Titel: Einfluß der Temperatur auf die elektrische Leitungsfähigkeit der Metalle.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 471)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi05_05

Einfluß der Temperatur auf die elektrische Leitungsfähigkeit der Metalle.

Daß die elektrische Leitungsfähigkeit der Metalle von der Temperatur beeinflußt werde, ist bereits von Davy beobachtet worden; später wurde dieser Einfluß von verschiedenen Physikern bis zur Temperatur von 2000 untersucht. Hr. Benoit hat nun die Veränderung der Leitungsfähigkeit innerhalb viel weiterer Temperaturgrenzen bestimmt und in einer Dissertation veröffentlicht, von welcher ein Auszug in den Archives des scienes physique et naturelles, t. 51 p. 284 (Naturforscher, 1875 S. 65) die nachstehenden Thatsachen mittheilt.

Der Leitungsdraht, an welchem die Untersuchung angestellt wurde, war spiralförmig aufgerollt auf einem cylindrischen Träger aus Pfeifenthonerde und in eine Muffel eingeschlossen, welche in ein Bad einer flüchtigen Flüssigkeit tauchte, die mittels eines Perrot'schen Ofens erhitzt wurde. Diese Flüssigkeit war Wasser, Quecksilber, Schwefel oder Cadmium, mit welchen man constante Temperaturen von 100, 360, 440 und 860° erhielt. Es wurde ferner eine große Anzahl von Versuchen angestellt unterhalb 360° mittels eines Quecksilberbades, dessen Temperatur man regulirte. Alle Messungen sind für die Ausdehnung corrigirt.

Tafeln, welche der Abhandlung beiliegen, enthalten die graphische Darstellung der erzielten Resultate. Sie zeigen, daß die Zunahme des Widerstandes einen regelmäßigen Gang einhält, der sich wahrscheinlich für alle Metalle, wie für Zinn, Blei, Zink, fortsetzt bis zu ihrem Schmelzpunkte. Diese Zunahme schwankt übrigens bedeutend von einem Metalle zum anderen. Man findet, daß Zinn, Thalium, Cadmium, Zink, Blei die obere Stelle einnehmen; bei 200 und 2300 ist nämlich ihr Widerstand verdoppelt. Ueber diesen befindet sich noch Stahl und Eisen; für dieses letztere ist der Widerstand verdoppelt bei 180°, vervierfacht bei 430° und bei 800° ist er fast neunmal so groß wie bei Null. Palladium und Platin hingegen nähern sich der Achse der Temperaturen; erst bei 400 und 450° hat die Zunahme einen Werth erreicht gleich dem ursprünglichen Widerstande. Gold, Kupfer, Silber bilden eine zwischenliegende Stufe. Man kann daher im Allgemeinen sagen, daß die Leitungsfähigkeit um so schneller in einem Metalle abnimmt, je niedriger sein Schmelzpunkt ist. Eisen und Stahl machen von dieser Regel eine Ausnahme. In Legirungen ist die Schwankung stets kleiner wie in den sie zusammensetzenden Metallen. Bei manchen von ihnen, z.B. dem Neusilber, ist sie sehr gering, was diese Metalle sehr werthvoll macht für die Construction von Widerstandsmessern und Widerstandsrollen. Annähernd nimmt bei den Metallen, in denen der Widerstand am größten, seine Zunahme unter Einwirkung der Temperatur verhältnißmäßig am schnellsten zu. Die leichten Unterschiede der Zusammensetzung, welche den absoluten Widerstand so tief alteriren, haben nur einen geringen Einfluß auf den relativen Werth seiner Zunahme durch Temperaturerhöhung.

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