Titel: Fumée's Sicherheitsventil.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 196–198)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215054

Sicherheitsventil für Dampfmaschinen; von G. Fumée, Ingenieur in Samanud (Egypten).

Mit einer Abbildung.

Allgemein werden nur Dampfkessel mit Sicherheitsventilen versehen, welche die übermäßige Dampfspannung anzeigen, gleichzeitig einen Theil des Dampfes entweichen lassen und dadurch einige Sicherheit gegen Kesselexplosionen gewähren. Die Dampfmaschinen, welche auch vielen Gefahren ausgesetzt sind, z.B. beim Reißen des Treibriemens, Bruch der Transmission etc., haben zu ihrer selbstthätigen Regulirung und Sicherheit nur das Drosselventil. Dieses Drosselventil, das vom Regulator bewegt wird, kann, wenn es auch sammt dem Regulator im guten Zustande ist, beispielsweise beim Reißen des Treibriemens die Dampfleitung erst absperren, wenn die Maschine mehrere Umdrehungen gemacht und eine |197| große Geschwindigkeit erhalten hat. Nun aber findet man gewöhnlich, besonders bei Locomobilen,* welchen man keine besondere Aufsicht gibt und deren Regulatoren mangelhaft construirt sind, Drosselventil und Regulator in schlechtem Zustande, höchst unempfindlich oder ganz außer Thätigkeit gesetzt.

Textabbildung Bd. 215, S. 197

Ein flachsitziges Ventil in doppelter verticaler Führung, nach aufwärts schließend, befindet sich in einem conischen Gehäuse, wie es aus der Abbildung zu ersehen ist. Dieses Ventil, welches durch das eigene Gewicht offen erhalten wird, ruht auf einer Schraube, um von außen regulirt und höher oder tiefer je nach Bedarf gestellt werden zu können. Die Wirkungsweise ist nun leicht erklärlich.

Arbeitet die Maschine mit der ihr bestimmten Tourenzahl, so muß das Ventil so tief gestellt sein, daß der Druckunterschied des Dampfes unter und über dem Ventil kleiner ist als das Gewicht des Ventiles. Dieser Druckunterschied ist in jeder Stellung des Ventiles nicht von der absoluten arbeitenden Dampfspannung (in den Grenzen, in welchen eine Maschine arbeitet), sondern nur von der Dampfgeschwindigkeit abhängig und, wie ersichtlich, desto größer, je höher das Ventil gestellt ist. In der Praxis wird die erforderliche Stellung des Ventiles am besten durch Versuche ermittelt.

Eine mit diesem Sicherheitsventil versehene Dampfmaschine wird beim Reißen des Riemens oder bei einem anderen Unfalle, bevor dieselbe eine große, schädliche Geschwindigkeit erlangt, in Stillstand versetzt werden. Die größere Kolbengeschwindigkeit erzeugt nämlich eine größere Geschwindigkeit in der Dampfleitung, der Druck unter dem Ventil wird |198| größer und in Folge dessen schließt sich dasselbe. Um die Maschine dann wieder in den normalen Zustand zu setzen, braucht man blos das Dampfventil, welches immer vor dem Sicherheitsventil angebracht ist, abzuschließen und den kleinen Hahn, der gleichzeitig für den Abfluß des condensirten Wassers dient, zu öffnen, worauf das Sicherheitsventil durch das eigene Gewicht herabfällt.

Dieses Ventil kann auch in anderer Hinsicht eine Sicherheit gewähren. Wird während des Ganges einer Maschine durch einen Bruch an einem Kesseltheil, im Dampfrohre oder dgl. Dampf, durch plötzliches Aufkochen stark mit Wassertheilchen geschwängert, dem Cylinder zugeführt, so geschieht es leicht, besonders bei einer schnellgehenden Maschine, daß dieselbe einen Schaden erleidet. Durch Anbringung meines Sicherheitsventiles wird aber in diesem Falle die Maschine, wenn sie sich auch in normalem Gange befindet, in Stillstand versetzt werden. Der stark mit Wasser beladene Dampf hat eine bedeutend größere Dichte und wird in Folge dessen unter dem Ventil einen größeren Druck ausüben und dasselbe schließen. Das Sicherheitsventil hat schließlich den Vortheil, daß es einfach ist und stets zuverlässig wirkt. Bei allen Locomobilenmaschinen – besonders solchen, welche Pumpen treiben, wäre es von großem Nutzen, die gewöhnlichen Regulatoren durch das beschriebene Sicherheitsventil zu ersetzen.*

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Bei mehr als 100 Locomobilen, welche hier in der Nähe (für die Bewässerung der Felder) arbeiten, ist nicht ein einziger Regulator in Thätigkeit.

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In wie weit sich die oben ausgeführte Idee für die allgemeine Anwendung eignet, kann wohl nur durch praktische Versuche endgiltig entschieden werden. Hiernach aber wäre der Ersatz des Regulators durch eine einfachere und sicherer wirkende Vorrichtung für viele Maschinen und besonders für Locomobilen jedenfalls ein entschiedener Fortschritt zu nennen.

D. R.

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