Titel: Ueber xanthogensaures Kalium als Mittel gegen Phylloxera; von Th. Zöller und E. A. Grete.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 79)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi01_04

Ueber xanthogensaures Kalium als Mittel gegen Phylloxera; von Th. Zöller und E. A. Grete.

Dumas hat jüngsthin der Pariser Akademie die Mittheilung gemacht, daß das Kaliumsulfocarbonat, dem Boden einverleibt, Schwefelwasserstoff und Schwefelkohlenstoff entwickelt. Nach allen früheren Versuchen ist aber der Schwefelkohlenstoff das einzig wirksame Mittel gegen die Phylloxera. Die in den französischen Versuchen beobachtete große Wirksamkeit des Kaliumsulfocarbonates, gegenüber dem fertigen Schwefelkohlenstoff, ist natürlich und auf die leichte Verbreitbarkeit dieses so löslichen Salzes im Boden zurückzuführen, da hierdurch um alle Bodentheilchen eine Atmosphäre von Schwefelkohlenstoff sich lagert.

Dem gleichzeitig auftretenden Schwefelwasserstoff mißt Dumas keine schädliche Wirkung für die Weinstöcke bei, obgleich zahlreiche Versuche ergaben, daß dieses Gas häufig genug geradezu tödtlich auf die Pflanzenwurzeln wirkt. Wahrscheinlich liegt der Grund, weshalb Dumas eine schädliche Beeinflussung nicht beobachtete, darin, daß der Sauerstoff des Bodens den Schwefelwasserstoff ziemlich rasch zerstört.

Versuche, welche im chemischen Laboratorium der Hochschule für Bodencultur in Wien von den Verfassern unternommen wurden, bestätigen das von Dumas ausgegebene Verhalten des Kaliumsulfocarbonates; allein sie führen auch zur Kenntniß einer anderen Verbindung, welche im Boden gleichfalls den phylloxeratödtenden Schwefelkohlenstoff ohne den für die Pflanze giftigen Schwefelwasserstoff entwickelt.

Während außerdem das Kaliumsulfocarbonat schwierig darstellbar ist und in Folge dessen sein Preis sich sehr hoch stellt, ist die von den Verf. in Anwendung gebrachte Verbindung mit Leichtigkeit vollkommen rein und sehr billig zu erhalten. Die fragliche Verbindung ist das xanthogensaure Kalium.

Kommt dieses Salz in wässeriger Lösung mit dem Boden in Berührung, so tritt nach einiger Zeit reiner Schwefelkohlenstoff auf. Rascher und intensiver geschieht dies, wenn das Salz mit Boden gemischt und dann Superphosphat zugefügt wird. Die nach der Befeuchtung beginnende Schwefelkohlenstoff-Entwickelung dauert je nach der Menge des Salzes tagelang. Am zweckmäßigsten ist es daher, das Salz in Verbindung mit Superphosphat anzuwenden, und zwar kann die Mischung von xanthogensaurem Kalium, Erde und Superphosphat im trockenen Zustande ausgestreut oder viel besser untergebracht werden.

Die atmosphärischen Niederschläge bewirken sodann die Umsetzung, wobei gleichzeitig die Weinstöcke zu ihrer Kräftigung eine Kali- und Phosphorsäurequelle im Boden finden. (Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 1875 S. 802).

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