Titel: Funkenreißen durch Bronze.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 281–282)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi03_04

Funkenreißen durch Bronze.

Man war bisher allgemein der Ansicht, daß Bronze und Kupfer bei heftiger Berührung nicht Funken geben, wie Eisen es thut; aus diesem Grunde verwendet man u.a. diese Materialien ausschließlich bei der Schießpulverfabrikation und stellt vielfach die Stampfer für das Besetzen von Sprenglöchern aus Kupfer oder Bronze her. |282| In der königl. engl. Pulverfabrik zu Waltham Abbey sind nun (nach der deutschen Industriezeitung) neuerdings von Major Majendie Versuche angestellt worden, welche ergaben, daß Kupfer, Geschützbronze und Phosphorbronze sämmtlich unter bestimmten Reibungsverhältnissen Funken, selbst einen mehr oder weniger starken und ununterbrochenen Funkenstrom zu geben vermögen und zwar, wie es scheint, die härteren Sorten von Phosphorbronze weniger leicht als die weicheren, und selbst weniger leicht als gewöhnliche Bronze oder Kupfer. Immerhin wird bestätigt, daß die Fähigkeit, Funken zu geben, für alle genannten Materalien eine weit geringere ist als für Eisen und Stahl.

Bei der ersten Versuchsreihe wurde ein Schleifstein verwendet, wie er für kleine Werkzeuge benützt wird. Derselbe hatte 0,15 M. Durchmesser, machte 1220 Umdrehungen pro Minute und hatte somit eine Umfangsgeschwindigkeit von 634 M. pro Minute; die zu untersuchenden Stücke wurden je 1/2 Minute fest gegen ihn angehalten. Die weichste Sorte Phosphorbronze ist Nr. 2, die härteste Nr. 8; in den Pulverfabriken wird Nr. 7 angewendet.

Phosphorbronze Nr. 2 Versuch a Gelegentlich Funken und zuweilen ein
Funkenstrom.
„ „ „ b Schwacher ununterbrochener Funkenstrom.
„ „ „ c Anfänglich schwacher Funkenstrom.
„ „ „ d Nur ein oder zwei schwache Funken.
„ Nr. 4 Einzelne sehr starke Funken und zuweilen
fast eine Aufeinanderfolge von Funken,
doch im Allgemeinen eher von der Art
eines andauernden Funkens.
„ Nr. 7 Ein oder zwei starke Funken, aber keine
Andeutung eines andauernden Stromes.
„ Nr. 8 Nur ein schwacher Funken.
Dünnes Bronzemesser Einige Funken, aber kein andauernder
Strom.
Bronzehebel von stärkerem Querschnitt und
härter als das Messer
Zahlreiche Funken und zu Zeiten schwacher
Strom.
Gutes Bronzegußstück zu Bolzen etc., nur
die Gußhaut angedrückt
Wenig Funken, schwacher andauernder
Strom.
Dasselbe, nur die reine Metallfläche angedrückt Starker, zuweilen unterbrochener, im Ganzen
aber andauernder Strom.
Brüchiges Bronzegußstück zu Bolzen etc.
Versuch a
Ansehnlicher ununterbrochener Funkenstr.
b Sofortiger lebhafter, ununterbrochener
Funkenstrom.
Bronzegußstück für Preßplatten 3 Funken.
Kupferblech, ca. 3 Mm. stark Ununterbrochener Strom von kleinen
Funken.
Schmiedeiserner Stab Sehr heller, intensiver, ununterbrochener
Feuerstrom, Funken flogen in einigen
Fällen ca. 150 Millim. weit.
Gehärteter Stahl (Feile) Glänzendes Blitzestrahlen.

Bei der zweiten Versuchsreihe wurde der Schleifstein durch einen gleich großen und gleich rasch umlaufenden gußeisernen Cylinder ersetzt. Dabei gaben Phosphorbronze Nr. 2, 7 und 8, sowie ein Bronzegußstück und 3 Millim. dickes Kupferblech keine Funken, dagegen der schmiedeiserne Stab einen glänzenden Feuerstrom und der gehärtete Stahl einen glänzenden, raschen Funkenstrom. Als endlich ein 0,20 Meter starker Cylinder von Geschützbronze angewendet wurde, welcher 1625 Umdrehungen pro Minute machte, wurden mit keinem der angegebenen Materialien Funken erhalten.

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