Titel: Krauß'sche Kuppelung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 398–399)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215103

Krauss'sche Kuppelung.

Mit Abbildungen auf Taf. X [a/4].

Vorliegende in Figur 13 und 14 skizzirte Kuppelung ist bereits in diesem Journale (1865 177 458) und zwar unter dem Namen Dehessele'sche Kuppelung“ aufgeführt worden. Die zweitheilige Kuppelung besteht bekanntlich aus schwach conischen Schalen a, b, welche durch zwei aufgezogene schmiedeiserne Ringe gegenseitig und mit den stumpf zusammenstoßenden Wellenenden verbunden werden.

Gelegentlich eines Vortrages im bayerischen Industrie- und Gewerbeverein (vergl. dessen Blatt, 1875 S. 59 und 63) wurde nun von Director Krauß in München constatirt, daß er diese Wellenkuppelung bereits im J. 1859 bei Errichtung der Werkstätten der Schweizer Nordostbahn in Zürich entworfen und angewendet habe, daher die Priorität der Erfindung gegenüber Dehessele wohl beanspruchen könne, ohne damit auszuschließen, daß dieser ganz unabhängig auf die Kuppelung gekommen sei. Professor Ludewig erwähnt bei dieser Gelegenheit, daß |399| die beiden Kuppelungsringe mit schrägen Vorsprüngen c versehen werden könnten, wodurch Schläge mit dem Hammer eine Drehbewegung und ein Auftreiben der Ringe nach einer schwachen Schraubenlinie bewirken. Diese Vorsprünge müßten durch Blechringe verdeckt werden, um Unfälle zu vermeiden.

Durch eine einfache Rechnung zeigte noch der Vortragende, daß sich seine Kuppelung für jede Größe der zu übertragenden Kraft eigne.

Es sei p die Kraft, mit der jede der beiden Kuppelschalen durch den conischen Ring an die Welle angepreßt werden muß, um die Reibung R zu erzeugen, welche der zu übertragenden Kraft der Welle von einem gegebenen Durchmesser d entspricht. Bezeichnet f = 0,2 den Reibungscoefficient, so ist die Größe dieser Reibung dargestellt durch R = 2 pf.

Dieselbe wirkt an der Peripherie der Welle; das Moment derselben R(d/2) gleichgesetzt dem Torsionsmoment, welches die Uebertragungsfähigkeit der Welle repräsentirt,

R(d/2) = 2 pf (d/2) = (π/16) d³ S gibt

pf = (π/16) d² S (1)

Nimmt man zur Berechnung der Dimensionen des Ringes an, die Kraft p/2 suche den Ringquerschnitt q zu zerreißen, so erhält man

p/2 = qS (2)

Setzt man die Spannung S des Ringes gleich derjenigen der Welle und combinirt die beiden Gleichungen (1) und (2), so erhält man unter Elimination von p zur Berechnung des Ringquerschnittes:

q = (π/32) (d²/f).

Für eine Welle von 60 Mm. Durchmesser ergibt sich nach dieser Formel ein Ringquerschnitt von

q = (π/32) (60²/0,2) = 1800 Quadratmillim.

Dabei ist der Voraussetzung gemäß angenommen, daß Welle und Ring gleich stark beansprucht sind.

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