Titel: Dißton's Hilfsapparate für Holzbearbeitung.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 274–279)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217078

Hilfsapparate für Holzbearbeitung; von Henry Disston und Söhne.

Mit Abbildungen in, Text und auf Taf. E.

Soll irgend eine Werkzeugmaschine in Bezug auf Quantität und Qualität der Lieferung ein möglichst gutes Resultat ergeben, so ist außer zweckentsprechender Construction der Maschine selbst die nächste Bedingung die, daß die arbeitenden Schneidwerkzeuge im besten Stande sind und erhalten werden. Für das letztere machen sich dann allerhand Hilfsvorrichtungen nöthig, und diesen wird namentlich auch in den Vereinigten Staaten Nordamerikas besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Es liegt uns nun ein Schriftchen der bedeutenden Fabrik von Henry Dißton und Söhne in Philadelphia vor (in Europa vertreten durch C. S. Larrabee in Mainz), welches namentlich Mittheilungen über die von der Firma gelieferten Apparate etc. zur Instandhaltung der Sägen enthält. Auf Grund dieses Schriftchens ist das Nachstehende bearbeitet. (Deutsche Industriezeitung, 1875 S. 193 ff.)

Wenn es bei einer Kreissäge als erste Bedingung für leichtes Schneiden bei möglichst geringer Betriebskraft gefordert werden muß, daß die Welle gut gelagert sei und die Sägenscheibe in Folge untadelhafter Beschaffenheit der Bundringe oder Flanschen (welche am besten etwas hohl auszudrehen sind, damit sie nur am äußersten Umfang das Sägeblatt fassen) vollkommen centrisch läuft und eine genau ebene Fläche bildet, so ist als zweite Bedingung die richtige Form und Schärfe der Zähne hinzustellen.

Als Werkzeuge zur Herstellung der zweckentsprechenden Form sind zunächst, soweit es sich darum handelt, die Schnittfuge etwas breiter zu machen, als die Sägeblattdicke beträgt, zu erwähnen die Schränkeisen und die Setz- oder Staucheisen.

Von Schränkeisen liefert die genannte Firma verschiedene Constructionen; das Sampson'sche Schränkeisen (Fig. I) besteht aus zwei mit Handgriffen versehenen Gußstahltheilen, welche durch ein kräftiges |275| Scharnier zusammenhängen und vermöge der Vorsprünge an jedem Scharniertheile auf der einen Seite eine Art Zange bilden, deren Oeffnung entsprechend der Sägeblattdicke beliebig weit durch die auf der anderen Seite befindliche Setzschraube eingestellt werden kann. Während man bei dem erwähnten Instrument beide Hände zum Anfassen verwenden kann und es sich deshalb wohl vorzugsweise für stärkere Sägeblätter eignet, außerdem auch die Möglichkeit gegeben ist, ohne Umspannen der Säge abwechselnd nach rechts und nach links zu schränken, ist bei dem in Fig. II dargestellten „Bully-Boy“-Schränkeisen blos ein mit Handgriff versehener Schenkel vorhanden und an dessen Stirnende ein durch eine Druckschraube zu bewegender Schieber angebracht, dessen Innenfläche gemeinschaftlich mit der Schenkelstirnfläche das Maul der Zange darstellt, zwischen welche man den zu schränkenden Zahn fassen kann.

