Titel: Verfahren um Garne und Gewebe aus Baumwolle und Leinen ohne Indigo blau zu färben.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 157)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi02_08

Verfahren um Garne und Gewebe aus Baumwolle und Leinen ohne Indigo blau zu färben.

Die Garne und Gewebe werden – nach dem bayerischen Patent (27. Januar 1873) von Ludwig Wagner in Offenbach bei Landau – in bekannter Weise 1 bis 1 1/2 Stunden mit Sodalösung (wie stark?) gekocht, sofort, ohne zu waschen, mit verdünnter Salzsäure, 1/2l (à 20°?) auf 25k Garn, abgesäuert, dann gewaschen und getrocknet.

Als weitere Vorbereitung zum eigentlichen Färben folgt eine Traubenzuckerfabrikation im Kleinen. Kartoffelstärke wird 6 Stunden mit verdünnter Schwefelsäure (auf 100k Stärke 1/2k Säure – zu wie viel Grad und wie viel Wasser?) gekocht und nach dem Kochen mit Soda (auf 100k Stärke 1k Soda – calcinirte oder krystallisirte?) neutralisirt, bis blaues Lackmuspapier nicht mehr geröthet wird. Hierauf läßt man diese honigsüße, Traubenzucker enthaltende Flüssigkeit in einem Gefäß absitzen und nimmt von ihr 3l, welche folgendermaßen vertheilt werden.

In 1/2l kocht man 40g Weizenstärke und rührt noch warm hinein: 40g chlorsaures Kali. – Hinzu kalt, im zweiten

1/2l aufgelöst 808 salzsaures Anilin, 13g schwefelsaures Anilin;

endlich in den übrigen 2l werden 40g Chlorkupfer und 13g Kupfervitriol gelöst und zum Vorhergehenden gegeben.

Mit dieser in der angegebenen Concentration für Mittelblau passenden Beize behandelt man die Gewebe und Garne, und läßt sie 1 Stunde lang bedeckt liegen, worauf sie in den Oxydationsraum kommen bei 30° feuchter Wärme (wie viel Differenz am Hygrometer?). Nach 4 bis 5 Stunden, während welcher Zeit die Garne öfters umgehängt und umgeschlagen werden, sind dieselben ganz gleichmäßig oxydirt, worauf sie noch weitere 2 Stunden an einen feuchten kühlen Ort gelegt werden.

Hierauf kommt das Garn oder das Gewebe in eine kalte leichte Kalklauge, auf 25k Garn 1k Kalk 1/4 Stunde lang, worauf sich die blaue Farbe entwickelt; dann werden sie gewaschen und nach einander in verdünnter kalter Salzsäure (wie stark?) lauwarme Sodalösung und zuletzt mit einer Seifenlösung behandelt. (Nach dem bayerischen Industrie- und Gewerbeblatt, 1875 S. 151.)

Was die umständliche Behandlung mit Kalk, Säure und Soda betrifft, so ließe sich dieselbe wohl durch ein einfaches Sodabad ersetzen. Die Verdickung der Flotte mit Traubenzucker und Stärke soll vermuthlich gegen das ungleiche Anfallen und Entwickeln der Farbe gerichtet sein, ein Uebelstand, welcher allerdings einem derartigen verschwächten Anilinschwarz gern anhaftet. Aber es gibt für eine Färberei ein weit reinlicheres, glatteres und, wenn man richtig rechnet, sogar billigeres Verfahren, sich Traubenzucker zu verschaffen, nämlich sich denselben einfach zu kaufen. Nach unserer Ansicht sind solche Nebenfabrikationen in den Druckereien und Färbereien als Allotria zu betrachten und deshalb zu vermeiden. Endlich ist noch beizufügen, daß die Idee, wenn auch nicht nach diesem, so nach anderen Recepten, ein verschwächtes Anilinschwarz als Unterlage für Indigoblau zu verwenden, nicht neu, sondern theilweise schon in die Praxis übergegangen ist.

Kl.

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