Titel: Darstellung von Chromgelb und Chromorange zum Färben von Papierstoff.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1874, Band 214 (S. 499)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj214/ar214mi06_11

Darstellung von Chromgelb und Chromorange zum Färben von Papierstoff.

Nach den Versuchen von M. Faudel (Centralblatt für Papierfabrikation) ist die Vorschrift von Gentele die einzig brauchbare. Man löse 10 Gewichtstheile Bleizucker in etwa 10 Th. heißem Wasser und verdünne mit weiteren 10 Th. kaltem Wasser. Ebenso löse man 2 Th. doppeltchromsaures Kali in 10 Th. heißem Wasser füge 1 bis 2 Th. concentrirte englische Schwefelsäure von 66° B. hinzu und verdünne gleichfalls mit 10 Th. kaltem Wasser. Sind beide Lösungen erkaltet, so gieße man unter fleißigem Umrühren die zweite in die erste. Es bildet sich dabei ein schöner hellgelber Niederschlag, welcher nur durch Anwendung von Wasser entziehenden Substanzen (wie Chlorcalcium oder Chlorzink) den Ton wechselt. Ein nicht zu starkes Erwärmen verändert die Farbe nicht mehr, und beim Erkalten geht eine etwa eingetretene Veränderung wieder zurück. Die bei diesem Proceß bleibende freie Säure hat durchaus keinen schädlichen Einfluß auf die Fabrikation des Papieres und kann von der am Boden des Gefäßes lagernden Farbe durch einen Heber abgezogen und durch frisches Wasser ersetzt werden. – Ein Zusatz von Chlorkalklösung zur fertigen Farbe, wie C. F. Dahlheim ihn vorschlägt, ist nicht zu empfehlen.

Ein Chromgelb mit starkem Stich ins Orange, welches vollkommen widerstandsfähig gegen Alaun, Säure und Hitze ist, stellt man sich leicht dar, indem man 10 Th. Bleizucker in 10 Th. heißem Wasser und ebenso in einem zweiten Gefäß 3,8 Th. doppeltchromsaures Kali in 10 Th. heißem Wasser auflöst, dieser zweiten Lösung vorsichtig 3,6 Th. krystallisirte Soda zufügt, wenn Alles sich gelöst hat, unter Umrühren die zweite Lösung in die erste gießt und das Ganze noch 1/2 Stunde lang durchkochen läßt.

Die beiden eben beschriebenen Farben zeichnen sich durch große Beständigkeit aus, und es lassen sich, wenn man sie beide nach verschiedenen Verhältnissen mischt, wohl noch brauchbare Zwischenstufen in der Nüancirung auffinden.

Bei Anwendung von Chromorange ist ein Vorschlag von Erfurt bemerkenswerth, statt des üblichen Alaunes beim Leimen des Papieres, welcher das Orange heller färbt, Zinnchlorür anzuwenden. Weniger empfehlenswerth ist seine Methode der Darstellung von Chromorange und Chromroth mittels Bleizucker und Bleiglätte. Die Bleiglätte löst sich nur langsam und schwierig in der Bleizuckerlösung, und man ist nie recht sicher, wann und ob eine vollständige Lösung stattgefunden hat. Macht man aber die Bleizuckerlösung mit Natronlauge basisch und fällt dann heiß mit neutralem chromsaurem Kali, so erhält man auf schnelle und sichere Weise feurige und gut deckende Farben. Ein schönes Orange läßt sich damit erzielen, wenn man 10 Th. Bleizucker in 5 Th. Wasser heiß löst und 13,5 Th. Natron von 6 Proc. Natrongehalt, sowie hinterher eine Lösung von 2,3 Th. doppeltchromsaurem Kali in 2 Th. heißem Wasser und 8 Th. Lauge zusetzt und gut durchkocht. – Ein noch tieferes Orange erhält man durch Zusammengießen und Kochen der Lösungen von 10 Th. Bleizucker, 5 Th. Wasser und 18 Th. Lauge, oder von 1,9 Th. doppeltchromsaurem Kali, 1,5 Th. Wasser und 6,6 Th. Lauge; ein prachtvolles Roth schließlich aus 10 Th. Bleizucker, 5 Th. Wasser und 24 Th. Lauge, oder 2,3 Th. doppeltchromsaurem Kali, 2 Th. Wasser und 8 Th. Lauge. Hierbei ist immer Lauge von 6 Proc. Natrongehalt oder 11° B. verstanden.

Statt Bleizucker kann auch vortheilhaft die äquivalente Menge salpetersaures Blei genommen werden.

r.

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