Titel: Gombo, ein Surrogat für Papierfabrikation; von Ed. Landrin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 90–91)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi01_03

Gombo, ein Surrogat für Papierfabrikation; von Ed. Landrin.

Der Gombo (Hibiscus esculentus), eine Pflanze aus der Familie der Malvaceen, kommt im Orient namentlich in Syrien und Egypten vor, wo er sehr bekannt ist und schon lange wegen seiner schleimigen eßbaren Frucht (auch wegen seiner spinnbaren Faser*) angebaut wird. Aufmerksam gemacht durch das faserige gewebartige Ansehen dieser Pflanze glaubten die Gebrüder Bouju sie zum Zweck industrieller Verwendung in Europa einführen zu sollen, und ließen sich ihre darauf bezüglichen Versuche patentiren (was übrigens schon J. B. Geidley im J. 1869 in England that. D. R.). Gegenwärtig bewirken dieselben die Trennung der Faser auf mechanischem Wege in einem Strome Wasser und ohne Hilfe eines chemischen Agens. Der gewaschene und gebleichte Brei liefert sehr schönes und festes Papier, welches mit den besten Hadern-Papieren den Vergleich aushalten soll.

Wenn man die verschiedenen Theile des Gombostengels und selbst die Hülle seiner Frucht mit Wasser behandelt, so erhält man eine sehr schleimige und gummiartige Substanz, welches Verf. Gombin nennt, und die zuweilen in der Pharmacie zur |91| Bereitung einer, Gombopaste genannten, Brustarznei dient. Das durch Verdunsten des Auszuges Hinterbliebene Gombin ist spröde, röthlich, löslich in Wasser, unlöslich in Weingeist und Aether, und sehr hygroskopisch. Durch Behandeln mit Salpetersäure gibt es nicht, wie das Gummi, Schleimsäure; auch wird es von Kali nicht angegriffen. Durch Einwirkung anderer Säuren geht es leicht in Zucker über; dieses Verhalten und die violette Färbung, welche es durch Jodtinctur annimmt, nähern es sehr dem Dextrin, welchem es übrigens isomer ist. Bleieisig und schwefelsaure Alaunerde fällen den Schleim aus seinen Lösungen. Die Gebr. Bouju bedienen sich dieses durch das Alaunerdesulfat erzeugten Niederschlages zum nachherigen Leimen des Papieres.

Außer dieser in Wasser löslichen Substanz enthält der Gombo ein Harz, das sich durch Chlor und Säuren roth färbt und eine Zeit lang ein Hinderniß für die Bleichung des Papierbreies war. Die Schwierigkeit wurde dadurch gehoben, daß man beim Bleichen den Chlorkalk durch Alaunerdesulfat zersetzte und dadurch zugleich das Harz niederschlug. Die Analyse des Gombo lieferte folgende Zusammensetzung:

Wasser 13,82 Proc.
Gombin 19,50
Cellulose 60,75
Harz 0,93
Asche 4,75
Nicht bestimmte Stoffe (Differenz) 0,25
–––––––––––
100,00 Proc.

Wie man sieht, enthält der Gombo 61 Proc. Cellulose; die industrielle Ausbeute ist aber etwas höher, nämlich 66 Proc.

Auch der Samen dieser Pflanze verdient Beachtung, denn er enthält, wie nachstehende Analyse zeigt, eine merkliche Menge fettes Oel:

Wasser 4,21 Proc.
Oel 16,50
Harz 1,21
Asche 6,38
Nicht bestimmte Stoffe (Differenz) 71,70
–––––––––––––
100,00 Proc.

Das durch Aether, Schwefelkohlenstoff oder Auspressen erhaltene Oel besitzt zwar unangenehmen Geruch und Geschmack, eignet sich daher kaum zu Speisen, dagegen sehr gut zur Fabrikation fetter Säuren und der Seifen; es besteht aus einem Gemisch von Stearin und Margarin, von denen das erstere vorherrscht. Der Preßkuchen kann vortheilhaft als Dünger verwendet werden, da er 4,18 Proc. Stickstoff und 1,55 Proc. Phosphorsäure enthält.

Landrin empfiehlt daher den Anbau des Gombo in Algier. (Comptes rendus, 1874 t. LXXIX p. 1132).

W.

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In Wiesner: „Die Rohstoffe des Pflanzenreiches“ ist diese Bastfaser unter dem Namen „Gambohanf“ angeführt.

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