Wird bei diesen beiden Schränkeisen eine ziemliche Geschicklichkeit des Arbeiters vorausgesetzt, damit ein Zahn so viel geschränkt werde wie der andere, so gewährt das Regulirschränkeisen (Fig. III) die Annehmlichkeit, den Arbeiter in der Erreichung der zu wünschenden Gleichmäßigkeit etwas zu unterstützen. Hier ist das Maul zwar nicht der Sägeblattstärke entsprechend zu verengern und zu erweitern; es ist aber in der Spaltenöffnung ein stellbarer Schieber angebracht, welcher veranlaßt, daß man das Instrument immer nur bis zu gleicher Tiefe auf die Zähne aufsetzen kann, und außerdem geben die beiden Setzschrauben einen Anschlag ab, so daß die Stärke der Seitenabbiegung für alle Zähne gleich groß bemessen werden kann. Das Instrument ist außerdem so gestaltet, daß sich dessen eine Langseite als Lineal benützen läßt, um, nachdem man die Stellschraube A eingestellt hat, dieses Lineal an die Sägenfläche anlegen und prüfen zu können, ob alle Zahnspitzen gleich viel vor der Sägeblattfläche vorstehen. Da es trotz aller angewendeten Sorgfalt beim Schränken doch immer vorkommen wird, daß einzelne Zahnspitzen etwas mehr als die anderen aus der Sägeblattfläche vorstehen, so benützt man auch die Seitenfeile (Fig. IV), um solche Spitzen wegzuschaffen. Das Instrument besteht aus einer mit mehreren Stellschrauben B versehenen Platte, in welcher ein Stück flache Feile eingespannt ist. Die Schrauben werden so eingestellt, daß, wenn man sie gegen das Sägeblatt stützt, die Feile die normalen Zahnspitzen gerade berührt, stehen dann einzelne Spitzen mehr vor, so reibt man das mit zwei Vorsprüngen A zum bequemen Anfassen versehene Instrument unter beständigem Andrücken gegen das Blatt so lange hin und her, bis die Feile diese Spitzen so weit abgearbeitet hat, daß alle Stellschrauben anliegen und die Feile nun nicht mehr greift. Um die abgenützten Spitzen der Sägenzähne wieder in |276| Ordnung zu bringen, ohne zu viel feilen zu müssen und ohne die Säge dadurch zu verkleinern, sowie um gleichzeitig den Stahl dichter und fester zu machen, wendet man Stauch- oder Setzeisen an. Ein solches besteht aus einem Stahlstück mit einem V-förmigen Einschnitt, welcher letztere der Form der Sägenspitze entspricht; wird er auf letztere aufgesetzt und auf das andere Ende des Instrumentes mit dem Hammer geschlagen, so wird unter Verdichtung des Stahles die Spitze des Zahnes die Form des Einschnittes annehmen müssen. Das in Fig. V dargestellte Stauchinstrument ist insofern vervollkommnet, als es zwei solche Einschnitte besitzt; der untere ist an den Seitenflächen etwas abgerundet, so daß, wenn dieser Einschnitt zuerst verwendet wird, die Zahnspitzenflanken sich etwas hohl ausarbeiten müssen (wie bei H sichtbar); der andere Einschnitt ist ebenflächig, und es wird bei Verwendung desselben die vorher hohl gemachte Zahnflanke gerade gedrückt, also etwas verbreitert (wie bei G ersichtlich). Uebrigens ist die tiefste Stelle des Einschnittes durch einen von einem gebohrten Loch begrenzten Sägenschnitt verlängert; dadurch ist es möglich, daß das Härtemittel in den Schlitzen frei circuliren kann und der Theil möglichst vollständig gehärtet wird, bei welchem es am nöthigsten ist. Der geschlitzte Theil des Instrumentes ist noch von einem aufgesteckten Ring umgeben, damit er nicht so leicht beim Gebrauch zerspringt.

Was die übrige Gestalt eines Sägenzahnes betrifft, die sich meist als ein spitzwinkeliges Dreieck betrachten läßt, so soll nach Dißton beim Schärfen immer so verfahren werden, daß man nie oder wenigstens so gut wie gar nicht den Rücken eines solchen Zahnes befeilt, sondern blos den Theil unterhalb der Spitze, um die Säge möglichst zu schonen, indem auf diese Weise sich die Größe eines Sägenblattes am wenigsten verkleinert. Die Spitze eines Zahnes sollte nicht durch bloßes Feilen scharf hergestellt werden, sondern mehr durch Anwendung des obigen Setzeisens, worauf der Feile wenig zu thun übrig bleibt. Damit überhaupt nicht zu viel zu feilen ist und auch die Späne besser Platz finden, soll nach Dißton der Zahn die Form nach Fig. VI bekommen, bei welcher sich unterhalb der Zahnspitze eine kreisförmige Aushöhlung, die Spänekammer, vorfindet. Hat sich hier die Spitze A abgenützt, so erfolgt das Nacharbeiten blos in der Richtung AC und gelegentlich wird die Spänekammer nach und nach weiter ausgetieft.

Das Nacharbeiten in der angegebenen Richtung AC kann entweder durch Hand mit der Feile erfolgen, oder es kann auf der gewöhnlichen Sägenschärfmaschine mit Schmirgelscheibe geschehen. Diese letztere Vorrichtung fertigt Dißton so an, daß sie unmittelbar über einer Kreissäge |277| an der Decke angehängt werden kann und man das Sägeblatt zu bearbeiten im Stande ist, ohne es von der Welle abzunehmen. Wie aus der Abbildung in Figur VII zu ersehen ist, hängt von der Welle des an der Decke befestigten, die Antriebsriemenscheiben und eine Schnurscheibe enthaltenden Vorgeleges ein beliebig zu verlängernder, beweglicher Arm D herab, der unten wieder eine Gabel hat, um die Achse eines drehbaren und durch Gegengewicht balancirten Rahmens aufzunehmen. Dieser Rahmen enthält an dem vorderen Theil wieder einen anderen, um eine gegen die obige senkrechte Achse drehbaren und beliebig schräg einzustellenden Rahmen C, in welchem das Wellchen der Schmirgelscheibe A eingelagert ist. Mittels eines Handgriffes B läßt sich der bewegliche Rahmen so leiten, daß die durch die Schnur umgetriebene Schmirgelscheibe in der gewünschten Richtung an der zu bearbeitenden Zahnflanke hinstreicht. Wird das Instrument nicht gebraucht so kann man den beweglichen Arm D aufheben und einstweilen an der Decke anhängen.

