Titel: Holzfußböden in Asphalt verlegt.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 378–379)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi04_05

Holzfußböden in Asphalt verlegt.

Vor etwa 20 Jahren hat man in Frankreich angefangen und seit dieser Zeit immer mehr zur Anwendung gebracht, die Holzfußböden in den Erdgeschossen der Casernen und Krankenhäuser, in Kirchen und Gerichtssälen nicht mehr auf Ripphölzer zu strecken, sondern in eine heiße Asphaltschicht zu betten. Schott (Deutsche Bauzeitung, 1875 S. 88) macht auf die in Deutschland noch gar nicht oder sehr wenig gebräuchliche Construction aufmerksam, da sie des großen Werthes wegen allgemeinere Verbreitung verdienen soll.

Man verwendet zu den in Rede stehenden Böden gewöhnlich 6 bis 10 Centim. breite, 30 bis 50 Centim. lange und 2,5 Centim. starke Bretstückchen aus Eichenholz, welche man nach dem bekannten Fischgratmuster in eine 1 Centim. dicke Lage von heißem Asphalt eindrückt. Um ein möglichst festes Anhaften des Holzes an den Asphalt und möglichst schmale Fugen zu erzielen, werden die Kanten der Bretchen nach unten zu schief abgehobelt, so daß der Querschnitt derselben keil förmig wird. Eine Vernagelung kommt hierbei natürlich nicht vor, und man kann dem Bretstücke nach dem Verlegen durch Abhobeln eine ganz ebene Oberfläche geben.

Die Vortheile dieser Dielungsart, welche zu ihrer Anwendung nur einer allgemeinen Abgleichung des Unterbodens bedarf, sind folgende.

1. Vom Holzwerk wird jede Grundfeuchtigkeit abgehalten, so daß keine Schwammbildung stattfinden kann.

2. Die Reinigung des Fußbodens ist mit den geringsten Wassermengen schnell und leicht zu bewirken; der Boden wird daher sehr rasch wieder trocken sein.

3. Ungeziefer kann in den Fugen nicht überhand nehmen.

4. Die ungesunden Ausdünstungen der Erde können nicht in die Wohnräume dringen. Die größere Undurchdringlichkeit der Asphaltschicht macht es z.B. möglich, auch nicht unterkellerte Stuben ohne Nachtheil zu bewohnen, und in mehrstöckigen Krankenhäusern die Krankenluft der unteren Stockwerke von den Stuben der oberen abzuhalten, was bekanntlich bis jetzt durch kein anderes Mittel erreicht werden konnte. In diesem Falle ist es zur Anbringung einer (10 Millim. starken) Asphaltschicht nöthig, über den Deckbalken zunächst einen Blindboden (etwa 20 Mm. dick) zu legen und darüber eine etwa 20 Mm. starke Sandschicht auszubreiten.

(5. Die Asphaltschichte würde nach einer Mittheilung in diesem Journal, 1869 194 358, auch die Fortpflanzung eines Feuers von einer Etage zur darüber befindlichen verhindern.)

In Metz werden seit mehreren Jahren in den zahlreichen Casematten der neuen Forts die hier beschriebenen Fußböden durch den Bauunterernehmer Meßmer zur vollsten Zufriedenheit der Festungsbaubehörden ausgeführt. Die Kosten ergeben sich dort pro Quadratmeter wie folgt:

1 Quadratmeter astfreies, trockenes Eichenholz in den
erwähnten Abmessungen
4,20 Mark
Verschnitt beim Verlegen 10 Proc 0,42 „
1 Quadratmeter Asphaltunterlage = 25 Kilogrm. Asphalt
und 3 Kilogrm. Pech
2,80 „
Arbeitslohn 1,60 „
Für Brennholz, Fuhrlohn und Verdienst des Unternehmers
10 Proc
0,98 „
–––––––––
Summa 10,00 Mark

Dieser etwas hohe Preis wird in Gegenden, wo das Eichenholz und der Arbeitslohn billiger und die Wege nach den Baustellen kürzer sind als in Metz, und wo eine wünschenswerthe Concurrenz der Unternehmer vorhanden ist, voraussichtlich sich |379| wesentlich niedriger stellen und bei größeren Arbeiten wohl auf 8 Mark und weniger pro Quadratmeter herabsinken, also den Preis gewöhnlicher Parketböden nicht überschreiten, während die in Asphalt verlegten Fußböden letztere an Dauerhaftigkeit und Brauchbarkeit für die oben erwähnten Zwecke weit übertreffen.

R.

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