Titel: Voisin und Dronier's elektro-katalytisches Feuerzeug.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 50–54)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215018

Elektro-katalytisches Feuerzeug; von Voisin und Dronier.

Mit Abbildungen.

Wenn man die Spirituslampe, welche dazu gedient hat, eine Platin-Spirale rothglühend zu machen, auslöscht, so erhält sich die Spirale rothglühend in Folge der durch die Erhitzung erhöhten katalytischen Wirkung des Platins auf die von der Lampe ausströmenden brennbaren Dämpfe, welche sich fortdauernd am Metall entzünden und letzteres dadurch auf derselben Temperatur erhalten, wie wenn die Lampe nicht ausgelöscht worden wäre. Ein Beweis dafür liegt in der Erscheinung, daß eine rothglühende Spirale, wenn sie in einen etwas Aether enthaltenden geschlossenen Raume gebracht wird, rothglühend bleibt, so lange sich in dem Raume brennbare Dämpfe entwickeln.

Bei diesen Versuchen erhält sich die Spirale nur nahezu dunkel rothglühend; diese Temperatur reicht aber zum Anzünden fester Körper nicht hin. Wenn man dagegen in geeigneter Weise die Elektricität zu Hilfe nimmt, so kann man die katalytische Wirkung bis zur Entzündung des Dochtes einer Petroleumäther-Lampe steigern.

Wenn nämlich ein elektrischer Strom aus einem Leiter mit großem Querschnitte und großem Leitungsvermögen in einen anderen von kleinerem Querschnitte und geringerem Leitungsvermögen übergeht, so wird |51| sich an den Verbindungsstellen der beiden Leiter die elektrische Spannung ändern und eine größere Menge Wärme entwickeln, denn der elektrische Strom muß mit derselben Stärke und in derselben Zeit auch durch den schlechten Leiter hindurchgehen. Nach dem Gesetz von Joule wird aber die höchste Wärmeentwickelung nur dann auftreten, wenn der Widerstand im äußeren Schließungskreise, in welchem sich die Wärme entwickelt, dem Widerstande in der Elektricitätsquelle und den unmittelbar zu ihm zu rechnenden Theilen des Schließungskreises gleich kommt. Dabei ist aber nicht außer Acht zu lassen, daß die Metalle beim Erwärmen ihre Leitungsfähigkeit vermindern.

In einer Platin-Spirale, deren Widerstand kleiner ist, als derjenige der mit ihr benützten Batterie, wird man durch den elektrischen Strom nach einander drei Wirkungen erzielen können: 1) eine Erhöhung der Temperatur durch Vergrößerung ihres Widerstandes; 2) eine katalytische Wirkung auf die ihre Oberfläche umgebenden brennbaren Dämpfe und 3) eine weitere Widerstandserhöhung in Folge dieser katalytischen Wirkung. Wenn nun die Platin-Spirale so gewählt wurde, daß sie beim Hellrothglühen ebenso großen Widerstand wie die Batterie bietet, so erhält man die höchste Wärmeentwickelung, und die Spirale, welche ohne die Mitwirkung der Dämpfe kaum roth werden würde, kommt beim Auftreten der katalytischen Wirkung zum Hellrothglühen, und man wird mit ihrer Hilfe einen mit jenen Dämpfen getränkten festen Körper anzünden können.

Darauf gründet sich der von Voisin und Dronier in Paris der Société d'Encouragement (Bulletin, November 1874 S. 552 und S. 659) vorgelegte Apparat, welcher sich auch in einer großen Anzahl anderer Fälle (z.B. beim elektro-calorischen Motor von Lenoir, bei unterseeischen Torpedos, vielleicht auch bei Minenzündern und dem Anzünden von Gasflammen) benützen läßt, da er so zu sagen ohne Kosten die Wärmewirkung der elektrischen Ströme zu vermehren gestattet.

Das elektro-katalytische Feuerzeug von Voisin und Dronier ist umstehend in Fig. I in 2/3 der wahren Größe abgebildet, während Fig. II den Grundriß des eigentlichen Anzünders (conflagrateur) in wahrer Größe zeigt. Das Feuerzeug befindet sich in einer kleinen Büchse a, welche an dem Henkel o aufgehängt werden kann. In der Büchse a steht ein Glas b, welches bis zu einer Marke herauf mit einer Lösung von doppeltchromsaurem Kali gefüllt wird. Diese Flüssigkeit erhält man entweder, indem man in einen zu 2/3 mit Wasser gefüllten Liter 160 Grm. Schwefelsäure und 80 Grm. doppeltchromsaures Kali einbringt und darauf den Liter mit Wasser vollfüllt; oder indem man in den zu 2/3 mit Wasser |52| gefüllten Liter 200 Grm. des Erregungssalzes, welches die Erfinder liefern, einbringt und dann ebenfalls den Liter mit Wasser vollgießt.

Fig. 1., Bd. 215, S. 52
Fig. 2., Bd. 215, S. 52

Zur Vermeidung des Abwägens wird das Erregungssalz in Kügelchen geliefert, und man braucht dann, nach dem Einfüllen des Wassers bis zu der durch jene Marke angedeuteten Höhe herauf, blos ein solches Kügelchen hineinzuwerfen. Die Flüssigkeit im Elemente läßt sich lange Zeit hindurch benützen; denn nach Voisin und Dronier kann man 500mal anzünden, ohne sie zu erneuern. Rücksichtlich des Preises der Füllungsflüssigkeit des Elementes würde das elektro-katalytische Feuerzeug eine Ersparnis im Verhältniß von 13 : 1 gegenüber den jetzt gebräuchlichen chemischen Zündhölzchen gewähren. Leider zeigt sich aber der Apparat manchmal launenhaft.

An dem Deckel der Büchse a, welcher an dieser mittels zweier Haken befestigt wird, sind zunächst zwei Kohlenplatten c, c festgemacht und unten durch einen Stift f mit einander verbunden. Zwischen den Kohlenplatten befindet sich das Zink d des Elementes, welches an dem |53| Kolben e sitzt und für gewöhnlich mit demselben durch eine Spiralfeder nach oben gezogen wird. Drückt man mit dem Finger auf den Kolben e, so geht derselbe in seiner Führung nieder, und das Zink taucht schließlich in die Flüssigkeit ein, bis der Stift f seiner Bewegung ein Ziel setzt. So wird zugleich das Zink d immer gleichtief in die Flüssigkeit eingetaucht. Uebrigens braucht das Zink, um die erforderliche Wirkung hervorzubringen, nicht tief in die Flüssigkeit einzutauchen; bei einer Eintauchung von weniger als 0,5 Quadratcentim. des Zinks wird die Spirale sofort Hellroth und zündet die Lampe an. Das Zink braucht erst nach etwa 15000 Anzündungen erneuert zu werden, was sich nach dem Abnehmen des Deckels (zugleich mit den Kohlenplatten c, c, dem Zink d und dem Kolben e), dem Herausziehen des Stiftes f und dem Abschrauben des Knopfes oben am Kolben e sehr leicht bewerkstelligen läßt.

In gleicher Höhe treten vorn zwei parallele Kupferstäbchen g, g, als Zuführer des elektrischen Stromes, unter dem Deckel aus der Büchse a heraus; auf ihnen ist die in Fig. II abgebildete Anzündungsvorrichtung angebracht. In die beiden Kupferröhrchen h, h sind zwei kleine Stäbchen i, i eingesteckt und durch Reibung befestigt; dieselben sind einander zugekrümmt und durch die Platinspirale k, welche die katalytische Wirkung hervorbringen soll, mit einander verbunden. Diese Spirale besteht aus feinem Draht, welcher in seiner mittleren Partie sehr dünn ausgewalzt ist; seine Länge und sein Widerstand müssen in der früher angedeuteten Weise berechnet und genau ausprobirt werden, sonst bleibt die beabsichtigte Wirkung aus; der Draht muß auch eine möglichst große Oberfläche besitzen. Das Kupferstück j verbindet die beiden Röhrchen h, h zu einem Ganzen; doch ist jedes Röhrchen auf seiner ganzen in dem Stück j steckenden Länge mit isolirendem Papier umwickelt, damit die beiden durch die Stäbchen g, g zugeführten Elektricitäten sich nicht durch das Stück j vereinigen können, sondern die Spirale k durchlaufen müssen.

Die am Deckel der Büchse a befestigte durchbrochene Kupferplatte l ist vor und seitwärts von dem Anzünder nach unten gebogen, um zu verhüten, daß man mit den Fingern an die Spirale komme.

Auf der Grundplatte der Büchse a steht eine kleine Petroleumäther-Lampe m, deren Docht bis nahe an die Spirale k heranreicht, denselben jedoch nicht berührt. Die Dülle der Lampe m wird zwischen die beiden Zinken einer an der Büchse a befestigten Gabel n geschoben und so die Lampe in der Lage festgehalten, in welcher sie stehen muß, wenn das Feuerzeug sicher wirken soll. Beim Füllen der Lampe wird der Dochtträger abgeschraubt, der Behälter mit Petroleumäther gefüllt, das Ueberflüssige wieder herausgegossen, so daß nur der Schwamm gesättigt |54| bleibt. Der Docht muß, behufs guter Zuführung des Aethers, im Inneren eine Länge von wenigstens 4 bis 5 Centim. erhalten. Der Docht darf nie die Spirale oder die Schutzplatte berühren, muß vielmehr 1 bis 1,5 Millim. davon abstehen.

An dem Feuerzeuge, d.h. unter der Spirale k, darf man nie chemische Zündhölzchen anzünden, weil sich sonst Platinphosphür bilden würde, was das Feuerzeug träge machen und zur Auswechselung der Spirale nöthigen würde. Hat man aber die Lampe unter der Spirale hervorgenommen, so kann man an ihr auch Zündhölzchen anzünden.

E–e.

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