Titel: Schwedische Zündhölzchen-Fabrikation; von Prof. Gintl.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 188–190)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi02_13

Schwedische Zündhölzchen-Fabrikation;* von Prof. Gintl.**

Schweden, dessen Zündhölzchen-Fabrikation, unterstützt durch die billige Arbeitskraft und den Ueberfluß an vorzüglichem Holze (Espe), in den letzten fünf Jahren einen enormen Aufschwung genommen hat und das namentlich durch seine billige Wasser Verfrachtung den continentalen Fabriken eine schwer zu bekämpfende Concurrenz auf überseeischen Märkten macht, hat nicht versäumt, die Großartigkeit dieser seiner Industrie auf der Wiener Weltausstellung 1873 in würdiger Weise zur Anschauung zu bringen. Von den 24 Zündhölzchen-Fabriken (im J. 1867 bestanden deren blos 10), welche in Schweden im Betriebe sind, haben nicht weniger als 16 sich an der Ausstellung betheiligt. Die älteste und bedeutendste derselben ist die im J. 1845 gegründete Fabrik (Actiengesellschaft) zu Jönköping, die allein so viele Arbeiter beschäftigt als alle übrigen Fabriken Schwedens zusammengenommen. Ihre Production betrug im J. 1872: 128039754 Stück verschiedener Feuerzeuge im Werthe von 1857249 |189| Rixdaler (à 115 Markpfennig), von denen der bei weitem größte Theil Sicherheits-Feuerzeuge (Böttger's System) waren, – ein Artikel, um dessen Verbreitung die Fabrik in Jönköping neben jener von Körner und Comp. in Göteborg, die nach John Bagge's Patent auch giftfreie Zündhölzchen erzeugt, welche keiner phosphorhältigen Frictionsmasse an der Reibfläche bedürfen, das größte Verdienst hat.

Eine der ältesten Fabriken Schwedens ist auch jene von J. F. Lindahl in Kalmar, welche im J. 1857 gegründet wurde. Sie brachte, abweichend von der gewöhnlichen Manier, Sicherheitszündhölzchen mit bunten Köpfen zur Ausstellung, die ganz gut zu nennen waren und sich durch nette, wenn auch einfache Enveloppes auszeichneten. Diese Fabrik producirte im J. 1872: 7 Millionen Schachteln Zündhölzchen im Werthe von 130000 Rixdaler und exportirte fast das gesammte Erzeugniß.

Weiters haben sich von bedeutenderen Fabriken an der Ausstellung betheiligt: die im J. 1868 gegründete Fabrik der Actiengesellschaft Vulcan zu Tidaholm, welche auf eine Jahresproduction von 30 bis 40 Millionen Stück Schachteln berechnet, im verflossenen Jahre bereits einen Umsatz im Werthe von 350000 Rixdaler aufzuweisen hatte, und deren Product – Sicherheits-Zündhölzchen mit braunen und rothen Köpfchen – an Güte von dem anderer Fabriken nicht abweicht; dann die Actiengesellschaft der Zündhölzchen-Fabrik zu Motala, welche seit dem J. 1871 im Betriebe ist und ihr Product im Werthe von 130000 Rixdaler fast ausschließlich in England und Deutschland absetzt. Diese Fabrik hatte auch parfümirte Zündhölzchen mit färbigen und lackirten Köpfchen ausgestellt, welche sie „patentirte Aluminium-Sicherheits-Zündhölzchen“ nennt, ohne daß indeß die Berechtigung dieses Namens einzusehen wäre.

Bemerkenswerth war auch die Ausstellung der Actiengesellschaft der Zündhölzchen-Fabrik zu Norrköpping, welche neben Sicherheits-Zündhölzchen gewöhnlicher Art auch solche fabricirt, deren Holz nach dem Vorschlage Howse's imprägnirt und also nicht glimmend ist, ohne an Entzündlichkeit etwas eingebüßt zu haben (auch die Fabrik von E. Holmberg in Södertolje erzeugt solche Hölzchen) und liefert diese Hölzchen nur 2 Rixdaler per 1000 Stück Schachteln theurer als gewöhnliche Sicherheitshölzchen. Diese erst 1870 gegründete Fabrik hat im J. 1871 bereits nahe an 7 Millionen Stück Schachteln an Sicherheits-Zündhölzchen geliefert, welche zum großen Theile auf den centraleuropäischen Märkten abgesetzt, zum Theile aber auch nach Amerika und Australien, dann nach Asien exportirt wurden.

Gewöhnliche Sicherheits-Zündhölzchen schwedischer Art haben ferner die Zündhölzchen-Fabrik zu Westerwiek, dann jene der Actiengesellschaft zu Istad, beide im J. 1871 gegründet, sowie die Actiengesellschaft der neuen Zündhölzchen-Fabrik zu Stockholm etc. ausgestellt, während die im J. 1872 gegründete Gesellschaft der Zündhölzchen-Fabrik zu Lidköping, welche sowie die oben genannten eine Jahresproduction im Werthe von 130000 bis 150000 Rixdaler ausweist, neben Sicherheits-Zündhölzchen auch gewöhnliche Phosphorhölzchen mit und ohne Schwefel ausgestellt hatte.

Fast sämmtliche Fabriken Schwedens arbeiten vornehmlich für den Export und nur etwa 1/8 der gesammten Production wird im Lande selbst consumirt. Alle von der Civilisation berührten Länder der Welt bilden Absatzgebiete für das schwedische Product und überall ist die Concurrenz der schwedischen Zündhölzchen-Industrie eine sehr fühlbare geworden. Wie schwer übrigens gegen diese aufzukommen ist, wird jeder mit centraleuropäischen Verhältnissen einigermaßen Vertraute einsehen, wenn er hört, daß z.B. die Fabrik zu Jönköping, welche i. J. 1872 1350 Personen beschäftigte, in demselben Jahre nur 360514 Rixdaler an Arbeitslöhnen zu zahlen hatte, so daß sich der Arbeitslohn pro Tag und Kopf auf weniger als 1 Mark beläuft, was bei dem Umstande, als nur 12 Procent der gesammten Arbeiterzahl Kinder unter 18 Jahren waren, ein sehr mäßiger Arbeitslohn genannt werden muß.

Den Gesammtexport Schwedens betreffend, so betrug die im J. 1872 ausgeführte Menge von Zündhölzchen-Fabrikaten 12119202 Pfund schwedisch (5154775 Kilogrm.) Gewicht. – Bemerkenswerth ist es, daß Schweden fast sämmtliche für die Zündhölzchen-Fabrikation erforderlichen Chemikalien vom Auslande (England) beziehen muß.

Norwegen, welches dem Beispiele des Schwesterlandes folgend, wenn auch unter weniger günstigen Verhältnissen arbeitend, sich gleichfalls die Fabrikation von |190| Sicherheits-Zündhölzchen für den Export zur Aufgabe zu machen scheint, zählt gegenwärtig 8 Zündhölzchen-Fabriken mit im Ganzen 436 Arbeitern und hat bereits im J. 1872 340000 Pfund Zündhölzchen exportirt.

|188|

Vergl. dies Journal, 1871 202 391; 1873 209 369.

|188|

Aus dem officiellen Ausstellungsberichte über „die Zündwaaren und Explosivstoffe;“ von Professor Dr. W. F. Gintl in Prag; Druck und Verlag der k. k. Hof- und Staatsdruckerei. Wien 1874. (34. Heft. Preis 40 Neukreuzer.)

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: