Titel: Haar-Treibriemen von C. H. Benecke in Hamburg.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 251–252)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi03_07

Haar-Treibriemen von C. H. Benecke in Hamburg.

Ueber die in jüngster Zeit in den Handel gekommenen Haar-Treibriemen sind nachstehende (freilich einander widersprechende) Urtheile zu verzeichnen.

Die Braunschweiger Maschinenbau-Anstalt (vorm. Fr. Seele und Comp.) in Braunschweig hat vergleichende Zerreißversuche mit Leder- und Haar-Treibriemen ausgeführt, deren Resultate in folgender Tabelle eingetragen sind.

Leder-Treibriemen Ausdehnung bei Belastung Zerreißgewicht
Nr. 1 von 52mm Breite 13mm 455k 455k
Nr. 2 „ 78 23 535 575
Nr. 3 „ 98 23 725 835
Haar-Treibriemen
Nr. 1 von 52mm Breite 29 775 855
Nr. 2 „ 78 39 1085 1120
Nr. 3 „ 98 29 1305 1320
|252|

In der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure, 1875 S. 164 und 391, theilt Haack, Besitzer der amerikanischen Gummifabrik in Mannheim, mit, daß er durch 4 Monate zwei Haar-Treibriemen von 75mm im Gebrauche hat, welche die Kraft von einer Riemenscheibe von 700mm Durchmesser mit 180 Touren pro Minute auf eine kleinere Scheibe von 100mm Durchmesser übertragen. Die beiden Haarriemen sind bis jetzt noch nicht kürzer gemacht worden, arbeiten viel ruhiger als Lederriemen, und zeigt sich, trotzdem die Riemen in einem Arbeitssaale mit vielem Staub und Feuchtigkeit laufen, beinahe keine Abnützung an denselben.

Lederriemen von den nämlichen Abmessungen auf denselben Riemenscheiben mußten dagegen häufig kürzer gemacht werden und waren während derselben Zeit zum Theil schon abgenützt. Haack empfiehlt daher die Benecke'schen Riemen allen Industriellen.

Im hessischen Gewerbeblatt, 1875 S. 189 theilen L. Stark und Comp. in Mainz mit, daß sie, veranlaßt durch die veröffentlichten Versuche über die Festigkeit von Haar- und Leder-Treibriemen, ersteres Fabrikat näher untersucht und beinahe gerade das Gegentheil von den Vortheilen gefunden hätten, welche den Haarriemen nachgerühmt werden.

1. Bei Zerreißungsversuchen, welche sie mit drei Stück Benecke'schen 52mm breiten, 5mm,5 dicken Haarriemen und mit drei Stück ihrer 50mm breiten und 5mm,5 dicken Lederriemen anstellten, fanden sie folgende Resultate.

Lederriemen.
Nr. 1 50mm breit 5mm,5 dick riß bei 1136k
Nr. 2 50mm 5mm,5 „ „ „ 1004k
Nr. 3 50mm 5mm,5 „ 940k
–––––––––––
Durchschnittsbruchbelastung 1093k,33
Haarriemen.
Nr. 1 52mm breit 5mm,5 dick riß bei 834k
Nr. 2 52mm 5mm,5 „ „ „ 867k
Nr. 3 52mm 5mm,5 „ „ „ 790k
–––––––––
Durchschnittsbruchbelastung 830k,33

Ueberschuß zu Gunsten der Lederriemen 263k = 24,06 Proc., anstattt der angegebenen größeren Festigkeit der Haarriemen.

2. Versuche auf Friction ergaben einen Ueberschuß von 18,50 Proc. zu Gunsten der Lederriemen. Ob gebrauchte Haarriemen, bei welchen der rothe Anstrich abgeschliffen ist, ein günstigeres Resultat liefern würden, scheint mehr als zweifelhaft.

3. Haarriemen sind durchschnittlich um circa 30 Proc. theurer als Lederriemen, weil sich die Preise der ersteren mit zunehmender Breite in einer rasch steigenden Progression erhöhen.

4. Haarriemen können da keine Anwendung finden, wo es nöthig ist, den Riemen auszurücken, denn sind erst einmal die Ränder abgeschliffen, so muß der ganze Riemen unbedingt seinen Halt verlieren und sich in einzelne Stränge auflösen.

5. Haarriemen sind jedenfalls bedeutend schwerer zu repariren als Lederriemen.

6. Bei Haarriemen ist die Verbindung der Enden eine sehr prekäre Sache, und haben sie diesen Fehler mit den Kautschukriemen gemein.

Alles dies, schließen Stark und Comp., sind nicht zu leugnende Nachtheile, welche einer ausgedehnten Anwendung von Haarriemen im Wege stehen; ihre Verwendung wird sich daher nur auf einzelne specielle Fälle beschränken müssen, für welche man die gegen Säuren, Dämpfe etc. so vorzüglich präparirten Lederriemen noch nicht kennt.

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