und Oxydationsmittel, gut verrieben, in einer Porzellanschale 2 bis 3 Tage bei 60 bis 80° unter zeitweiligem Umrühren digerirt; der Effect ist beinahe derselbe.

Irgend welche Zusätze von Kopal, Kolophonium, Dammar etc. zur Erhöhung des Glanzes und der Undurchdringlichkeit erfüllen unter gewissen Bedingungen ihren Zweck, sind aber nicht nothwendig.

Die Farbe der einzelnen Firnisse kann zwischen weingelb und rothbraun variiren, welche Farbendifferenz übrigens bei der dünnen Lage, mit welcher das Papier bekleidet wird, fast gar nicht zum Ausdruck kommt; aus diesem Grunde ist auch das Bleichen an der Sonne hier zwecklos.

Die Consistenz des Firnisses darf die der dickflüssigen Syrupe nicht überschreiten; hat das dennoch einmal stattgefunden, so verdünnt man mit etwas Terpentinöl. Als Papier eignet sich am besten das Papyrospapier (Cigarettenpapier); andere Papiersorten sind wohl fester, jedoch nicht so geschmeidig, welcher Umstand bei Anwendung des Firnißpapiers namentlich in Betracht kommt. Mit einem Pfund Firniß kann man etwa 48 Bogen Großformat Papyrospapier bestreichen.

Das Bestreichen des Papieres mit dem erwärmten Firnisse vermittels eines Schwammes, oder besser mittels einer weichen kleinen Bürste, geschieht auf einer erwärmten Platte ähnlich wie beim Wachspapier. Nachdem das Firnißpapier gestrichen, wird es sofort auf parallellaufende Schnüre in einem trockenen Raum aufgehängt und bei gewöhnlicher Temperatur getrocknet; hat man kleine Holzklammern, so ist zu empfehlen, mit je zwei derselben den Bogen an einer Schnur zu befestigen. Das Papier kann als trocken angesehen werden, sobald es an den Fingern nicht mehr oder kaum noch anhaftet.

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Frisch gestrichen scheint das Papier weiß und ist dabei glänzend wie Atlas, nimmt aber schon nach einigen Tagen einen gelblichen und, so fortschreitend bei längerem Liegen an der Luft, einen mehr oder weniger röthlichbraunen Ton an, seinen Glanz behaltend; es muß vollkommen wasserdicht und in gewissem Grade auch luftdicht sein; es ist ferner transparent, geschmeidig. Man bewahre es vorsichtig in einem trockenen, unbewohnten Raume auf.

Ich habe noch versucht, das Papier, anstatt zu streichen, durch die Flüssigkeit durchzuziehen, jedoch ist das Verfahren, wiewohl es einen glänzenderen und dickeren Ueberzug liefert, zu umständlich und zeitraubend. Man erreicht dasselbe auf einfachere Weise dadurch, wenn man das Papier, nachdem es getrocknet, noch einmal bestreicht.

Aus einer größeren Anzahl von mir geprüfter Vorschriften zur Darstellung von Firnissen führe ich nur folgende an.

1) 100 Th. Leinöl, 3 1/3 Th. Bleioxyd und 1 2/3 Th. schwefelsaures Zinkoxyd werden so lange erhitzt, bis der Firniß anfängt, sich dunkler zu färben. Das Papier trocknet durchschnittlich in 18 bis 24 Stunden.

2) 100 Th. Leinöl und 4 Th. Mennige werden in derselben Weise wie vorher behandelt. Das Papier trocknet in etwa 24 Stunden.

3) 100 Th. Leinöl, 5 Th. basischessigsaures Bleioxyd, 5 Th. Bleioxyd gemischt, läßt man einige Tage stehen, decantirt und hebt den Firniß von der wässerigen Flüssigkeit ab. Der Firniß zeichnet sich durch seine helle Farbe aus; trocknet in etwa 24 Stunden.

4) 100 Th. Leinöl mit 4 Th. Zinkoxyd verrieben, werden eine Stunde bei etwa 200° erhitzt; sedimentirt sehr langsam, daher zweckmäßiger zu filtriren; Firniß hell, trocknet in 3 bis 4 Tagen.

5) 100 Th. Leinöl werden mit 4 bis 6 Th. Mangansuperoxyd verrieben, alsdann eine Stunde bei etwa 200 bis 250° erhitzt; sedimentirt außerordentlich langsam; man filtrirt durch ein doppeltes Filter; trocknet in etwa 3 Tagen.

6) 100 Th. Leinöl mit 1/3 Th. kohlensaures Manganoxydul (auf 1 Kilogrm. etwa 1,5 Grm.) fein verrieben, werden etwa 1/2 Stunde auf freiem Feuer unter beständigem Umrühren bei 200° erhitzt; der Firniß sedimentirt ebenfalls außerordentlich schwierig; man filtrirt durch ein doppeltes Filter; trocknet in etwa 18 Stunden.

Es gehört diese Vorschrift zu den besten; außer dem kohlensauren Salze empfehle ich namentlich noch das borsaure Manganoxydul.

7) 100 Th. Leinöl, 1/4 Th. concentrirte Salpetersäure (auf ein Kilogrm. etwa 30 Tropfen). Das Oel wird auf etwa 150° erhitzt, vom Feuer entfernt und die Säure tropfenweise unter Umrühren vorsichtig hinzugefügt; man läßt den Firniß einige Tage abstehen und gießt klar ab; trocknet in 6 bis 7 Tagen.

8) 100 Th. Leinöl, 2 Th. Borsäure. Die Borsäure wird in 24 Th. warmem Wasser gelöst, die Lösung dem Leinöl hinzugefügt und so lange erhitzt, bis alles Wasser verdunstet ist; man decantirt und filtrirt. – Das Papier trocknet freilich erst in etwa 4 Tagen; doch hat es den Vorzug vor den anderen, daß es den Rest der klebenden Eigenschaft, welcher allen übrigen Firnissen mehr oder weniger eigen bleibt, vollständig einbüßt.

Der geehrte Leser möge sich hiernach sein eigenes Urtheil über den bezüglichen Werth der einzelnen Siccative bilden, während ich mich bereits für die Recepte 6 und 8 entschieden habe.

Schließlich muß ich noch auf einen Umstand hinweisen, der sehr zu beachten ist. Nicht ohne Grund wurde von mir auf ein vorsichtiges Aufbewahren des Firnißpapieres aufmerksam gemacht, indem im vergangenen Jahre hier am Orte zwei Fälle vorgekommen, wo das Papier sich von selbst entzündet hatte. Es folgt hieraus, das Firnißpapier möglichst lange zu trocknen, bevor es von den Schnüren genommen wird; ferner das trockene Papier in nicht zu dicken Lagen und an Orten (in Blechkästen) aufzubewahren, wo eventuell ein Umsichgreifen des Feuers nicht möglich ist. (Nach der Pharmaceutischen Zeitschrift für Rußland durch die Industrieblätter, 1874 S. 229.)

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