Titel: Färbung der Metalle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 93)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi01_07

Färbung der Metalle.

Es ist möglich, Metalle rasch und auf billige Weise durch Bedecken ihrer Oberfläche mit einer dünnen Schicht einer schwefeligsauren Lösung zu färben. In wenigen Minuten kann man dadurch Gegenständen aus Messing oder Kanonenmetall die Farbe von Gold, Kupfer, Carmin, Kastanienbraun, Hellem Anilinblau, einem blasseren Blau oder endlich von einem röthlichen Weiß ertheilen, und zwar je nach der Dicke der Schicht und der Dauer der Einwirkung der Flüssigkeit. Die so erhaltenen Farben besitzen ein schönes Lüster, und wenn die Gegenstände zuvor der Behandlung von Säuren oder Alkalien unterworfen worden waren, so haften die Farben so fest an der Oberfläche, daß sie durch die zum Poliren verwendeten Werkzeuge nicht leiden.

Zur Darstellung der Solution löst man 42,5 Grm. unterschwefligsaures Natron in 450 Grm. Wasser, und mischt dazu eine Lösung von 45,5 Grm. Bleizucker in 225 Grm. Wasser. Erwärmt man diese Mischung auf 88 bis 93°, so zersetzt sie sich und läßt Schwefelblei in schwarzen Flocken fallen. Ist nun gleichzeitig ein Metall zugegen, so lagert sich ein Theil des Schwefelbleies auf demselben ab, und die oben genannten Farben treten je nach der Dicke des Niederschlages auf. Damit dieser Niederschlag gleichförmig entsteht, ist es nothwendig, daß die Gegenstände durch und durch gleichmäßig erwärmt werden. Unterwirft man Eisen diesem Processe, so bekommt es ein stahlblaues Ansehen; Zink wird braun.

Wendet man statt des Bleizuckers eine gleiche Menge Schwefelsäure an, und verfährt übrigens, wie angegeben – nur mit dem Unterschiede, etwas mehr zu erwärmen, so werden Kanonenmetall oder Bronze erst roth, dann grün und zuletzt prächtig grünroth. Nur dieser letzte Ton zeigt sich dauerhaft, nicht aber die übrigen.

Es ist möglich, schöne Marmor-Imitationen zu erhalten, wenn man eine Bleilösung, nachdem sie mit Traganth verdickt ist, auf zuvor bis auf 100° erhitzte Bronze aufträgt, und diese schließlich mit der schwefelbleihaltigen Flüssigkeit behandelt. Diese Flüssigkeit kann wiederholt verwendet werden. (Jron, October 1874 S. 419.)

W.

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