Titel: Buntfarbiger Druck.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 94–95)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi01_11

Buntfarbiger Druck.

Auf der Londoner internationalen Ausstellung 1874 führten J. M. Johnsons and Sons ein neues Verfahren vor, durch welches billige, in beliebig vielen Farben colorirte Illustrationen, Landkarten, Buntpapier etc. hergestellt werden und das bereits ziemlich befriedigende Resultate liefern soll. Soll danach z.B. eine colorirte Landkarte hergestellt werden, so wird die Zeichnung auf Messingblech übertragen, und letzteres entsprechend den verschiedenfarbigen Theilen zerschnitten. Nach diesen Schnitten werden dann genau entsprechend Stücke aus circa 12 Mm. dicken Farbenplatten ausgeschnitten und diese Farben hierauf nach der gegebenen Zeichnung zusammengesetzt, durch eine geeignete Unterlage zu einem Ganzen verbunden und das Ganze mit völlig geebneter Oberfläche in einen Metallrahmen gebracht, so daß es einen mäßigen Druck aushalten kann. Beim Drucken wird das Papier mit Terpentinöl angefeuchtet, wodurch bei jedem Druck eine dünne Farbschicht abgenommen wird, und zwar sollen von einer 12 Mm. starken Farbplatte 8000 Abdrücke genommen werden können. Die angewendete Presse ist ganz ähnlich einer gewöhnlichen lithographischen, aber mit einer besonderen Einrichtung versehen, um die allmälig abnehmende Dicke der Farbplatte auszugleichen es werden nämlich die Lager einer Druckwalze durch hydraulischen Druck getragen und bei jeder Bewegung des Schlittens durch eine kleine Pumpe der Wassersäule einige Tropfen Wasser hinzugefügt, um so die Farbenplatte stets in gleicher Entfernung von der Druckfläche zu erhalten.

Ueber dieses neue Verfahren für Chromolithographie hat die Section für Kunstgewerbe des niederösterreichischen Gewerbevereins in Wien (dessen Wochenblatt diese Notizen bringt) nachstehendes Gutachten abgegeben: „Wir können die oben ausgesprochenen |95| Vortheile des neuen Verfahrens bei Farbendruck in ihrer Begrenzung auf industrielle billige Arbeiten, für Landkarten, Zeitungen und bei großem Bedarf für kaufmännische Zwecke vollkommen bestätigen, da durch die rasche Herstellung auch Billigkeit eintreten muß; wir setzen dabei voraus, daß große Auflagen gedruckt werden und daß die Zusammensetzung der Farben im Laufe der Arbeit durch Vermischung an den Rändern keine Störung verursacht. Zu feineren Arbeiten ist das Verfahren für sich allein unanwendbar, da bei demselben nur glatte Töne mit scharfer Begrenzung gedruckt werden können. Das Verfahren hat den weiteren, namentlich in Bezug auf Bilderwerke hervortretenden Nachtheil, daß durch zu ölige Beschaffenheit der Farben diese durchschlagen und der Rücken der Blätter nicht rein erscheint.“

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