Titel: Vierfach gekuppelte Tenderlocomotive mit Truckgestell.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 248)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi03_01

Vierfach gekuppelte Tenderlocomotive mit Truckgestell.

Der Ingenieur Aliger suchte für sein System die Vorzüge zu erhalten, welche den modernen Gebirgslocomotiven von Meyer und Fairlie zukommen, ohne deren vielfache Nachtheile mit in den Kauf nehmen zu müssen. Besonders die Anwendung von vier Cylindern bei denselben macht nicht allein die Maschine in der Anschaffung und Erhaltung wesentlich theurer, sondern erweist sich auch, speciell in der Verbindung des beweglichen Cylinderpaares mit dem Kessel, als eine stete Quelle von Anständen.

Aus diesem Grunde haben daher auch diese neuartigen Locomotiven mit zwölf und mehr gekuppelten Rädern in den Staaten Europas, welche man als die Wiege des Eisenbahnbaues betrachten kann, so gut wie keine Verbreitung gefunden, während die schweren Achtkuppler, trotz ihres festen Radstandes, immer mehr auf Gebirgsstrecken zur Anwendung kommen. Es ist aber klar, daß die Construction eines Achtkupplers als Tenderlocomotive, sobald nur eine rationelle Anordnung beweglicher Achsen gefunden werden könnte, große Vortheile hätte, und darum verdient auch das neue System von C. Aliger einige Beachtung.

Derselbe lagert die beiden hinteren Achsen der Locomotive fest in dem Rahmen, an welchem auch, neben der Feuerkiste, die zwei Cylinder befestigt sind. Dieselben treiben direct die vorletzte Achse an mittels der in den Rädern angebrachten Kurbelzapfen, an welchen ferner in gewöhnlicher Weise die zu der Hinterachse führenden Kuppelstangen eingehängt sind. Weiters sind an einer Gegenkurbel die Excenter für die Außensteuerung angebracht. Um nun auf das vordere Achsenpaar, welches in einem Truckgestelle gelagert ist, die Bewegung zu übertragen, sind an die Zapfen der Treibräder, in Verlängerung der zur Hinterachse führenden Kuppelstangen, zwei Schubstangen von beträchtlicher Länge angelenkt, welche eine unterhalb der Rauchkammer in dem festen Rahmen lagernde Blindachse antreiben. Von dieser, welche in der Mitte ausgekröpft ist, geht mittels einer in Kugelzapfen gelagerten Stange die Bewegung auf die Mitte der vordersten, gleichfalls abgetropften Achse des Truckgestelles über, welche endlich durch außen an den Rädern angebrachte Kuppelstangen die hintere Achse des Truckgestelles antreibt. Dieselbe ist gleichfalls in der Mitte abgekröpft und durch eine in Kugelzapfen lagernde Kuppelstange mit der festgelagerten Treibachse verbunden.

Im Ganzen hat diese Maschine unter fünf Achsen (mit Einschluß der Blindachse) vier, welche zwischen den Lagern (allerdings nur einfach) abgekröpft sind, ferner 18 rotirende Stangenköpfe (gegen 10 bei gewöhnlichen Achtkupplern), von denen vier um Kugelzapfen laufen; es ist somit kaum anzunehmen, daß dieses in Frankreich, Belgien und Deutschland etc. patentirte System auch jemals wirklich ausgeführt wird. Aber die erzielte Beweglichkeit, die gute Vertheilung des Gewichtes und Ausbalancirung der rotirenden Massen verdienen alle Anerkennung, und es wäre wohl möglich, daß wir manchen Bestandtheilen dieser Anordnung bei späteren zur Ausführung gelangenden Systemen wieder begegnen. (Vergl. Revue industrielle, Juni 1875 S. 233)

G.

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