Titel: Selbstbeweglicher Tramway-Waggon.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 494)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi06_01

Selbstbeweglicher Tramway-Waggon.

Statt der schon so oft zum Ersatz der Zugpferde vorgeschlagenen Wasser- oder Aetherdampfmaschinen will der Erfinder des vorliegenden neuen Bewegungssystemes Leveaux seine Tramway-Wagen durch starke Spiralfedern bewegen, welche an den Hauptstationen der Tramway-Geleise durch stabile Maschinen aufgezogen werden und dann selbstthätig die Treibachse des Wagens während der Fahrt in Bewegung setzen.

Nachdem die Hauptschwierigkeit dieses Systemes, nämlich die Beschaffung entsprechend langer und starker Stahlfedern, glücklich bewältigt wurde, indem Sheffielder Stahlfabrikanten derartige Federn bis zu 18 Meter Länge erzeugt haben, welche Spannungen von 400 bis 450 Kilogrm. ausüben können, so mag es gestattet sein, die eigentliche Anordnung dieser immerhin interessanten Construction noch mit einigen Worten zu erklären.

Zwischen den Frames eines gewöhnlichen zweiachsigen Tramway-Wagens sind nebeneinander gelagert und durch verzahnte Kränze mit einander verbunden zwei Reihen von je fünf Trommeln angebracht, welche auf zwei festen Achsen frei beweglich sind. In jeder Trommel ist eine starke Spiralfeder angebracht, deren eines Ende mit der festen Achse, deren anderes Ende mit der beweglichen Trommel verbunden ist, so daß durch gemeinschaftliche Drehung aller Federtrommeln die Spiralfedern auf den festen Achsen aufgewunden werden und somit die Tendenz haben, sich wieder aufzurollen und damit die zur Fortbewegung des Wagens erforderliche Kraft abzugeben. Dieselbe wird durch Zahnrädervorgelege von den Federtrommeln auf die Treibachse übertragen, wobei gleichzeitig Sorge getragen ist, durch Einschaltung eines Zwischenrades die Bewegung beliebig reversiren zu können. Als Bremsfläche dient der äußere Mantel einer Federtrommel für je eine der beiden Gruppen, über welche das Bremsband durch Zahnräder- und Schrauben-Uebersetzung von der vorderen und hinteren Platform des Wagens aus entsprechend angespannt werden kann. Durch diese Bremsbänder ist somit das Mittel an die Hand gegeben, die Federkraft beliebig reguliren und die eine oder andere der beiden Gruppen von Spiralfedern für eine Zeit ganz außer Thätigkeit setzen zu können. Trotzdem ist es fraglich, ob dieses System – selbst dessen praktische Durchführbarkeit auf ebenen Strecken vorausgesetzt – für den so sehr wechselnden Betrieb in den Straßen einer Stadt verwendbar sein wird; sollten jedoch die Versuche, die gegenwärtig damit in Edinburgh angestellt werden, günstig verlaufen, so wäre jedenfalls ein nicht zu unterschätzendes Mittel für die Erweiterung und Verbesserung des Tramway-Verkehrs gewonnen.

Fr.

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