Titel: Lyall's Drahtwebstuhl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 212–214)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215062

Lyall's Drahtwebstuhl.

Mit Abbildungen auf Taf. V [b/3].

Der Webstuhl von J. Lyall in New-York, der bereits in diesem Journal (1869 194 99) beschrieben ist, wird neuerdings auch für Drahtweberei angewendet. Die wesentliche Abweichung des Lyall'schen Stuhles von anderen Constructionen besteht darin, daß die Schütze nicht durch das Fach geschleudert, sondern durch einen unterhalb der ausgespannten Kette hinlaufenden Wagen a (Fig. 20) unausgesetzt hin und her geschoben wird. Die Bewegung dieses Wagens erfolgt zunächst durch eine Kurbel b, deren Stange c auf einen aufrechten Hebel d wirkt; am oberen Hebelende befindet sich ein Getriebe, welches auf einer gekrümmten Zahnstange ee hin und her läuft, dabei sich also wechselsweise nach rechts oder links dreht und auf einer an ihr befindlichen Trommel die vom Schützenwagen aus nach rechts und links und über Leitrollen gehenden Seile f zum Zwecke der Schützenbewegung auf- und abwickelt. An sich würde die Kurbel der Schütze dadurch schon eine solche Bewegung geben, daß sie zuerst langsamer aus der Ruhe in eine schnellere Bewegung und aus dieser wieder gegen das Ende ihres Laufes hin nach und nach in Ruhe versetzt wird. Diese ungleichförmige Bewegung wird nun noch dadurch etwas abgeändert, daß die Kurbelstange mit ihrem Ende nicht fest an |213| einem Punkt des Hebels aufgehängt ist, sondern in einem Schlitz desselben gleitet und der betreffende Stangenzapfen am unteren Ende einer senkrecht über dem Hebeldrehungspunkte aufgehängten Lenkerstange g gleichzeitig mit angehängt ist. Da das untere Lenkerstangenende bei dem Hin- und Hergange einen Bogen beschreibt, muß demnach das Kurbelstangenende zu Anfang und zu Ende des Hubes an einem größeren Hebelarm und in der Mitte an einem kleineren Hebelarm auf den aufrechten Hebel wirken, und es wird dadurch die Schützenbewegung dahin modificirt, daß in der Hubmitte die Geschwindigkeit noch mehr gesteigert, zum Anfang und zu Ende noch mehr abgemindert wird, als es die einfache Kurbelbewegung thun würde.

Diese Bewegungsweise soll es nun ermöglichen, daß der als Schußfaden zu verwebende Draht sich genügend regelmäßig von seiner Spule abwickelt, was er in Folge seiner Steifigkeit bei einer gewöhnlichen Schützenbewegung nicht thun würde.

Eine andere Vorrichtung, welche sich bei einem Drahtwebstuhle als nöthig erweist und von Lyall angebracht ist, besteht aus einem Finger h (Fig. 21 und 22), welcher sich nach jedem Schuß unmittelbar neben der Sahlleiste des gewebten Stoffes vor den Schußfaden (nach der Lade zu) hinstellt oder einsticht, so daß beim nächsten Schuß der Draht sich um diesen Finger herumlegen muß und so ein unnöthiges Anstrengen der Eckkettendrähte vermieden wird. Dieser Finger (ziemlich ähnlich dem Schönherr'schen Schußwächter; 1873 210 241) befindet sich an dem längeren Arm eines horizontalen Hebelchens, auf dessen kürzeren Arm wieder ein Winkelhebel i wirkt; die Drehpunkte beider Hebel sind auf einer am Brustbaum parallel zur Kettenrichtung verschiebbar aufgelagerten und durch eine Feder m gegen die Lade zu vorwärts gedrückten Stange l angebracht, und auf den herabhängenden Arm des Winkelhebels i wirkt gleichfalls eine Feder n. Demgemäß hat das Hebelchen ein Bestreben, den Finger stets niederzuhalten zum Einstechen. Hat der eben eingetragene Schußfaden sich um den Finger herumgeschlungen und wird er von der Lade angeschlagen, so kann der Finger horizontal (wegen der Verschiebbarkeit der Drehbolzenstange) erst etwas zurückweichen; dann aber stößt ein Vorsprung der Lade an den herabhängenden Winkelhebelarm, hebt dadurch den Finger aus der Schlinge aus, und da jetzt die Drehbolzenstange wieder in Folge der Federwirkung vorschnellen kann, wird, wenn die zurückgehende Lade dann den Winkelhebel wieder losläßt, der Finger auch vor dem zuletzt eingeschossenen Faden einstechen.

Ein solcher Stuhl soll in London in der Fabrik von Powis, James, Western und Comp. im Gange sein; die Production wird |214| bei 9 Fuß engl. Stoffbreite auf 50 bis 120 Quadratfuß pro Stunde angegeben. Es sollen die Lyall'schon Stühle überhaupt (für die verschiedensten Arten der Weberei) in Amerika sehr verbreitet sein; es ist uns indessen nicht bekannt, ob sie auch in Deutschland Eingang gefunden haben. (Nach dem Engineer, December 1874 S. 469, durch die deutsche Industriezeitung, 1875 S. 32.)

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