Titel: Die Telegraphie als Unterrichtsgegenstand an polytechnischen Schulen.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 156–157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi02_07

Die Telegraphie als Unterrichtsgegenstand an polytechnischen Schulen.

Bekanntlich hat die erst vor einigen Jahren errichtete Polytechnische Schule zu Aachen den Anfang damit gemacht, die Telegraphie unter die Zahl ihrer Unterrichtsgegenstände aufzunehmen. Die seit dem 1. Juli d. J. von William Crookes, Mitglied der Royal Society, in London herausgegebene Wochenschrift „The Electrical News and Telegraphic Reporter äußert sich aus Anlaß des ihm zugegangenen Programms der Aachener Polytechnischen Schule darüber folgendermaßen:

„Wir freuen uns, daß das Studium der Elektricität und der Anwendung derselben zur Telegraphie nicht übersehen ist. Unter Prof. Wüllner wird ein wöchentlich vierstündiger Kursus in Experimentalphysik abgehalten, welcher alle Zweige der Elektricitätslehre umfaßt. Einen dreistündigen Cursus über die mathematischen Grundlagen der Physik leitet ebenfalls Prof. Wüllner. Im Sommersemester gibt Dr. Winkelmann einen zweistündigen Cursus über die physikalischen Grundlagen der elektrischen Telegraphie, während im Wintersemester unter dem Telegrapheninspector Wark ein zweistündiger Cursus über praktische Telegraphie folgt. Letzterer bringt volle Unterweisung über die Anlage von Telegraphenleitungen zu Land und zur See, über die verschiedenen Apparate, ihren Gebrauch und ihre Vorzüge; zur Uebung für |157| die Studirenden stehen Apparate und Linien zur Verfügung. Interessant ist, daß das höchste zu zahlende Honorar für den ganzen Kursus vom 11. October bis 31. Juli für die größte Zahl von Stunden in den Lehrsälen oder Laboratorien nur 180 M. beträgt. Diese Wohlfeilheit ist aber nicht durch mangelnde Güte erkauft, denn die Professoren sind Männer von ausgezeichnetem Verdienste; auch sind alle Erfordernisse für das Studium, Bibliothek, Apparate, Sammlungen, Modelle u.s.w. ausgezeichnet. Hat England nichts daraus zu lernen?“

Es dürfte nicht unangemessen sein, die letzte Frage auch an die übrigen technischen Hochschulen Deutschlands zu richten. Eine planmäßige und gründliche theoretische Vorbildung dürfte unseren sich für den höheren Telegraphendienst vorbereitenden Ingenieuren sicher sehr nützlich und deshalb eine ihnen zur Erlangung einer solchen Ausbildung sich bietende günstige Gelegenheit gewiß ganz willkommen sein. Ebenso würde aber auch den Betriebsingenieuren unserer Eisenbahnen etwas mehr Vertrautheit mit der elektrischen Telegraphie und im Besonderen mit dem elektrischen Signalwesen keineswegs schaden.

J. Z–n.

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