Titel: Räucherpatronen zur Vertilgung von Feldmäusen; von Prof. Dr. J. Neßler.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 160)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi02_15

Räucherpatronen zur Vertilgung von Feldmäusen; von Prof. Dr. J. Neßler.

Die im vorigen Jahrgang 1874 212 80 angeführten, von Prof. Neßler zuerst angegebenen Räucherpatronen (Mäuseräucherer, Mäusezünder) haben sich in der Praxis derart bewährt, daß eine nähere Beschreibung der Darstellung derselben (nach dem Pharmaceutischen Centralanzeiger) gerechtfertigt erscheint.

12 Th. Kalisalpeter werden in 24 Th. heißem Wasser gelöst, mit 30 Th. Sägemehl, dann mit 7 Th. Steinkohlentheer gut gemischt, an der Luft getrocknet, mit Stärkekleister (etwa 10 Proc Stärke, 90 Proc. Wasser) zu einer Masse angemacht, zu Stückchen von 1cm Dicke und 3cm Länge geformt, gut getrocknet und mit geschmolzenem Schwefel bespritzt.

Bei guter Einrichtung lassen sich nun schnell und ohne sehr erhebliche Arbeitskosten große Mengen solcher Zünder anfertigen.

Sowohl das Mischen des Pulvers als das Anmachen der Masse geschieht am besten in einem Erdölfaß, durch welches der Längenachse nach ein starker eiserner Stab geht, der außerhalb des Fasses auf einem Lager ruht und ermöglicht, daß man das Faß mittels einer Kurbel um seine Längenachse drehen kann. Das Sägemehl wird nun auf dem Boden oder in einem Trog mit der Salpeterlösung und dem Theer etwas gemischt, dann durch ein geeignetes Thürchen in das Faß gefüllt, 10 bis 12 eiserne Kugeln von je etwa 1/2k Gewicht hinzu gethan und einige Zeit umgedreht. Die Mischung findet hier leicht und sehr gut statt. Nach kurzer Zeit wird das Faß entleert und die Mischung zum Trocknen ausgebreitet. In gleicher Weise findet auch die Mischung des Pulvers mit dem Kleister statt.

Das Formen der Stückchen kann von Hand geschehen. Viel rascher geht es aber in einer oben und unten offenen Form von Blech, die 19cm lang, und 18 1/2cm breit, 1cm hoch und durch Blechwände der Länge nach in 17 und der Breite nach in 6 Theile getheilt wird*. Die Form besteht also aus 102 länglichen Vierecken und hat an dem schmäleren äußeren Rand eine etwa 4cm breite Handhabe. Auf einem Stück Eichenholz werden nun die Längs- und Querstreifen der Form angezeichnet und dann mit einer etwas weit gestellten Säge eingesägt, oder es werden entsprechende Stückchen Holz auf einer Platte angenagelt, so daß auf derselben 102 Erhöhungen sind, welche in die Vierecke der Form passen. Zur Ausführung wird die Form auf ein glattes Blech gelegt und mit der Masse unter Eindrücken gefüllt; mit der Holzform wird die Masse noch verdichtet und dann herausgedrückt, indem man die Blechform hebt. Ein irgend geübter Arbeiter kann so mit Leichtigkeit in einer Stunde mehrere Tausend Stück Patronen machen.

Nach dem Trocknen werden die Stücke ausgebreitet und mittels eines Besens mit geschmolzenem Schwefel bespritzt.

|160|

Die Blechstreifen werden zusammengespannt, in entsprechender Entfernung zur Hälfte eingesägt, dann zusammengesteckt und gelöthet.

Suche im Journal   → Hilfe
Alternative Artikelansichten
  • XML
  • Textversion
    Dieser XML-Auszug (TEI P5) stellt die Grundlage für diesen Artikel.
  • BibTeX
Feedback

Art des Feedbacks:
Ihre E-Mail-Adresse:
Anmerkungen: