Titel: Ueber Funkenlänge bei Elektrisirmaschinen; von C. A. Grüel in Berlin.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 91–92)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi01_04

Ueber Funkenlänge bei Elektrisirmaschinen; von C. A. Grüel in Berlin.

Ein Irrthum, welcher in der Beurtheilung der Güte oder Ausgiebigkeit der Elektrisirmaschinen häufig begangen wird, liegt in der Annahme, daß die versprochene oder erzielte Funkenlänge einen Maßstab für die Leistung derselben abgeben könne. Jeder, der sich mit elektrischen Versuchen und der Construction der Maschinen eingehend beschäftigt hat, wird zu dem Resultat gelangt sein, daß die Elektricitätsmenge von bestimmten Bedingungen, von der Größe und elektrischen Qualität des Glases, der richtigen Construction des Reibzeuges und der Vollkommenheit der Isolirung abhängt, ganz abgesehen von dem Umstande, daß Luftbeschaffenheit und Reinhaltung aller Mastheile die Wirkung wesentlich unterstützen. Zur Isolirung gehört auch die gute Abrundung aller Theile in der Nähe der Scheibe, was von den Mechanikern, die gewohnt sind, ihre Messingflächen scharfkantig und mit spitzen Enden zu arbeiten, oft nicht beachtet wird. Eine solche scharfe Ecke zeigt deutlich ihre schädliche Wirkung, sobald man die Maschine im finsteren Raume probirt, und zwar an dem blauen Lichtpunkt, welcher an der Ecke erscheint, und oft die Hälfte der producirten Elektricität. einsaugt.

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Die Größe des Conductors hat keinen Einfluß auf die Ausgiebigkeit der Maschine, letztere kann bei kleineren Funken ganz dieselbe sein als bei größeren. Es gibt gewisse condensatorisch wirkende Vorrichtungen, zu welchen auch der Winter'sche Ring gehört, um die Funkenlänge zu vergrößern, und so mag es wohl manchem imponiren, wenn ihm von einer Maschine von bestimmten Dimensionen, die nach Erfahrung etwa 2zöllige (50 Mm. lange) Funken zu geben pflegt, 7 bis 8zöllige (175 bis 200 Mm.) Funken versprochen werden. Es war meine Absicht, durch diese Zeilen die Täuschung zu constatiren, welche durch diese Offerte zu Tage treten muß, wenn Jemand solche Maschine empfangen und sich überzeugen würde, daß sie nicht mehr als eine andere und zwar eine solche ohne ringförmigen Aufsatz leiste.

Es gibt nur ein einziges zuverlässiges Mittel, die Maschinen zu vergleichen, und dieses ist die Rieß'sche Maßflasche, welche durch die Zahl ihrer Selbstentladungen in gegebener Zeit die Ladungscapacität und also die Güte einer Maschine angibt. Andererseits ist der Werth langer Funken ein sehr geringer, der Erfolg des unbequemen Ringes auch mit anderen Mitteln erreichbar, und man wünscht lieber den Ring hinweg, wenn man gewahr wird, daß er die Berührungsfläche des Conductors vergrößert und hiermit die Ableitung der Elektricität in die umgebende Luft vermehrt. Aus diesem Grunde pflegt man bei starken Ladungsversuchen die großen Conductoren durch kleinere zu ersetzen.

Besonders muß ich aber schließlich hervorheben, daß die Erzielung großer Funkenlänge als ein besonderes Experiment hingestellt werden darf, und daß die Funken in demselben Maße seltener zur Erscheinung kommen, als sie an Länge gewonnen haben; man macht dabei nur einen Tausch, weil das erfreuliche knarrende Geräusch, mit welchem sonst die Funken in stürmischer Eile hervorbrechen, nicht entsteht.

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