Titel: Ueber die Herstellung guter Gold- und Silbertinten; von C. H. Viedt in Braunschweig.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 567)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi06_12

Ueber die Herstellung guter Gold- und Silbertinten; von C. H. Viedt in Braunschweig.

Sehr selten trifft man im Handel feurige Gold-, Silber- und Bronzetinten an; sie sind fast stets von matter Farbe (die Tinte „tödtet“), fließen sehr schwer aus der Feder und liefern eine „backige“, klebend bleibende Schrift. Architekten und Künstler ziehen deshalb meist Muschelgold und Muschelsilber den entsprechenden Tinten vor; indeß bieten letztere eine so viel leichtere und sichere Handhabung, daß eine nähere Besprechung derselben wohl am Platze sein dürfte.

Zur Goldtinte verwendet man am besten, aber des theueren Preises halber selten, echtes Blattgold, zuweilen Musivgold (Schwefelzinn) oder Jodblei, fast stets unechtes Blattgold (Goldschaum). Bei dem verhältnißmäßig billigen Preise des Silbers gebraucht man zu Silbertinten echtes Blattsilber, weniger gut und seltener unechtes Blattsilber (Silberschaum) oder Musivsilber; zu anderen Metalltinten dienen die käuflichen Bronzepulver. Die echten wie die unechten Blattmetalle werden außer in Blattform auch als fein zerriebenes Pulver in den Handel gebracht; man verfertigt sie aus den Abfällen (Schawine) der Goldschlägereien durch Zerreiben in Metallsieben zu unfühlbar feinem Pulver.

In Folge des Schlagens zwischen den Goldschlägerhäutchen, haften der Schawine Fettbestandtheile und sonstige Verunreinigungen an, welche vor der Verwendung zu Tinte zu entfernen sind. Dazu zerreibt man die ganzen Blätter oder die käuflichen Bronzepulver mit wenig Honig (so daß ein dünner Brei entsteht) auf einer Glas- oder Porphyrplatte mit einem Pistill so sorgfältig wie möglich, da die Schönheit der Tinte wesentlich davon abhängt. Den fein zerriebenen Schlamm spült man in ein dünnwandiges Becherglas, kocht in mit etwas Alkali versetztem Wasser längere Zeit unter öfterem Umrühren, läßt absitzen, decantirt, wäscht gut mit heißem Wasser aus und trocknet bei gelinder Wärme. Durch Ansieden dieses Pulvers mit Schwefelsäure, Salzsäure oder Salpetersäure haltigem Wasser kann man ihm verschiedene Nüancen geben.

Nun vermischt man eine Lösung von 1 Th. weißem Gummi arabicum in 4 Th. destillirtem Wasser mit 1 Th. Kaliwasserglas und zerreibt dieselbe mit der erforderlichen Menge des gereinigten Metallpulvers. Goldtinten vertragen mehr Flüssigkeit als Silbertinten, da Gold weit stärker deckt; auf rauhem Papier ist mehr Metall nöthig als auf satinirtem, auf hellem mehr als auf dunklem, um die Farbe der Tinte gleich intensiv erscheinen zu lassen. Im Allgemeinen genügt 1 Th. der Blattmetalle auf 3 bis 4 Th. obiger Flüssigkeit. Bereitet man die Tinte in größeren Mengen, so gebrauche man zum Umfüllen in kleinere Gläser als Vorrathsgefäß eine niedrige Porzellanmensur und rühre stets kräftig um, damit die Tinte immer gut gemischt bleibt. Auch beim Gebrauche derselben ist ein häufiges Umrühren erforderlich. Am besten mengt man das trockene Pulver erst unmittelbar vor dem Gebrauche mit der Flüssigkeit an. Die Tinte läßt sich mit der gewöhnlichen Stahlfeder auftragen und fließt bei langsamem Schreiben sehr gut; besser trägt man sie aber mit dem Pinsel auf.

Einen Hauptwerth lege ich hierbei auf die Anwendung des Wasserglases; dasselbe hebt sehr den metallischen Glanz der Tinte auf dem Papiere (es verhindert das sogen. „Tödten“ der Tinte), schützt die Schrift vor dem Mißfarbigwerden durch den Einfluß der Atmosphäre, und verhindert das allzutiefe Eindringen in die Papierporen, ohne die Tinte gar zu schwerflüssig zu machen. Obgleich die Schrift schon an und für sich hohen Metallglanz besitzt, kann man denselben durch schwaches Poliren mit dem Polirstahl noch erhöhen. Die betreffenden Tinten aus Musivgold und Silber, Jodblei etc., sind weitaus nicht so schön.

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