Titel: Automatisches elektrisches Signal für Eisenbahnwärter an Barrieren; von Tesse und Lartigue.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 78–79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi01_02

Automatisches elektrisches Signal für Eisenbahnwärter an Barrieren; von Tesse und Lartigue.

Die französische Nordbahn hat bei Maubeuge und Douai Niveau-Uebergänge, welche so liegen, daß der Schlagwärter den kommenden Zug nicht so zeitig sehen oder hören kann, daß ihm Zeit genug zum Schließen der Barriere bleibt. Die Nordbahngesellschaft hat für diese Uebergänge automatische elektrische Signale angewendet, welche von ihren Telegraphen-Controloren Tesse und Lartigue angegeben wurden.

In einer Entfernung von etwa 2km vom Uebergange drücken die Spurkränze der Räder einen Hebel nieder, welcher eine Batterie durch einen beim Schlagwärter befindlichen Wecker hindurch schließt und so den Wecker ertönen läßt. Jener Hebel nimmt nämlich einen zweiten Hebel mit nieder, welcher eine am unteren Ende eines Blasbalges befindliche, mit einer Telegraphenleitung verbundene metallene Contactfeder auf deren zur Erde abgeleiteten Contact auflegt, den Blasbalg aber zugleich aufzieht und mit Luft füllt. Während daher jener erste Hebel sehr schnell niedergeht, kann er sich nur langsam wieder heben, weil die Luft nicht so schnell aus dem Blasbalge wieder entweichen kann. Deshalb bleibt die Batterie eine ziemlich lange Zeit durch den Contact geschlossen; der eine Batteriepol ist nämlich durch die liegenden Elektromagnetspulen des Weckers hindurch mit dessen aufrechtstehendem Ankerhebel verbunden, welcher sich in seiner Ruhelage an eine Contactfeder f anlegt, von ihr aber entfernt, sobald der Anker angezogen wird; diese Contactfeder f sitzt an einem Ständer, von welchem ein Draht zur Telegraphenleitung geführt ist; der zweite Pol der Batterie ist zugleich mit der Erde und mit einem zweiten Ständer verbunden, welcher einen kleinen horizontalliegenden Contacthebel trägt, letzterer aber ruht auf einer isolirten Nase am Ankerhebel, so lange der Anker nicht angezogen ist, schnappt dagegen, sobald der Anker angezogen wird, vom Ankerhebel ab und legt sich mit einer Feder auf den unter dem Contacthebel stehenden, die Contactfeder f tragenden Ständer auf.

Drückt ein Wagenrad den ersten Hebel nieder und bringt durch den zweiten und die an diesem befindliche Contactvorrichtung die Telegraphenleitung in leitende Verbindung mit der Erde, so ist der Stromkreis der Batterie geschlossen, der Anker des Weckerelektromagnetes wird angezogen, der Ankerhebel gibt einen Schlag an die Glocke, und der Contacthebel schnappt von der Nase des Ankerhebels ab, um sich mit seiner Feder auf den die Contactfeder t tragenden Ständer aufzulegen. Durch die Anziehung des Ankers ist der erste Stromkreis unterbrochen, der Ankerhebel geht daher in die Ruhelage zurück und schließt in dieser die Batterie auf einem neuen und kürzeren Wege unter Mitwirkung der Feder am Contacthebel. Sollte daher auch inzwischen der vom Rade niedergedrückte Hebel wieder emporgegangen und der dadurch hergestellte Contact wieder unterbrochen worden sein, so wird der elektrische Wecker doch fortläuten, bis der Schlagwärter den Contacthebel wieder auf der Nase des Ankerhebels fangt.

Der Hebel, auf welchen die Räder wirken, ist heftigen, plötzlichen Stößen ausgesetzt; er muß daher mit besonderer Sorgfalt gelegt und befestigt werden, wenn das |79| Ganze zuverlässig arbeiten soll. Man kann ihn vielleicht besser durch einen Reibungscontact ersetzen, wie er bei der automatischen Pfeife von Lartigue und Forest (vergl. 1874 313 356) angewendet wird. (Nach den Annales télégraphiques, Bd. 2 S. 124.)

E–e.

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