Titel: Amerikanisches Holzpflaster.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 280)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi03_01

Amerikanisches Holzpflaster.

Aus einem vom Ingenieur Ernest Pontzen im österreichischen Ingenieur- und Architektenverein in Wien gehaltenen Vortrag (Technische Reisenotizen aus Amerika; vergl. betr. Zeitschrift, 1875 S. 33) entnehmen wir über die Herstellung des Holzpflasters in Amerika nachstehende interessante Mittheilung.

Die Art der Herstellung desselben variirt je nach den Städten, oft findet man dasselbe sogar in derselben Stadt nach mehrerlei Systemen ausgeführt; nur in einer Beziehung stimmen sie alle überein, nämlich darin, daß überall weiches Holz verwendet wird. Die Holzwürfel werden so versetzt, daß die Fasern senkrecht stehen und die Stirnenden die Lauffläche bilden. Auf diese wird Sand oder feiner Kies gestreut, welcher sich durch das Befahren in das Holz eindrückt und zur längeren Dauer beiträgt. Die Holzwürfel haben nach der Richtung der Fasern eine Mächtigkeit von 10 bis 15 Centimeter. Sie werden in diagonalen Reihen angeordnet und liegen entweder direct auf einem 15 Centim. mächtigen Sandbette, oder es werden zwischen sie und das Sandbett ein oder zwei sich kreuzende Lagen Breter von 2 bis 5 Centim. Stärke gelegt. Am billigsten kommt natürlich das Pflaster zu stehen, bei welchem die Blöcke direct auf dem Sande liegen; die anderen Arten haben jedoch eine größere Dauer. In Chicago sind sehr maßgebende Erfahrungen über das Verhalten des Holzpflasters gesammelt worden, und der Ober-Ingenieur des Chicagoer Stadtbauamtes theilte dem Vortragenden mit, daß das mit Breterunterlagen ausgeführte weiche Holzpflaster daselbst durchschnittlich eine Dauer von 7 Jahren habe. Die Kosten eines Quadratmeter solchen Pflasters belaufen sich auf ungefähr 2 fl. 25 kr. (etwa 4,5 Mark).

In jenen Gegenden, wo der Theer nicht zu theuer ist, verwendet man überdies Theer und zwar in der Weise, daß man die Breter, welche unter dem eigentlichen Pflaster liegen, betheert und die Fugen zwischen den Holzblöcken, nachdem dieselben mit Sand ausgestopft sind, noch mit flüssigem Theer tränkt. Die Fugen haben 1 bis 2 Centim. Weite; der Sand wird in dieselben in der Weise eingedrückt, daß ein Mann ein an einem Stiele in Scharnier bewegliches, circa 1 Centim. dickes Flacheisen hochkantig auf die mit Sand gefüllte Fuge hält, worauf dann ein zweiter Arbeiter mittels einer Handramme auf dieses ungefähr 1 Meter lange Flacheisen schlägt. Die Anwendung des harten Holzes wurde wiederholt versucht, es hat sich aber gezeigt, daß der Sand sich in dasselbe nicht gut eindrückt, weshalb die mit demselben gepflasterten Straßen glatt und namentlich bei feuchtem Wetter für die Pferde gefährlich sind. Man verwendet also nur das weiche Holz zu Pflaster, und zwar nicht nur weil es billiger ist, sondern auch weil es, wie gesagt, vortheilhafter ist.

J.

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