Titel: Bereitung des Zinnobers.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 190)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi02_14

Bereitung des Zinnobers.

Hausamann stellt zunächst das Mercuriammoniumchlorid dar (den sogenannten unschmelzbaren weißen Präcipitat) durch Eingießen einer Sublimatlösung in überschüssiges, verdünntes Ammoniak. Der weiße Präcipitat setzt sich in Flocken zu Boden und die überstehende Flüssigkeit enthält Salmiak und überschüssiges Ammoniak. Zu dieser Flüssigkeit setzt man unter öfterem Aufrühren des Niederschlages etwas mehr einer concentrirten Natriumhyposulfitlösung als zur vollständigen Lösung des Präcipitates nothwendig ist. Wird diese Lösung in einer Schale erwärmt, so beginnt bald die Ausscheidung von Zinnober; das Erhitzen wird bis zur dünnen Breiconsistenz fortgesetzt.

Es scheint, daß das in der Lösung vorhandene Ammoniak und Chlorammonium auf die Bildung sowohl als auf das Aussehen des Productes einen wesentlichen Einfluß ausübt. Die Temperatur beim Eindampfen der Hyposulfitlösung spielt ebenfalls eine Rolle in Bezug auf das Aussehen des Zinnobers. Wird bei 50–60° eingedampft, so entsteht ein helleres Präparat als bei circa 90–100°; Verfasser erhielt den schönsten Zinnober (hochroth) bei 70–80°.

Verfasser suchte, gestützt auf diese Beobachtungen, den Zinnober auf Baumwollgeweben darzustellen, erhielt jedoch keine befriedigenden Resultate. Er imprägnirte mit der nach obigen Angaben bereiteten Hyposulfitlösung Baumwollzeug und dämpfte dasselbe; auch durch mehrmalige Wiederholung dieser Operation erhielt er auf dem Gewebe nur orangefarbenes Quecksilber. Verf. glaubt sich dieses dadurch zu erklären, daß – da die Lösung des Präcipitats in Hyposulfit sehr verdünnt ist – der Zinnober in sehr fein zertheiltem Zustande auf der Faser ausgeschieden wird.

Sollten übrigens auch die Resultate noch günstiger ausfallen, so würden sich dennoch der Einführung dieses Verfahrens in den Zeugdruck gewisse praktische Schwierigkeiten entgegenstellen; so dürften z.B. die Druckklötze keine kupfernen oder messingenen Stifte (vergl. 1874 214 302) enthalten, weil letztere von der Hyposulfitlösung sehr rasch angegriffen werden. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1874 S. 1747.)

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