Titel: Temperatur im Innern der Erde; von W. Thomson.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 215 (S. 567–568)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj215/ar215mi06_13
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Temperatur im Innern der Erde; von W. Thomson.

Bezüglich der Temperaturverhältnisse in verschiedenen Tiefen der Erde wurden kürzlich zu Edinburg Versuche mit mehreren Felsarten angestellt. Das Gestein bestand aus Sandstein, Trapp und Sand und die Tiefen betrugen 3, 6, 12 und 24 Par. Fuß. Es stellte sich heraus, daß die Temperaturschwankungen zu beiden Seiten des Mittelwerthes bei 3 Fuß (0,975 M.) Tiefe 7,14° Fahr. (3,97° C.), bei 24 Fuß Tiefe 0,64° Fahr. (0,36° C.) betrugen. Die auf den Grund dieser Beobachtungen construirten Curven zeigten eine Phasenverzögerung, indem die Perioden der Maxima und Minima bei den verschiedenen Tiefen später eintrafen, so daß, wenn man bei 3 Fuß Tiefe bereits Wintertemperatur hatte, bei 24 Fuß Tiefe noch die Sommertemperatur herrschte. Bei dieser Gelegenheit wurde das Wärmeleitungsvermögen des Sandsteins zu 784, des Trapps zu 267 und des Sandes zu 295 gefunden. Die Regel, daß die Temperatur der Erde im Allgemeinen für je 50 Fuß Tiefe um 1° Fahr, zunimmt, erlitt bedeutende Abweichungen, indem die Temperaturzunahme, offenbar in Folge vulkanischen Einflusses, eine raschere ist. Nimmt man an, die Erde habe sich einst in geschmolzenem Zustande befunden, so könnte nach dem Ergebniß der in Rede stehenden Beobachtungen ein solcher Zustand nicht weiter als ungefähr 400 Millionen Jahre zurückverlegt werden. Wollte man annehmen, die Erde sei vor 1000 Millionen Jahren weißglühend gewesen, so würde sie gegenwärtig an ihrer Oberfläche weit kälter sein, als sie wirklich ist. (Iron, Februar 1875 S. 236.)

P.

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