Titel: Ambroselli's Wandputz für Ziegelmauern.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 565–566)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi06_09

Ambroselli's Wandputz für Ziegelmauern.

Im J. 1868 stellte der Verein zur Beförderung des Gewerbefleißes in Preußen eine Preisaufgabe, betreffend die Herstellung eines Wandputzes für Ziegelmauern, Bedingung für diesen Putz war: 1) daß er unter den Einflüssen des Wetters eine ebene, glatte Oberfläche behalten und in der Sonne sowie bei starkem Froste weder reißen, noch mürbe werden, noch abblättern sollte; 2) daß er eine gleichmäßige und dauerhafte Färbung zulasse, welche entweder durch die ganze Masse vertheilt, oder mindestens 25 Millim. tief in die Oberfläche eingedrungen sein müsse; 3) daß seine Herstellung billiger sei als die der Stucco lustro, während sie die Kosten des gewöhnlichen Mörtelputzes mit Oelfarbenanstrich übertreffen dürfe.

Im Januar 1874 ist der betreffende, aus der silbernen Denkmünze des Vereins und 1500 Mark bestehende Preis dem Maurermeister Ambroselli zu Neu-Barnim bei Wriezen zugesprochen worden, nachdem die von diesem eingelieferte Probe durch mehrere Jahre in ihrer Wetterbeständigkeit sich bewährt hatte. Eine praktische Anwendung in größerem Maßstabe hatte das Verfahren schon vorher bei der Villa Abel in der Colonie Wannsee bei Potsdam gefunden, an welcher alle horizontalen Gesimse, die Fenstereinfassungen und mehrere Ornamente nach der Ambroselli'schen Methode |566| geputzt worden sind. Auch an dieser, dem scharfen Einflusse der Witterung ausgesetzten Stelle soll sich der Putz nach jeder Richtung hin bereits durch zwei Winter bewährt haben.

Als Grundbedingungen zur Herstellung seines Putzes bezeichnet Ambroselli (Deutsche Bauzeitung, 1875 S. 13): 1) Das Mauerwerk, auf welchem der Putz aufgetragen werden soll, muß aus festen, mergelfreien und gut gebrannten Ziegeln gefertigt und in seiner ganzen Stärke vollkommen ausgetrocknet sein; 2) der zur Verwendung kommende Kalk und Sand muß durch besondere Reinigung von allen Bestandtheilen vollkommen befreit werden; 3) es müssen drei verschiedene Sorten von Mörtel Anwendung finden, zu deren Bereitung drei verschiedene Sandarten benützt werden; 4) das zu verputzende Mauerwerk muß vor dem Bewerfen mehrmals mit reinem Wasser (am besten mittels einer Brause) stark angenetzt werden.

Die folgende Schilderung des Verfahrens bezieht sich auf die schwierigste und complicirteste Anwendung desselben zur Herstellung von Façadengesimsen, welche Sandsteingesimse imitiren. Es ist erforderlich, daß die Vormauerung derselben dem Profile möglichst genau entspreche, damit der Putz nicht in zu großer und ungleicher Dicke aufgetragen zu werden braucht.

Der Mörtel Nr. 1 wird zusammengesetzt aus einem Dritttheil gut gelöschtem Kalk, welcher mindestens 14 Tage vorher gelöscht sein muß, und zwei Dritttheile des schärfsten Sandes. Nachdem die Masse auf das innigste durchrührt ist, setzt man ihr vor dem Bewurfe noch 0,25 ihres Volumens an unverdorbenem Portlandcement zu. Der aufs Neue bis zu einem innigen Gemisch durchrührte Mörtel wird darauf im schlüpfrigen Zustande möglichst gleichmäßig angeworfen. Zur Vermeidung von Luftrissen dürfen die Mörtellagen nicht zu früh und nicht zu stark auf einander folgen, es muß stets ein gewisser Grad der Erstarrung des Mörtels eingetreten sein.

Hat man durch mehrmaliges Antragen dieser groben Mörtelmasse die Form des Profiles nahezu erreicht, so geht man zur Verwendung der (feineren) Masse Nr. 2 über. Dieselbe wird gemischt aus 2 Th. Kalk und 2 Th. feinerem Sand unter Zusatz von 0,12 Th. Portlandcement und von so viel der schon vorher aufgelösten und präparirten Farbe, daß der Mörtel nach inniger Durcheinanderrührung die Tönung zeigt, welche das Gesims im fertigen Zustande erhalten soll. Mit dieser, gleichfalls ziemlich schlüpfrig zu haltenden Masse wird man durch zwei Bewürfe das Profil schon in einer Weise hergestellt haben, welche für die meisten Fälle hinreicht.

Die für feinste Arbeit noch erforderliche Mörtelmasse Nr. 3 mischt man aus 1 Th. feinstem Sand, 1 Th. feingesiebtem Kalk, 0,05 Th. feingesiebtem Cement und soviel der vorher fertig gestellten, durch vorangegangene Proben ermittelten Farbe, daß das Gesims im trockenen Zustande den gewünschten Ton zeigt. Die innigste Durcheinanderrührung ist selbstverständlich auch hierbei erforderlich. Durch zwei Bewürfe mit diesem Mörtel wird eine geschickte Hand das Gesims in größter Eleganz zur Vollendung bringen.

Eine Hauptbedingung bei Herstellung dieses Putzes ist es, die Arbeit wenn möglich in sich selbst begrenzende Tagewerke zu theilen, da jedes angefangene Stück noch an demselben Tage vollständig fertig zu stellen ist und ein Nachputzen auf keiner Stelle stattfinden darf. Ebenso muß das Zusammenputzen der Gesimse an den Ecken und in den Winkeln mit großer Geschicklichkeit und äußerst schnell geschehen, wenn nicht die Arbeit durch Flecke verdorben werden soll.

Mit sauber gearbeiteten Schablonen von hartem Holz, die mit Eisen beschlagen sind, lassen sich schon sehr saubere Gesimse anfertigen; die höchste Eleganz ist jedoch nur mit Schablonen aus polirten (5 Mm. starken) Stahlplatten zu erzielen, mit denen man in oben beschriebener Weise Gesimse in natürlicher Politur herstellen kann, welche gegen alle Einflüsse der Witterung unempfindlich sind und für alle Zeiten ein stets neues und frisches Ansehen bewahren.

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