Titel: Krost, über Audonin und Pelouze's Condensator.
Autor: Krost, Josef
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 428–430)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215112

Ueber P. Audonin und E. Pelouze's Condensator; von Josef Krost, Ingenieur der Gemeindegasanstalt in Prag.

Mit Abbildungen.

Holzschnitt I, Bd. 215, S. 428

Sie haben zu diesem Zwecke den in nebenstehenden Holzschnitten I und II im Profil und Grundriß verzeichneten Apparat construirt, dessen Einrichtung der Verfasser in den Mittheilungen des Architekten- und Ingenieur-Vereines in Böhmen, 1874 S. 101 näher beschreibt.

|429| Holzschnitt II, Bd. 215, S. 429 Holzschnitt III, Bd. 215, S. 429

Die Erfinder legen einen besonders großen Werth darauf, daß das Gas die Glocke unter einem Drucke von 2 Wasser-Centimeter passirt. Um diesen Druck constant zu erzielen, muß die Anzahl der freien Oeffnungen der Glocke CC in einem constanten Verhältniß zur Production erhalten bleiben, und da sich die Gasproduction während des Tages ändert, waren Audonin und Pelouze auch darauf bedacht, die Zahl der freien Oeffnungen der Glocke CC durch einen Regulator der Gasproduction stets entsprechend und selbstthätig zu ändern. Zu diesem Behufe befindet sich auf dem Condensator ein cylindrisches gußeisernes, mit Wasser gefülltes Bassin GG, in welches eine mit Schwimmkästen LL versehene und entsprechend beschwerte Blechglocke HH eintaucht. Das Innere dieser Glocke steht mit dem Eingang in den Condensator durch die Röhre J in Verbindung. Durch diese Röhre geht zugleich ein Eisenstab K durch, welcher einestheils an der Decke der Regulatorglocke hängt, anderentheils aber die Condensatorglocke CC trägt. Je nachdem der Druck des producirten Gases bei variabler Production im Raume D zu- oder abnimmt, |430| wird die Regulatorglocke steigen oder fallen und die Condensatorglocke aus der Sperrungsflüssigkeit entsprechend heben, bezieh. dem Durchgange des Gases durch den Condensator mehr oder weniger Oeffnungen bieten, wodurch die Differenz des Gasdruckes im Raume A und E constant erhalten bleibt.

Unbeschadet der Theorie, auf welcher der eben beschriebene Apparat basirt und deren Richtigkeit nicht gut angezweifelt werden kann, wird doch in jedem Praktiker die Befürchtung rege, daß sich sowohl die feinen Oeffnungen, als auch die schmalen Räume zwischen den Wänden der Condensatorglocke in kurzer Zeit mit dickem Theer versetzen werden. Doch behaupten die Erfinder gerade das Gegentheil, indem die feinen Oeffnungen bei genauer Beobachtung der obenerwähnten Druckdifferenz von 2 Wasser-Centimeter selbst nach mehrmonatlichem Gebrauch frei von jeder Verstopfung bleiben sollen, was auch Ingenieur Reid von der Edinburgh- und Leith-Company bestätigt. Nach seiner Mittheilung in dem Journal of Gas-Lighting ist in einer der größten Gasanstalten der Pariser Gasgesellschaft zu St. Marde ein Audonin und Pelouze'scher Condensator aufgestellt, der angeblich bei einem ca. 3 1/2 Fuß (10,67 Meter) weitem quadratischen Gehäuse für eine Production von 1.300.000 Kubikfuß (1 engl. Kubikfuß = 0,02832 Kubikmeter) Leuchtgas in 24 Stunden vollständig genügen soll. Nach mehrmonatlicher Benützung wurde der Apparat in Gegenwart des Ingenieurs Reid geöffnet, wobei von einer Verstopfung der feinen Löcher in der Condensatorglocke nichts zu merken war.

Wenn sich diese Erfahrungen bewähren sollten, so würde der oberwähnte Condensator insbesondere für größere Gasanstalten, in denen die Scrubbers nach den gegenwärtigen Anforderungen bereits ganz respectable Dimensionen annehmen, von bedeutendem Vortheil sein. So befinden sich z.B. in der Prager Gemeindegasanstalt gegenwärtig zwei Scrubbers von 384 Kubikfuß Rauminhalt, welche für eine tägliche Gasproduction von 800.000 Kubikfuß schon kaum genügen, so daß in der nächsten Zukunft ein dritter Scrubber von 1900 Kubikfuß Rauminhalt daselbst aufgestellt werden soll. Diese drei Scrubbers hätten dann einen Rauminhalt von zusammen 2668 Kubikfuß und könnten durch einen Audonin und Pelouze'schen Condensator von etwa 64 Kubikfuß Rauminhalt ersetzt werden.

Jedenfalls wäre es sehr wünschenswerth, wenn recht bald weitere Mittheilungen über die mit dem neuen Condensator erzielten Resultate in die Oeffentlichkeit gelangen würden.

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