Ein öfteres Nacharbeiten der schneidenden Zahnfläche hat natürlich zur Folge, daß die Spänekammer nach und nach seichter wird und alsdann nachgetieft werden muß. Dies geschieht mittels einer besonderen Auskehlmaschine (chambering machine), die mit einer kleinen cylindrischen oder vielmehr polygonalen Fräse arbeitet. Es besteht diese Maschine (Fig. VIII) aus einem Bügelgestell A, welches sich durch die Schrauben B an der Säge festklemmen läßt und sich dann in der jedesmaligen richtigen Stellung befindet, wenn die Setzschrauben C sich auf den Zahnrücken und die stellbare Lehre D sich in die Kammer des zuletzt ausgefrästen Zahnes einsetzt. Das in einem beweglichen Schieber gelagerte, durch Rädervorgelege und Handkurbel umzudrehende Fräserrädchen 3 wird dann in dem Maße, als es die Kammerhöhlung austieft, durch eine Schraube G vorwärts geschoben und zwar zur Einhaltung der gleich großen Zahntheilung so weit, bis die Regulirmuttern E an dem Gestell antreffen. (In der Abbildung arbeitet die Maschine am Zahn 5; bei dem Sägezahn 4 ist die Kammerhöhlung bereits ausgetieft, bei Zahn 3 dagegen noch nicht.)

Die Maschine wird je nach dem Zwecke, ob man Gattersägen oder Kreissägen auszukehlen hat, in verschiedenen Formen ausgeführt; so ist z.B. bei der Einrichtung für Gattersägen (Fig. IX) zur Einhaltung der gleichmäßigen Einkehlung der Tiefe noch ein Bügel C vorhanden, der sich auf den Zahnspitzen aufstellt, während bei der verbesserten Einrichtung für Kreissägen (Fig. X auf S. 278) sich ein stellbares Stück von anderer Form auf die Zahnspitze aufsetzt; bei letzterer Anordnung wird es eher möglich |278| sein, die gleiche Eintheilung der Zähne zu erhalten, als nach der zuerst beschriebenen Einrichtung in Fig. VIII.

Fig. X., Bd. 217, S. 278

Beim Arbeiten mit dieser Auskehlungsmaschine läßt man das Fräserrädchen stets blos trocken schneiden. Wird es stumpf, so kann es nachgeschliffen werden; hierzu dient eine einfache Vorrichtung (Fig. XI), bestehend aus einem Halter A, in welchem der Rahmen B mittels Scharnier drehbar und durch die Schraube E stellbar angebracht ist. Im Rahmen B wird das Fräserrädchen eingelagert, und eine Sperrfeder H verhindert dessen Drehung. Außerdem sind an A und B die Rollen D angebracht, mit denen das Instrument auf einen gewöhnlichen Schleifstein S angesetzt wird. Dieser schleift von der jedes Mal sich ihm darbietenden Fräserzahnfläche so viel ab, bis alle

|Tab. E.|
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drei Rollen D am Stein anliegen, welche Quantität durch die Schrauben E regulirbar ist, und nachdem ein Zahn so geschliffen ist, werden der Reihe nach die anderen vorgenommen, die natürlich hierbei alle gleiche Höhe bekommen.

Augenscheinlich sind die meisten der hier beschriebenen Vorrichtungen vorzugsweise für größere und stärkere Sägen anwendbar, wie sie in Amerika bei den disponiblen stärkeren Hölzern erforderlich sind. Erwähnen wollen wir noch, daß deren Verfertiger, Henry Dißton and Sons in Philadelphia, auch besondere Feilen liefern, die speciell zum richtigen Bearbeiten der Sägenzähne eingerichtet sind. Es ist nämlich parallel zur Feilenfläche eine Führungsstange daran angebracht, und an das nachzuarbeitende Sägenblatt wird ein Apparat angeschraubt, in welchem sich jene Führungsstange entsprechend der gewünschten Richtung der Feile bewegen kann, so daß auch ein weniger geübter Arbeiter alsdann die Zähne immer unter dem richtigen Winkel und nach der richtigen Gestalt bearbeiten wird.

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