Titel: Vignon, über Mannitäther und Manniton.
Autor: Vignon, Leo
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 454–456)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215119

Der Mannitäther und das Manniton; von Leo Vignon.

Der Verfasser zeigt in einer schönen Abhandlung über den Mannit (Annales de Chimie et de Physique, 1874 p. 433) zunächst, daß der bisher für optisch inactiv gehaltene Mannit sofort Rotationsvermögen bekömmt, wenn man eine Lösung von Borsäure, Arsensäure oder von Salzen dieser Säuren mit einer Mannitlösung mischt. Dann gibt er zwei neue Methoden an, um Mannitan zu erzeugen.

1) Man mischt Mannit in Pulverform mit der Hälfte seines Gewichtes concentrirter Schwefelsäure in einer Schale und erhitzt die Masse im Luftbade allmälig auf 125° unter häufigem Umrühren. Nach ungefähr 2 Stunden sättigt man die flüssig gewordene Substanz mit Pulver von kohlensaurem Barium, ohne die Temperatur herabgehen zu lassen. Erst nach vollständiger Neutralisation läßt man erkalten, erschöpft die |455| Masse mit absolutem Alkohol, filtrirt, dampft im Wasserbade ein und trocknet den Rückstand bei 120°; man erhält so eine sehr klebrige, schwach braun gefärbte Masse, sehr löslich in Wasser und in absolutem Alkohol, unlöslich in Aether, die zugleich nach Zucker und Caramel schmeckt. 0,685 Grm. Substanz geben 1,09 Grm. CO₂ und 0,491 Grm. Wasser; hieraus berechnet sich: C = 43,39, H = 7,96; die Formel C₁₃H₁₂O₁₀ verlangt: C = 43,9, H = 7,3.

2) Erhitzt man Mannit mit einem Viertel seines Gewichtes an Wasser, in zugeschmolzenen Röhren bei 295°, so erhält man ebenfalls Mannitan. Ist die Temperatur niederer, so entstehen andere Producte. Bis zu 250° erhält man gar keine Reaction; erhitzt man aber auf 280°, so enthalten die Röhren am Schlusse der Operation eine durchsichtige gelbliche Flüssigkeit, welche einige braune Flocken suspendirt hält; sie lassen sich leicht öffnen ohne Gasentwickelung, und die erhaltene Flüssigkeit läßt sich durch Schütteln oft zum Gestehen bringen. Es ist eine übersättigte Lösung von Mannit und anderen Substanzen, die wir noch kennen lernen werden.

Man löst die Masse in Wasser, filtrirt durch Thierkohle und erhält so eine gelbliche Flüssigkeit, welche die Polarisationsebene nach links ablenkt. Man dampft die Flüssigkeit nun im Wasserbade ein, trocknet einige Zeit im Luftbade bei 120° und erhält einen sehr dicken Syrup, der Mannitkrystalle enthält. Nach dem Erkalten erschöpft man ihn mit absolutem Alkohol, in welchem der Mannit fast unlöslich ist, filtrirt die alkoholische Lösung, dampft sie zur Trockene ein, nimmt sie wieder mit Wasser auf und filtrirt nun mehrmals durch Thierkohle, bis nur mehr geringe Färbung bleibt. Trocknet man nun diese Flüssigkeit bei 120° ein und läßt sie dann an der Luft stehen, so setzen sich nach einiger Zeit kleine Krystalle ab, die sich allmälig vermehren, aber doch nur einen geringen Theil der Gesammtmasse ausmachen.

Es ist leicht, sie rein zu erhalten, indem man die Masse mit absolutem Alkohol, in welchem sie unlöslich sind, behandelt. Nun filtrirt man und wäscht mit absolutem Alkohol nach, löst die Krystalle in Wasser und verdampft die Lösung bis zur Krystallisation. 0,3125 Grm. Substanz geben: 0,493 Grm. Kohlensäure und 0,216 Grm. Wasser. Dies entspricht: C = 43,02, H = 7,64; die Formel C₁₂H₁₂O₁₀ verlangt C = 43,9, H = 7,31.

Dieser Körper hat daher dieselbe Procentische Zusammensetzung wie das Mannitan; man kann ihn daher Manniton nennen. Die Derivate des Mannitons sind dieselben wie die des Mannitans. Erhitzt man |456| Manniton mit Wasser in zugeschmolzener Röhre auf 295° drei Stunden lang, so bildet sich wieder Mannitan zurück.

Das Manniton hat einen zuckerartigen Geschmack, reducirt die Fehling'sche Lösung nicht und dreht die Polarisationsebene links; α = – 25°.

Die von den Krystallen abfiltrirte alkoholische Flüssigkeit dampft man nun ein, läßt den Rückstand kurz mit Wasser sieden, filtrirt ihn durch Thierkohle, dampft ihn zur Trockene ein, wäscht ihn nun mit Aether, nimmt ihn wieder mit absolutem Alkohol auf, filtrirt und dampft ihn von Neuem ein; dann trocknet man die Masse bei 120°, bis kein Gewichtsverlust mehr stattfindet und erhält so endlich eine leicht gelblich gefärbte Substanz von der Consistenz des Terpentins, ganz geeignet zur Analyse:

I II III IV V
C 41,9 41,6 41,8 42,0 41,2
H 8,2 7,8 7,2 7,2 7,6

im Durchschnitt also C = 41,6, H = 7,5; die Formel C₁₂H₁₃O₁₁ verlangt C = 41,6, H = 7,5.

Erhitzt man diesen Körper 6 Stunden lang mit verdünnter Schwefelsäure oder mit Baritwasser, so wird weder Mannit noch Mannitan regenerirt; er verbindet sich mit concentrirter Schwefelsäure, indem hierdurch eine Sulfosäure entsteht, deren Baritsalz in Wasser sehr löslich ist. Er besitzt zugleich süßen und bitteren Geschmack; er ist sehr löslich in Wasser und absolutem Alkohol, unlöslich in Aether; er reducirt die alkalische Kupferlösung nicht und gährt nicht in Berührung mit Bierhefe. Sein Drehungsvermögen ist: α = – 5,59°. Die Analyse dieser Substanz führt zu der Formel C₁₂H₁₃O₁₁, welche aller Analogie nach verdoppelt werden muß: (C₁₂H₁₃O₁₁)² oder C₁₂H₁₂O₁₀ (C₁₂H₁₄O₁₂); das wäre der eigentliche Mannitäther.

Als Beweis für die Richtigkeit dieser Molecularformel gibt Vignon an:

  • 1) Löst man diese Substanz in concentrirter Schwefelsäure, so erhält man eine Sulfosäure, welche identisch ist mit der aus Mannitan dargestellten.
  • 2) Behandelt man sie mit einer Mischung von Schwefelsäure und Salpetersäure, so erhält man einen Nitrokörper, der ganz analog ist mit dem Nitromannit.
  • 3) Erhitzt man sie in geschlossenem Gefäße mit etwas Wasser zwei Stunden bei 295°, so erhält man lauter Mannitan.

V. G.

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