Titel: Drahtseil-Straßenbahn.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 216/Miszelle 2 (S. 186)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj216/mi216mi02_2

Drahtseil-Straßenbahn.

In San Francisco (Californien) steht seit nahezu zwei Jahren eine eigenthümliche Beförderungsmethode im Betriebe, welche sich bis jetzt (nach dem Scientific American, April 1875 S. 239) vollkommen gut bewährt hat und in vielen Fällen, wo bei Straßenbahnen größere Steigungen vorkommen, empfehlenswerth sein dürfte. Es befindet sich nämlich dort in der Trace einer mit Pferden betriebenen Straßenbahn eine unvermeidliche Strecke von ca. 1000 Meter mit einer mittleren Steigung von 1:9, und einer Maximalsteigung von 1:6, welche mit Straßenlocomotiven überhaupt nicht zu bewältigen wäre, die Pferde aber aufs äußerste anstrengen und abnützen müßte. Um dieses zu vermeiden, wurde nach A. S. Hallidie's Patent eine Drahtseilbeförderung angewendet, bei welcher das Förderseil vollständig geschützt unter der Straße liegt und den gewöhnlichen Verkehr nicht im geringsten beeinträchtigt. Sobald die von Pferden gezogenen Waggons an die Steigung kommen, wird ein kleiner Wagen, der mit einem starken Arm durch einen Schlitz in das Schutzrohr des Drahtseiles hinabreicht, vorgespannt, und mittels eines besonderen Mechanismus an das Seil festgeklemmt, worauf dann, nachdem das Förderseil (mit etwa 1,8 M. pro Secunde) fortwährend in Bewegung gehalten wird, der Vorspannwagen sowie der angehängte Personenwagen nach aufwärts gezogen werden, bis die Höhe erreicht ist und dann wieder die Weiterbeförderung mit Pferden geschieht. Das Förderseil besteht aus Stahldraht, hat 25,4 Mm. Durchmesser und im Ganzen 2070 Meter Länge. Es ist in einem eisernen Schutzrohr von ca. 700 Mm. Durchmesser eingeschlossen und in Distanzen von je 13 Meter auf Rollen von 300 Mm. Durchmesser unterstützt. Die erforderliche Betriebskraft beträgt 30 Pferdestärken, und die gesammten Erhaltungskosten, inclusive Verzinsung des Anlagecapitals, werden mit 123 Dollars (529 Mark) pro Tag angegeben.

Fr.

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