Titel: Räucherungsmaterialien für den Rebenschutz.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 498–499)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi06_10

Räucherungsmaterialien für den Rebenschutz.

Am 15. September wurden bei Schlettstadt beachtenswerthe Versuche von dem landwirthschaftlichen Kreiscomite mit den verschiedenen hier und da bereits angewendeten Räucherungsmaterialien angestellt, um sich durch den Augenschein zu überzeugen, welches von ihnen das geeignetste sei zum Schutze der Weinreben gegen den Nachwinter oder die sog. Frühjahrsfröste durch Bildung einer künstlichen Wolkendecke. Es wurden hier vierzehn verschiedene Methoden des Räucherns vorgeführt. Die Versuche begannen 12 Uhr mittags und wurden, mit kurzen Zwischenpausen, mit jeder Methode besonders durchgeführt und gegen 1/2 2 Uhr beendet.

Es kamen folgende Materialien zur Verwendung: 1) Räucherkuchen des Professor Dr. Neßler von Carlsruhe; 2) dürre Wellen, ein Handkarren voll, mit 1/2 Kilogrm. Faßpech dazwischen; 3) sechs Wellen Tannenreisig; 4) 3 Kilogrm. trockenes Stroh, 3 Kilogrm. feuchtes Stroh mit 1 Kilogrm. Faßpech; 5) ein Handkarren Kartoffelkraut, mit 1/2 Kilogrm. Faßpech; 6) 3 Kilogrm. trockenes Stroh, bedeckt mit ebenso viel Stroh, das seit drei Wochen feucht gelegen; 7) fünf Pechkränze von 15 Centim. äußerem und 5 Centim. innerem Durchmesser und 5 Centim. Dicke; 8) 1/2 Liter Theer (Gasöl); 9) fünfzig Lohesteine; 10) 3 Kilogrm. Torf; 11) ein Handkarren Wellen, seit vier Wochen naß aufeinandergelegt, halb verfault, mit 1/2 Kilogrm. Faßpech; 12) ein Handkarren Wellen wie bei 11, aber ohne Pech; 13) ein Karren dürres Kartoffelkraut mit 1/2 Liter Steinöl getränkt; 14) ein Karren dürre Wellen.

|499|

Bei dem herrschenden starken Winde wurde die Beurtheilung der einzelnen Versuche beinahe unmöglich, und sollen dieselben zu gelegener Zeit wiederholt werden. Doch ist so viel bemerkt worden, daß Nr. 1 den schwersten Rauch gab; Nr. 2, 4 und 12 gaben den meisten und nahezu eben so schweren Rauch wie 1; Nr. 8 entwickelte einen lebhaften aber dünnen Rauch; Nr. 3 gab einen außerordentlich starken Rauch, aber auch große Hitze. – Besonderes Interesse erregten die von Prof. Dr. Neßler producirten Räucherungskuchen, weil deren bequeme Handhabung und geringe Wärme-Entwickelung bei trockenem hellem Rauch dem Zwecke durchaus zu entsprechen schienen. (Deutsche Weinzeitung; Industrieblätter, 1874 S. 392).

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: