Titel: Ueber die antiseptische Wirkung der Salicylsäure und der Benzoësäure.
Autor: Anonymus
Fundstelle: 1875, Band 217 (S. 254)
URL: http://dingler.culture.hu-berlin.de/article/pj217/ar217mi03_11

Ueber die antiseptische Wirkung der Salicylsäure und der Benzoësäure.

Entgegen den günstigen Urtheilen, welche bisher allgemein über die Wirkung der Salicylsäure veröffentlicht sind (1874 214 132; 1875 215 169; 216 373; 217 136), hat Salkowsky (Berliner klinische Wochenschrift, 1875 S. 297) gefunden, daß die Salicylsäure in concentrirter wässeriger Auflösung die Fäulniß zwar aufschiebt, sie aber nicht zu verhindern vermag; desadorisirende Eigenschaften besitzt sie nicht. Die Wirkung der Salicylsäure kommt nicht durch Spaltung in Phenol und Kohlensäure zu Stande, wie Kolbe vermuthet hatte.

Die Benzoësäure besitzt weit stärkere antiseptische Eigenschaften wie die Salicylsäure. Wenn man frisches Fleisch, feingehackt oder in größeren Stücken, in concentrirter wässeriger Benzoësäurelösung aufbewahrt, so tritt eine Fäulniß nach den Beobachtungen. welche sich jetzt auf über 3 Monate erstrecken, überhaupt nicht ein. Die Flüssigkeit bleibt vollkommen klar und bewahrt den Geruch nach Benzoësäure.

Für die praktische Anwendung der Salicylsäure zu äußerlichem Gebrauch kommt der Umstand, daß sie die Fäulniß nicht völlig verhindert, wenig in Betracht, wenn man auch immerhin das Mittel lieber nehmen will, das völlige Garantie gegen Fäulniß bietet. Was der Benzoësäure aber ein entschiedenes Uebergewicht sichert, ist, daß sie bedeutend billiger ist wie die Salicylsäure. Ob sie sonst bei ihrer Anwendung Nachtheile gegenüber der Salicylsäure besitzt oder Vortheile gegenüber der Carbolsäure, können nur klinische Erfahrungen lehren.

Für die innerliche Anwendung als Antisepticum oder Antizymoticum sind beide Säuren in gleichem Grade ungeeignet, weil sie bei ihrer Aufnahme ins Blut in Natronsalze übergehen; offenbar ist hier der Gebrauch neutraler Substanzen bei Weitem vorzuziehen, welche – das ist ja die principielle Bedingung ihrer Wirksamkeit – den Organismus durchlaufen, ohne eine Veränderung zu erfahren. Als Typus derselben ist das Phenol (Carbolsäure) zu nennen, ferner Substitutionsproducte des Phenol, die wohl alle mehr oder minder starke antiseptische Wirkung zeigen.

Die weiteren Versuche mit Phenol, Eisenvitriol und Chlorkalk bestätigten die bisherigen Erfahrungen (1873 210 134). In 1 proc. Phenollösung trat keine Fäulniß mehr ein; Eisenvitriol und Chlorkalk verzögerten die Fäulniß selbst in 1 proc. Lösung nur um wenige Tage.

Fleck gibt in einer Broschüre (Benzoësäure, Carbolsäure, Salicylsäure, Zimmetsäure. München 1875) an. daß die Salicylsäure nicht zur Conservirung des Fleisches oder in der Gährungstechnik verwendbar sei.

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