Titel: Copir-Tintenstifte.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 190–191)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi02_15

Copir-Tintenstifte.

Den Gebr. Jacobsen in Berlin ist es, wie die deutsche Industriezeitung mittheilt, gelungen, Copirtintenstifte herzustellen, welche als Ersatz für Bleistift und Copirtinte dienen können. Dieser Tintenstift gibt auf trockenem Papier eine Bleifederschrift, welche sich ohne Beschädigung des Papiers nicht durch Reibgummi entfernen läßt und von welcher durch stark, aber nicht übermäßig gefeuchtetes Copirpapier ohne großen Druck oder durch Streichen mit dem Falzbeine sich mehrere reine Abzüge machen lassen. Ein Verlaufen der Schrift, wie bei Anwendung gewöhnlicher Copirtinte, findet bei richtiger Anfeuchtung des Papiers nicht statt. Die Originalschrift erscheint nach dem Copiren als Tinte, aber auch dann, wenn vor dem Schreiben das Papier leicht angefeuchtet wurde. Läßt man die Schrift auf trockenem Papier einige Tage hindurch stehen, so wird sie innerhalb des Papiers durch die Feuchtigkeit der Luft in Tinte verwandelt und copirt dann nicht mehr so gut mit gewöhnlichem Wasser als sofort nach dem Schreiben. Benützt man dann aber statt des Wassers starken Essig zum Copiren, so erhält man immer noch mehrere gute Copien. Zum Copiren ist Seidenpapier oder jedes durchscheinende dünne Postpapier anzuwenden. Je weniger glatt (satinirt) das zu beschreibende Papier ist, desto besser greift der Stift an, desto mehr Copien kann man erhalten. Mit dem Tintenstifte läßt sich auch auf geöltem Papier (Pauspapier) schreiben; die Schrift wird auf demselben auch ohne Anfeuchtung violett.

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Der Gebrauch des Tintenstiftes empfiehlt sich besonders Kaufleuten, Reisenden, Architecten (zum Fixiren und Copiren von Skizzen) etc. Der Tintenstift ist außerdem das beste Material zum Beschreiben der Postkarten, da er vorzugsweise auf nicht glattem, starken Papier die intensivste Schrift und die besten Copien zu machen erlaubt. – Zum Anspitzen des Stiftes bedient man sich am besten einer Feile; der Abfall gibt, in Wasser gebracht, eine schöne (Anilin-) Tinte. Die Tintenstifte kosten in eleganter Hülse 1,50 Mark pro Stück und sind von S. Loewenhain in Berlin, Friedrichstraße 171, zu beziehen.

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