Titel: Elektromagnete mit röhrenförmigem Kerne.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 155–156)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi02_06

Elektromagnete mit röhrenförmigem Kerne.

Der Amerikaner Camacho ersetzt in den Hufeisen-Elektromagneten die massiven Eisenkerne durch stielförmig mit einander verbundene Eisenröhren. Er mußte so, ähnlich wie Jamin bei seinen Blätter-Magneten, die Wirkung der mittleren Theile verstärken und kräftigere Magnete erhalten. Bei dem Probe-Elektromagnete enthielt jeder Schenkel 4 concentrische Röhren; die 3 inneren hatten nur 2 Lagen Kupferdraht, die äußerste dagegen 7. Der Draht hatte 600m Gesammtlänge, war 1mm,8 dick und wog 13k,500. Durch den Strom von 10 Bunsen'schen Elementen von 0m,25 Länge zog dieser Elektromagnet 713k aus 1mm,5 Entfernung an; seine Tragkraft soll 3000k betragen. Camacho hat besonders die Verwendung seiner Elektromagnete bei elektro-magnetischen Maschinen im Auge und behauptet in Amerika eine solche als Motor auf einer Pferdebahn benützt zu haben.

Ein anderer Amerikaner Stearns * hat eine ähnliche Einrichtung (mit drei Röhren) angegeben, nur verbindet er jedes Ende der Röhren durch eine eiserne Scheibe, während Camacho die Röhren frei läßt.

Wenn Camacho auch einen Elektromagnet hergestellt hat, welcher bei gleichem Raum eine größere Anziehungskraft besitzt, so wird dies doch auf Kosten des Zinkverbrauches in der Batterie geschehen, sein Elektromagnet also vom ökonomischen Gesichtspunkte keine Vorzüge besitzen. Wie unsere Quelle durch Zahlen belegt, welche sie |156| einem Werkchen von Leroux entnimmt (Les machines magnéto-électriques françaises et l'application de l'électricité à l'éclairage: Paris 1868), ist die durch Oxydation des Zinkes in den Batterien erzeugte Wärme und mechanische Leistung noch immer viel theurer als die durch Verbrennen der Kohle erzeugte, ganz abgesehen davon, daß das Zink beim Auflösen in Schwefelsäure 5 1/2mal weniger Wärme erzeugt, als bei seiner unmittelbaren Verbindung mit dem Sauerstoffe der Luft. Das 15mal theuere Zink liefert nämlich 14mal weniger Wärme als Kohle, seine Anwendung ist also 210mal theurer.

Am 1. März übergab Du Moncel der französischen Akademie in Folge einer Mittheilung Jamin's über die Elektromagnete von Camacho eine Note über ältere Versuche, welche er über die Anziehungskraft von Elektromagneten mit röhrenförmigem Kern (eine einzige Röhre) angestellt hatte. Bei den Elektromagneten, welche Du Moncel mit einander verglich, war die Anziehungskraft bei hohlem Kern nur 2/3 so groß wie bei massivem Kern. Bei den Elektromagneten von Camacho mit mehreren concentrischen, mit Kupferdraht bewickelten Röhren kann daher die Anziehung größer sein wie bei massivem Kern von gleicher Länge und von demselben äußeren Durchmesser. Führte Du Moncel in die 7cm lange und 2mm dicke Röhre von 14mm äußerem Durchmesser einen dieselbe genau ausfüllenden Cylinder ein, so erhielt er nahezu dieselbe Anziehung wie bei massivem Kern von derselben Länge und demselben äußeren Durchmesser. Schnitt er von dem Cylinder eine Platte von 5mm Dicke ab und schloß mit dieser wie mit einem Pfropfen die Röhre, so war die Anziehung nicht geringer als bei massivem Kern. Der Unterschied in der Anziehung bei massivem und hohlem Kern rührt also nur von der Größe der Polfläche her; gibt man dem hohlen die nämliche Polfläche, durch jenen dünnen Pfropfen, so zeigt er dieselbe Anziehung. Als Gegenversuch führte Du Moncel den Rest des Cylinders so ein, daß er 5mm vom freien Ende der Röhre abstand, und da war die Anziehung nicht größer wie bei hohlem Kern ohne Pfropfen.

Man darf daraus noch nicht auf einen von der an den freien Enden eingesetzten Bodenplatte herrührenden Vorzug der Elektromagnete von Stearns gegenüber denen von Camacho schließen, weil Du Moncel's Versuche sich nur auf aus einer einzigen Röhre bestehende Kerne erstreckten.

Als Du Moncel zur Vergrößerung der Polfläche am Ende der Röhre anstatt des Pfropfens einen dieselbe von außen umgebenden Ring ansetzte, verminderte sich die Anziehung etwas, und selbst mit gleichzeitig eingesetztem Propfen erhielt er nicht eine so große Anziehung wie bei massivem Kern. Wenn also bei mehreren Röhren die innerste im Verhältniß zur äußersten einen kleinen Durchmesser hat, so wird bei ihr die Verminderung der Anziehung durch den äußeren Ring die Vermehrung durch den inneren Propfen überwiegen, während bei der zweiten Röhre von außen herein die Verminderung von der Vermehrung übertroffen werden wird. (Nach der Revue industrielle, Januar 1875 S. 497 und März 1875 S. 79.)

E–e.

|155|

Die Priorität der Erfindung nimmt übrigens Perrin in Anspruch; vergl. Comptes rendus, Bd. 30 S. 1226.

D. Ref.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: