Titel: Beobachtungen über Seewasser-Eis; von J. Y. Buchanan.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 186)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi02_09

Beobachtungen über Seewasser-Eis; von J. Y. Buchanan.

Der Verfasser ist Chemiker der auf dem Schiffe „Challenger“ umherkreuzenden Naturforscher-Expedition und hat während des Aufenthaltes in den Südpolargegenden Stücke von Treibeis in Bezug auf Salzgehalt und Schmelzpunkt untersucht. Zwei verschiedene Proben ergaben je 0,1723 und 0,0520 Grm. Chlor auf 1 Liter Eiswasser; außerdem wies die qualitative Analyse die Gegenwart von Kalk, Magnesia und Schwefelsäure nach. Treibeis ist somit keine homogene Masse, was übrigens leicht zu begreifen, wenn man bedenkt, daß das Seeeis während seiner Bildung den auf dasselbe fallenden Schnee nach und nach einschließt. Künstlich zum Frieren gebrachtes Seewasser krystallisirte in hexagonalen Tafeln, welche mit destillirtem Wasser abgespült, zwischen Filterpapier getrocknet und geschmolzen 1,5780 Grm. Chlor auf 1 Liter Eiswasser enthielten.

Der Schmelzpunkt der Eiskrystalle wurde mittels eines Geißler'schen Normalthermometers – 0,3° gefunden, welche Temperatur 20 Minuten hindurch (so lange währte die Beobachtung) constant blieb. Ein Stück frisches Treibeis begann bei – 1° zu schmelzen; 20 Minuten später war das Thermometer auf – 0,9° gestiegen; nach 2 1/2 Stunden war es auf – 0,3°; für ungefähr eine Stunde war das Eiswasser constant – 0,4°.

Diese Temperaturbestimmungen zeigen, daß das Salz im Seewassereise nicht blos als mechanisch eingeschlossene Lache enthalten ist, sondern als fester Körper existirt, als Salzkrystalle oder als Mischung von Salz- und Eiskrystallen. Läßt man Kochsalz aus einer Lösung bei Temperaturen unterhalb 0° herauskrystallisiren, so erscheint es in hexagonalen Tafeln; Seewassereis dürfte daher als analog mit den unter Mineralien auftretenden isomorphen Gemengen angesehen werden. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1874 S. 1457.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: