Titel: Reinigung leicht schmelzbarer Metalle durch Filtration; von Bergrath Curter.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 469–470)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi05_01

Reinigung leicht schmelzbarer Metalle durch Filtration; von Bergrath Curter.

Wenn die Substanz, aus welcher ein Filter angefertigt ist, keine Anziehungskraft zu den Theilen der zu filtrirenden Flüssigkeit hat, d.h. nicht davon benetzt ward, die Zwischenräume des Filters also nicht wie Haarröhrchen wirken, so erfolgt bei sehr engen Zwischenräumen keine Filtration, kein Durchlaufen. So kann man auf einem nicht gar sehr feinen Gewebe von Eisendraht selbst Quecksilber tragen, eben so auf einem Gitter von Kupferdraht. Wird letzteres aber angequickt, so läuft das Quecksilber sogleich durch, selbst wenn das Gitter sehr fein ist, und befinden sich in dem Quecksilber feine Späne von Eisen oder Kupfer oder Amalgamtheilchen, so bleiben dieselben auf dem Gitter zurück.

Der vormalige Professor der Metallurgie zu Freiberg, Lampadius, hat bereits die Filtration leicht schmelzbarer Metalle versucht, davon ausgehend, daß in denselben befindliche verunreinigende Metalle bei einer gewissen niederen Schmelztemperatur entweder für sich oder in Form bestimmter Verbindungen ungeschmolzen in der Metallmasse enthalten sind und sich deshalb durch Filtration abscheiden lassen müssen. Obgleich er zu diesen Filtrationen Quarzsand, Schlackensand etc. – also ein Material, welches von dem Metalle nicht benetzt wird, benützte, fielen die Resultate doch in so weit befriedigend aus, als die vorhandenen Verbindungen oder Legirungen der verunreinigenden Metalle auf dem Filter zurückblieben; indeß war das durchgelaufene Metall noch bedeutend verunreinigt, weil, damit das Durchlaufen stattfand, die Zwischenräume des Filtrirmittels zu groß sein mußten.

|470|

Verf. stellte sich nun die Aufgabe, ein Filter herzustellen, welches von dem zu filtrirenden Metall benetzt werde, und böhmisches Zinn, welches bekanntlich ziemlich unrein ist, durch Filtration zu reinigen. Er verfuhr dabei (nach der Wochenschrift des n-ö. Gewerbevereines) in folgender Weise.

Es wurden aus papierdünnen verzinnten Eisenblechplatten etwa 150 Mm. lange und 100 Mm. breite Streifen geschnitten. 500 solche Streifen wurden Fläche an Fläche parallel an einander in einen quadratischen Eisenrahmen mittels zweier gegen einander gekehrter Keile fest eingepreßt, und dieser Rahmen in eine entsprechende, in dem Boden eines beiläufig 800 markigen Passauer Graphittiegels gemachte Oeffnung eingekittet. Das zu reinigende Zinn wurde in einem anderen Tiegel geschmolzen, dann so weit erkalten gelassen, bis sich an der Oberfläche die Ausscheidung feiner Kryställchen wahrnehmen ließ, und darauf die etwas dicklich gewordene Metallmasse in den Filtrirtiegel übergeschöpft. In Folge des Flüssigwerdens der zwischen den Eisenplättchen befindlichen Verzinnung filtrirte nun der flüssig gebliebene reine Theil der Metallmasse hindurch, während ein breiartiges Magma, in welchem Eisen, Arsen und Kupfer in hohem Grade concentrirt mit Zinn chemisch verbunden waren, auf dem Filter zurückblieb. Das durchfiltrirte Zinn erwies sich als fast chemisch rein.

Dieser erste Versuch war so zufriedenstellend, daß mit dem Versuchsfilter eine Partie von mehr als 50 Ctr. unreinen böhmischen Zinnes gereinigt wurde. Die gereinigten Stücke sind mit dem Apparate bei der im Sommer 1845 in Wien stattgehabten Gewerbe-Ausstellung zur Exposition gekommen, jedoch leider unbeachtet geblieben. Die gegenwärtige Mittheilung bezweckt nun, das beschriebene Verfahren zur allgemeinen Kenntniß zu bringen. Verf. bemerkt noch, daß statt der Blechstreifen füglicher ein durch Aufeinanderschichten von Eisen- etc. Drehspähnen in einem geeigneten cylindrischen Gefäß und Zusammenpressen derselben mit einer Spindelschraube gebildetes Filter verwendet werden dürfte, und daß solche Metallfilter vielleicht auch bei der Scheidung des Silbers aus silberhaltigem Blei und des Silbers und Goldes aus dem Quecksilber Anwendung finden könnten.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: