Titel: Ueber Bildung von Gyps.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 497–498)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi06_09
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Ueber Bildung von Gyps.

Im 5. Hefte der Gazz. chim. legt E. Pollacci seine Versuche über Bildung von Gyps in einem mit Wasser befeuchteten Gemenge von Schwefel und Calciumcarbonat ausführlich dar und bestätigt auch, daß die organischen Substanzen der Ackererde diese Gypsbildung befördern. Auch die Carbonate von Barium, Strontium und Magnesium werden unter gleichen Verhältnissen in Sulfate verwandelt, am langsamsten das Magnesium-Carbonat. Die Zusammenstellung einer Anzahl von Analysen schwefelhaltiger Bodenarten ergibt, daß in denselben kein Carbonat, wohl aber Sulfat in größerer Menge enthalten ist. Verf. erinnert an das Zusammenvorkommen von Gyps und Schwefel und macht darauf aufmerksam, daß in Sicilien ein bedeutender Gypsgehalt des Bodens als günstige Anzeige bei Aufsuchung von Schwefelgruben betrachtet wird. Im Allgemeinen bespricht er, inwiefern jene Reaction für Geologen und für Agricultur von Wichtigkeit sein könne. Verf. verspricht durch später mitzutheilende Versuche zu beweisen, daß es sich bei der besprochenen Reaction um eine directe Oxydation des Schwefels handle:

S₂ + 3 O₂ + 2 H₂O = 2 H₂SO₄ (S + 3O + HO = HO,SO₃).

Auch in denjenigen Fällen, wo Calciumcarbonat unter dem Einfluß von H₂S (Schwefelwasserstoff) in Gyps übergegangen sei, werde der H₂S nicht direct oxydirt, sondern vielmehr erst der aus letzterem durch den Sauerstoff der Luft ausgeschiedene, fein vertheilte Schwefel. Die Möglichkeit einer vorgängigen Bildung von Schwefelcalcium läßt Pollacci unbeachtet.

Es schließt sich hieran eine Mittheilung von F. Sestini über den Einfluß des Gypses bei der Schwefelgewinnung mittels Destillation. Die Angabe der Bergleute in der Romagna, „daß der Gyps den Schwefel auffresse“, erklärt sich nach Sestini's directen Versuchen dadurch, daß Gyps und destillirender Schwefel sich zu Schwefeldioxyd und Schwefelcalcium umsetzen: CaSO₄ + 2 S = 2 SO₂ + CaS.

Bei der Schmelztemperatur des Schwefels erfolgt diese Reaction nur in geringem Maße, und an und für sich würde sie also bei dem sog. Calcaronebetrieb keinen bedeutenden Schwefelverlust veranlassen. Der Verlust wird aber durch den Umstand vergrößert, daß die Austreibung und Verflüchtigung des Krystallwassers des Gypses eine Wärmemenge absorbirt, welche durch verbrennenden Schwefel geliefert werden muß. Wird Schwefel unter gleichen Umständen über Gyps und über Calciumcarbonat abgetrieben, so läßt letzteres nach Sestini's Versuchen weit mehr Schwefelcalcium entstehen als ersterer. Die Carbonat, Sulfat, Sulfür und freien Schwefel enthaltenden Rückstände sind im gepulverten Zustande für die Agricultur verwendbar. (Nach den Berichten der deutschen chemischen Gesellschaft, 1874 S. 1296.)

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